© DGB-Jugend/Paul Lamberti

Soli aktuell 7/2024

Make Europe social (again)

Beim Camp der EGB-Jugend in Markelfingen wurde über ein demokratisches Europa im Vorfeld der EU-Wahlen diskutiert.

© DGB-Jugend/Paul Lamberti
Alle Macht der europäischen Gewerkschaftsjugend: Solidarische Grüße vom Camp in Markelfingen.

Fit machen für die EU-Wahl
"Am Schlafbach 10" lautet die idyllische Postanschrift des DGB-Jugend-Camping-Platzes in Markelfingen am Bodensee. Das Euro-Camp, das die DGB-Jugend dort Ende Mai veranstaltete, kam aber alles andere als müde daher: Viele Workshops erwarteten die rund 70 Teilnehmer*innen der EGB-Jugend, die aus insgesamt zehn Ländern angereist waren.

Das Treffen diente noch einmal zur letzten Vorbereitung der Gewerkschaftsjugend auf die Wahl des europäischen Parlaments am 9.Juni; zum fit werden für das Engagement in Betrieben, Schulen und Hochschulen, um junge Beschäftigte für die Wahl demokratischer Parteien zu sensibilisieren.

Breite Themenauswahl
Auf dem Programm standen europapolitische Themen wie Feminismus und die Umsetzung des Lieferkettengesetzes. Daneben wurde auch über Strategiethemen wie etwa die Gewerkschaftsarbeit innerhalb staatlicher Organe berichtet und diskutiert. Und natürlich der Kampf gegen die extreme Rechte, die die Europäische Union gern demontieren würde. Als Referent*innen brachten sowohl haupt- wie ehrenamtlich Aktive der Gewerkschaftsjugend ihre Erfahrungen ein.

Debatte um Prekarität
Immer wieder stand auch der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit im Zentrum. So unterschiedlich die Bedingungen in den verschiedenen Ländern der EU auch sein mögen, Jugendarmut und Jugendarbeitslosigkeit nehmen durchaus überall wieder zu bzw. waren nie weg. Sei es, weil es in Ländern wie Deutschland, Frankreich und Italien mit bisher noch starken Industriebranchen zu Transformationsprozessen mit ungewissem Ausgang kommt; sei es, dass der Arbeitsmarkt immer schon prekär war.

Arbeiten auf Abruf, Aufträge, die durch Apps vermittelt werden, hochflexibel beim Arbeitsort, kaum Kontakt zu Kolleg*innen: Der neue Plattform-Kapitalismus – der oft genug ein sehr alter ist, ohne Tarifverträge und Arbeitszeiten –, wie er sich etwa bei den Lieferdiensten zeigt, stellt den Solidaritätsgedanken auf eine harte Probe. Wie lassen sich Verbesserungen der Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen durchsetzen, wenn sich Menschen am Arbeitsplatz nur noch schlecht organisieren lassen? Referentin Hanna Winter von der NGG berichtete hier von den Aktivitäten und Erfolgen ihrer Gewerkschaft.

Das Image von Europa
Das europäische Projekt selbst hat nicht nur wegen des Erstarkens extrem rechter Parteien mit einem Image-Problem zu kämpfen. Europa wird als Behörden- und Verordnungsdschungel wahrgenommen, der Trend geht hin zur Renationalisierung von Politik. Die EGB-Jugend, trotz aller Auswüchse nach wie vor in Gesamtheit überzeugt vom europäischen Projekt, setzte dem den Workshop "Make Europe Social (Media) Again" entgegen – Europa wieder zum sozialen Medium zu machen. Ganz praktisch: Proeuropäische und prodemokratische Impulse mit anschließender Fotoaktion und Reels geben, mit denen die Teilnehmer*innen für die Europawahl werben.

Camp-Leben
Auch spontan gedrehte Videos gegen rechts und für die gewerkschaftliche Solidarität, umgehend gepostet, waren gut für Stimmung und Geschlossenheit. Wie auch mehrere starke Regengüsse und Gewitter dafür sorgten, dass die gesamte Camp-Gemeinde im Hauptzelt Schutz suchen musste. Was der Vereinzelung, wie sie sich sonst in Hotelzimmern einstellen kann, im Gruppenzelt naturnah entgegenwirkte; nicht zu vergessen jene Mäusefamilie, die sich in einem Schlafsack eingefunden hatte. Gemeinsames Schwimmen im mit 17 Grad Wassertemperatur nicht gerade sommerlich temperierten Bodensee tat sein Übriges.

Ausblick
Und nach der Wahl? Im zweiten Halbjahr der Kampf um gute Praktika-Bedingungen auf dem Fahrplan der EGB-Jugend. Vor allem, dass sie endlich fair bezahlt werden. Dazu hat nun der Gesetzgebungsprozess begonnen, die jungen organisierten Beschäftigten werden hier ihren Einfluss geltend machen.


(Aus der Soli aktuell 7/2024, Autorin: Soli aktuell)