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Soli aktuell 7/2024

Ausbildung in Gefahr

Berufsbildungsbericht 2024: Die Zahl junger Menschen ohne Berufsabschluss steigt weiter. Von Julian Uehlecke

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War schon beim Jugendstreiktag der Gewerkschaftsjugend ein großes Thema: Die Ausbildung muss besser verankert werden.

Mehr ist weniger
Einmal mehr zeigen die Indikatoren des jüngst veröffentlichten Berufsbildungsberichts der Bundesregierung, vor welchen zentralen Problemen der Ausbildungsmarkt und die berufliche Bildung stehen. Zwar wurden drei Prozent mehr Ausbildungsverträge neu abgeschlossen als noch im Jahr 2022. Im Vergleich zu 2019 bleibt aber weiterhin ein deutlicher Rückgang von 6,8 Prozent.

Die Zahl junger Menschen zwischen 20 und 34 Jahren, die ohne abgeschlossene Berufsausbildung bleiben, ist erneut auf ein Rekordhoch gestiegen. Sie lag im Jahr 2022 bei schwindelerregenden 2,86 Mio. Ohne ein grundsätzliches Umsteuern muss davon ausgegangen werden, dass diese Zahl auch in den kommenden Jahren weiter steigen wird.

Übergangssystem
Im vergangenen Jahr haben insgesamt 249.800 junge Menschen Maßnahmen im sogenannten Übergangsbereich begonnen (+ 4,3 Prozent gegenüber 2022). Dabei können dort keine Berufsabschlüsse erworben werden. Damit werden die Maßnahmen für viele zur Warteschleife – einige bleiben auch nach Jahren im Übergangsbereich letztlich ohne Berufsausbildung.

Ausbildungsquote sinkt
Das liegt auch daran, dass sich immer weniger Unternehmen überhaupt noch an der Ausbildung von Fachkräften beteiligen: Die Quote ausbildender Betriebe ist rückläufig und liegt bei nur noch 18,9 Prozent im Jahr 2022 (2021: 19,1 Prozent). Jahr für Jahr wird ein neuer Negativrekord erreicht!

Es ist doch paradox: Auf der einen Seite jammern die Arbeitgeber beständig über Fachkräftemangel. Auf der anderen Seite scheut man sich in immer mehr Unternehmen vor der gesellschaftlichen Verantwortung und den Kosten, genügend Fachkräfte-Nachwuchs auszubilden. Nötig ist ein umlagefinanzierter Zukunftsfonds, in den alle Betriebe einzahlen und aus dem die ausbildenden Betriebe ihre Ausbildungskosten anteilig erstattet bekommen. So schaffen wir die nötigen Anreize, damit sich wieder mehr Betriebe beteiligen. Gleichzeitig müssen die neugeschaffenen Instrumente der gesetzlichen Ausbildungsgarantie auch tatsächlich genutzt werden – unabhängig davon, in welcher Region junge Menschen aufwachsen.

Vorzeitig beendet
Ein weiteres Alarmzeichen ist der Anstieg der Vertragslösungsquote. Diese lag 2022 bei 29,5 Prozent (2021: 26,7 Prozent) und damit deutlich über dem Niveau der Vorjahre. Aus Sicht des DGB ist die Steigerung nicht allein auf eine bessere Marktlage zurückzuführen, sondern zeigt die anhaltenden Qualitätsmängel in vielen Ausbildungsberufen. Eine Aufwertung der Ausbildung muss bei den Missständen ansetzen, die der Ausbildungsreport der DGB-Jugend jährlich verzeichnet.

Was wir fordern
DGB-Jugend und DGB haben umfassende Vorschläge zur Situation gemacht: U.a. müssen Schulen Berufswahlkompetenz vermitteln, die Präsenz der Berufsberater*innen der Bundesagentur für Arbeit an den Schulen muss zu einer Selbstverständlichkeit werden. Jugendberufsagenturen müssen junge Menschen besser erreichen und ihnen mehr Unterstützungsangebote machen. Damit Ausbildung auch attraktiv für junge Menschen ist, brauchen wir besser ausgestattete Berufsschulen. Und angesichts der gestiegenen Lebenshaltungskosten muss auch die (Mindest-)Ausbildungsvergütung ansteigen, damit sich junge Menschen, vor allem in den städtischen Ballungsgebieten, ihre Ausbildung überhaupt noch leisten können.


Hier geht es zum Berufsbildungsbericht: https://t1p.de/9376r


(Aus der Soli aktuell 7/2024, Autorin: Soli aktuell)

 Julian Uehlecke DGB
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Julian Uehlecke ist politischer Referent der DGB-Jugend.