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Soli aktuell 6/2024

Ist mein Abschluss gefährdet?

Zurzeit erreichen uns viele Anfragen bezüglich der Abschlussprüfung. Es kommt regelmäßig vor, dass Auszubildende um ihre Zulassung bangen, weil sie während ihrer Ausbildungszeit zu oft gefehlt haben.

Moritz Schrottenholzer
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Azubi-Ratgeber Moritz Schrottenholzer.

Zu viele Fehltage?
Zurzeit erreichen uns viele Anfragen bezüglich der Abschlussprüfung. Es kommt regelmäßig vor, dass Auszubildende um ihre Zulassung bangen, weil sie während ihrer Ausbildungszeit zu oft gefehlt haben.

So erging es auch Büsra. Sie ist im letzten Ausbildungsjahr ihrer Ausbildung als Kauffrau für Büromanagement. Im "Dr. Azubi"-Forum schreibt sie: "Im 1. Ausbildungsjahr habe ich insgesamt 31 Fehltage aufgrund von Corona gehabt, plus vier Tage dieses Jahr über Weihnachten. D.h. insgesamt 35 Krankentage. Es heißt ja, dass man die zehn Prozent nicht überschreiten sollte. Wie rechne ich mir am besten aus, wie viel Tage zehn Prozent in meiner Ausbildung sind? Sind bis jetzt 35 Krankheitstage schlimm und könnten sie meine Teilnahme an der Abschlussprüfung gefährden?"

"Dr. Azubi" rät: Es ist richtig, dass man in seiner Ausbildung nicht mehr als etwa zehn Prozent Fehlzeiten – bei regulärer Dauer etwa 12 bis 15 Wochen – haben darf, um zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden. Das mit den zehn Prozent ist aber eine Faustregel – kein Gesetz!

Wer entscheidet?
Dabei sind auch immer Ausnahmeregelungen möglich. Über die Zulassung entscheidet die zuständige Stelle, zum Beispiel die Industrie- und Handels- oder die Handwerkskammer (IHK und HWK). Wenn du die zehn Prozent überschreitest, wird im Einzelfall geschaut, ob du zugelassen werden kannst. Dabei sind auch deine Berufsschulnoten wichtig – und ob du im Betrieb alle Inhalte gelernt hast, trotz der Fehltage.

Es macht also vielleicht auch Sinn, deinen Betrieb mit ins Boot zu holen. Für die Berechnung der Fehlzeiten wird mit etwa 220 Arbeitstagen pro Jahr gerechnet. Es könnte also sein, dass du die Grenze gar nicht überschreitest. Falls doch, kann immer noch der Einzelfall geprüft werden – und du wirst vielleicht trotzdem zugelassen. Das kann man aber nicht pauschal sagen.

Hilfe, ich bin durchgefallen!
Kann man eine Prüfung eigentlich wiederholen, wenn man durchgerasselt ist? Ja: Im § 37 Berufsbildungsgesetz (BBiG) ist geregelt, dass die Abschlussprüfung bis zu zwei Mal wiederholt werden darf. Insgesamt sind also drei Versuche möglich, um die Abschlussprüfung abzulegen.

Ist die Prüfung zweigeteilt, sind nur beide Teile zusammen wiederholbar. Wenn es beim ersten Versuch also nicht gereicht hat, empfiehlt es sich, die Ausbildung um ein halbes Jahr zu verlängern und die Inhalte, die noch nicht so sitzen, noch einmal zu wiederholen.

Dafür kann man sich auch Hilfe holen. So gibt es die "Assistierte Ausbildung" (AsA flex). Das ist kostenlose Nachhilfe für Auszubildende. Über die Möglichkeiten von AsA flex informiert man sich in der Berufsschule oder bei der Agentur für Arbeit.

Das steht im Gesetz
Auch die Rahmenbedingungen der Abschlussprüfung sind gesetzlich geregelt. Hier sind die wichtigsten Punkte einmal zusammengefasst: Die Ausbilder*innen müssen dich bei der zuständigen Stelle zur Abschlussprüfung anmelden und die Prüfungsgebühren zahlen, denn für die Auszubildenden ist die Prüfung gebührenfrei (§ 37 BBiG). Und normalerweise klappt das auch ohne Probleme.

Aber es gibt auch Auszubildende, die ihren Ausbilder*innen misstrauen – weil in der Vergangenheit herzlich wenig so gelaufen ist, wie es eigentlich sollte. Trifft das zu, kann man sich zu seiner eigenen Sicherheit bei der zuständigen Instanz (siehe Stempel auf deinem Ausbildungsvertrag, zum Beispiel IHK, Innung) erkundigen, ob man auch angemeldet ist.

Die Rolle der IHK
Die IHK ist die zuständige Instanz, die über die Prüfungsanmeldung entscheidet. Sollte man zu viele Fehlzeiten haben, kann es sein, dass man nicht zur Prüfung zugelassen wird, weil davon ausgegangen wird, dass dir Ausbildungsinhalte fehlen. Dann kann man entweder wie beschrieben die Ausbildung verlängern oder mit der IHK und deine*m Ausbilder*in gemeinsam nach einer Lösung suchen. Zeigt sich hier eine Seite uneinsichtig oder legt dem Auszubildenden sogar Steine in den Weg, kann es sinnvoll sein, die Gewerkschaft einzuschalten.

Das Zeugnis
Am Ende der Ausbildung hat jede*r Auszubildende Anspruch auf ein Zeugnis, in dem auch schulische Leistungen vermerkt sind. Es steht sogar im Gesetz, dass man ein Recht auf eine englischsprachige und/oder französischsprachige Übersetzung des Zeugnisses hat. Das muss man nur im Betrieb beantragen.

Prüfung bestanden – werde ich übernommen?
Die Prüfung ist vorbei, die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Und jetzt? Viele Auszubildende stehen anschließend erst mal ohne Job da. Offiziell endet die Ausbildung mit der Bekanntgabe des Prüfungsergebnisses. Dann heißt es: einen Job suchen, viele Bewerbungen schreiben.

Auszubildende erhalten immer wieder von ihren Betrieben Übernahmeangebote. Allerdings hängt das oft von der Größe des Unternehmens ab. Die Gewerkschaftsjugend setzt sich seit einiger Zeit intensiv für die verpflichtende Übernahme von Ausgelernten ein. Man kann sich also erkundigen, ob es im Betrieb eine Übernahmeregelung gibt oder vielleicht sogar einen Tarifvertrag, in dem die Übernahme kollektiv geregelt ist. Oder auch selbstständig mit dem Vorgesetzten über eine Übernahme sprechen. Das geht allerdings frühestens sechs Monate vor Ende der Ausbildung.


(Aus der Soli aktuell 6/2024, Autor: Moritz Schrottenholzer)