© DGB-Jugend/Paul Lamberti

Soli aktuell 7/2024

Unsere Stärke: Ehrenamtliche

Bildung: Junge GEW und GEW-Studierende waren in Erkner beim Vernetzungstreffen GEWolution.

© Junge GEW/Kay Herschelmann
Mine Hänel studiert Erziehungswissenschaft in Halle, ist Bundessprecherin der Jungen GEW und aktiv bei der DGB-Jugend Sachsen. Oleg Gussew studiert Englisch und Russisch in Kiel und ist Mitglied im Geschäftsführenden Landesvorstand der GEW Schleswig-Holstein.

Hallo Mine und Oleg, wie sehen junge GEW-Mitglieder aufs deutsche Bildungswesen?
Mine: An wesentlichen Punkten kritisch! Es ist veraltet, fördert Ungleichheit und stellt Selektionsmechanismen vor innovative Bildungskonzepte. Bei der GEWolution hatten wir die Gelegenheit, unsere persönlichen Erfahrungen kritisch zu hinterfragen und uns gegenseitig ein emanzipatorisches praxisorientiertes Bildungsangebot zu machen.

Welche Herausforderungen gibt es für junge Kolleg*innen im pädagogischen Bereich und wie hilft die Junge GEW dabei?
Oleg: Vor den gleichen wie die gesamte Gesellschaft – Klimakrise, zunehmende soziale Ungerechtigkeiten, Krieg und rechter Aufschwung. Diese Themen wirken sich auf vielfältige Art und Weise in pädagogischen und wissenschaftlichen Einrichtungen aus. Unsere Kolleg*innen stehen vor der Situation, dass sie innerhalb eines unterfinanzierten Bildungssystems von gestern dazu befähigt werden sollen, in einem unterfinanzierten Bildungssystem von gestern zu arbeiten. Wir versuchen, sie bestmöglich zu unterstützen – durch praktische Fortbildungsangebote zum Berufseinstieg, Vernetzungsangebote und auch durch halboffene Formate wie die GEWolution. Unsere Stärke liegt in unseren vielen Ehrenamtlichen, die sich mit Kreativität, Enthusiasmus und innovativen Ideen zusammenschließen, um gemeinsam die Situation für alle zu verbessern!

Für euch muss Bildung emanzipatorisch und kritisch sein. Was ist damit gemeint?
Mine:
Ein wesentlicher Schritt zur emanzipatorischen Bildung ist die Reflexion – zum einen der eigenen Haltung, des eigenen Rollenverständnisses und der eigenen Handlungen, zum anderen aber auch der Rahmenbedingungen, in denen wir uns bewegen. Für uns bedeutet emanzipatorische Bildung, dass unsere Rolle über die reine Wissensvermittlung, schlichte Beaufsichtigung oder eine neutrale, unpolitische Helfer*innenrolle hinausgeht. Normative Dogmen und pädagogische Maximen gilt es kritisch zu hinterfragen. Wir wollen uns gegenseitig empowern, um aktiv an gesellschaftlichen und politischen Prozessen teilzuhaben.

Welche Forderungen habt ihr nach eurem Treffen formuliert?
Oleg: Wir wollen eine weitere GEWolution! Abgesehen davon haben wir viele unglaublich gute Workshops besucht, tolle Gespräche geführt und vielfältige Perspektiven kennengelernt. An dieser Stelle möchten wir aber einige der über 100 Teilnehmer*innen selbst zu Wort kommen lassen mit den Utopien, die sie an diesem Wochenende entwickelt und mit uns geteilt haben. Es folgt daher eine Handvoll Zitate von der Utopien-Pinnwand:

  • Die Lehrkräftebildung grundsätzlich reformieren!
  • Ungemütlich bleiben!
  • Das Schulsystem in Deutschland reformieren – Just do it!
  • Noten abschaffen!
  • Für eine emanzipatorische und kritische Wissenschaft!
  • Keine Sonderrechte für religiöse Träger!
  • One Solution – GEWolution!