© DGB-Jugend/Paul Lamberti

Soli aktuell 7/2024

Setzt euch rechtzeitig zusammen

 In diesem Herbst finden die JAV-Wahlen in den Betrieben statt. Im öffentlichen Dienst einiger Bundesländer wurden bereits JAVen gewählt. Bianca Jurczyk sagt, worauf es ankommt. (Teil I)

© Privat
Bianca Jurczyk ist Vorsitzende der Hauptjugend- und Auszubildendenvertretung der Polizei im Innenministerium (PHJAV). Zum Gremium gehören fünf Mitglieder, mit Ersatzmitgliedern sind es 15 Personen. Die PHJAV vertritt 7.711 Kommissaranwär ter*innen und 218 Regierungsinspektoranwärter*innen. Sie setzt sich zudem für die Belange von ca. 858 Fachoberschüler*innen ein, die ihr Fachabitur bei der Polizei machen.

Bianca hat das duale Studium im gehobenen Dienst bei der Polizei NRW absolviert. "Ich wollte immer einen abwechslungsreichen und herausfordernden Beruf. Das habe ich schon seit der Kindheit vor Augen gehabt", sagt sie. "Ich wollte immer aktiv zur Sicherheit und zum Schutz der Gesellschaft beitragen und dabei eine bedeutungsvolle Rolle im Dienst der Gemeinschaft spielen."

Zur JUNGEN GRUPPE (GdP) kam sie im Studium. In der Funktion als PHJAV-Vorsitzende arbeitet sie eng mit dem geschäftsführenden GdP-Landesjugendvorstand zusammen und ist in bundesweiten Arbeitsgruppen aktiv.

Bianca, wie ist eure Wahl gelaufen, war die Wahlbeteiligung hoch?
Unsere Wahl der PHJAV – der Hauptjugend- und Auszubildendenvertretung der Polizei im Innenministerium – ist durch das Einrichten einer Lenkungsgruppe besser gelaufen als in den Jahren zuvor (ca. 20 Prozent), trotzdem liegt die Wahlbeteiligung von knapp 9.000 Studierenden bei nur 42 Prozent.

Warum engagierst du dich in der PHJAV?
Weil ich die Belange der Studierenden und Auszubildenden aktiv ansprechen und umsetzen möchte.

Bist du freigestellt für das Amt in der Mitbestimmung? Wie verträgt sich das mit deinem Dienst?
Für den Vorsitz in der PHJAV bin ich nicht freigestellt. Für unsere Sitzungen der PHJAV und die Sitzungen mit dem Hauptpersonalrat aber, auch für Dienstreisen. Was im Hintergrund an Organisation läuft, ist ehrenamtlich. Aktuell finde ich ganz gut die Balance zwischen meinem Dienst, der Tätigkeit in der PHJAV und meiner Gewerkschaft. Manchmal knubbeln sich jedoch viele Termine in einer Woche, dann gibt es auch schon einmal das ein oder andere Gespräch mit meinem Chef. Aber der steht hinter mir und versucht, mich so gut es geht zu unterstützen.

Welche Aufgaben habt ihr vor euch?
Uff. Einige! Aktuell werden bei uns 3.000 Studierende im Jahr eingestellt. Für die haben wir nicht genug Lehrpersonal, Platz in den Trainingsstätten und Praktikumsdienststellen. Da hier die meisten Probleme auftreten, versuchen wir, Lösungsvorschläge anzubringen, um die Ausbildung zu den bestmöglichen Bedingungen zu gewährleisten. Auch die Haushaltslage macht uns sehr zu schaffen. Bei der Ausrüstung gibt es viel Verbesserungsbedarf.

Was ist gerade am dringlichsten?
Aktuell sind wir dabei, unserem Innenminister Herbert Reul unser Projekt "Kleiderkreisel" vorzustellen. Hier können Polizeivollzugsbeamte überschüssige Uniformteile durch die örtliche JAV an die Kommissaranwärter*innen abgeben. Mit diesem Projekt tun wir etwas für die Nachhaltigkeit und können Uniform-Engpässen temporär entgegenwirken. Zudem setzen wir uns dafür ein, dass das Thema psychische Gesundheit bei der Polizei enttabuisiert wird. Gerade in der Ausbildung können psychische Belastungen durch den Dienst im Praktikum sowie der dazukommende Prüfungsstress erhebliche Folgen haben. Wir jungen Leute sind, was das Thema angeht, ziemlich aufgeweckt – trotzdem findet das nicht immer Anklang in der noch sehr erstarrten "Polizeigesellschaft". Das wollen wir ändern.

Welche Schwierigkeiten treten in der Ausbildung noch auf?
Die häufigsten Probleme gibt es bei Klausur- oder Prüfungswiederholungen. Dann: Das Lernmaterial ist nicht immer einheitlich, bei der Ausrüstung fehlt’s, bei der Prüfungsvorbereitung und der Suche nach dem richtigen Ansprechpartner für bestimmte Anliegen. Eines der größten "Probleme", das wir angehen, ist die Behördenverteilung am Ende des Studiums: Werden Studierende ohne Sozialpunkte mehrere hundert Kilometer von der Heimatbehörde versetzt, können sie an der Tauschbörse teilnehmen. Sie wird von der PHJAV organisiert und durch Richtlinien geregelt. Grundsätzlich kann aber auch jeder Studierende ohne Sozialpunkte an der Tauschbörse teilnehmen.

Wie arbeitet ihr mit anderen Gremien zusammen?
Unsere erste Anlaufstelle ist der Hauptpersonalrat im Innenministerium. Mit ihm arbeiten wir eng zusammen und werden mit unseren Anliegen an die entsprechenden Ansprechpartner weitergeleitet.

Welche Aufgaben siehst du für deine Gewerkschaft und wie hilft sie euch?
Die GdP unterstützt uns in unseren Vorhaben, formuliert Standpunkte und stellt Forderungen im gewerkschaftspolitischen Raum. Sie berät uns bei vielen Anliegen. Wir arbeiten immer Hand in Hand.

Bald sind JAV-Wahlen in den Betrieben. Hast du Tipps für zukünftige JAVis?
Setzt euch rechtzeitig zusammen und plant die Wahl. Zeigt euren Auszubildenden und jungen Beschäftigten, was ihr erreicht habt und was ihr noch erreichen wollt. Geht in die Betriebe und stellt euch vor. Seid mutig und aktiv, macht Werbung. Als JAV nehmt ihr viel Wissen und Erfahrung mit. Ihr bekommt einen ganz anderen Blick auf die Abläufe in eurem Betrieb. Durch den Kontakt mit eurem Arbeitgeber habt ihr die Möglichkeit, Anliegen und Probleme direkt anzusprechen.

Teil II mit der Haupt-JAV der Deutschen Rentenversicherung Bund folgt in der nächsten Ausgabe.

(Aus der Soli aktuell 7/2024, Autorin: Soli aktuell)

JAV-Arbeit Teil II