© Ruhrfestspiele

Soli aktuell 5/2024

Plan fürs Berufsleben

Mehr Qualität und bessere Praxis: Der DGB fasst seine Positionen zur Berufsorientierung junger Menschen zusammen. Von Jeanette Schnell

© DGB

Eine gute Grundlage
Die Wahl einer Ausbildung oder eines Studiums ist für junge Menschen ein bedeutsamer Schritt. Er leitet eine neue Lebensphase ein und legt den Grundstein für das spätere Berufsleben. Dass dieser Schritt vielen Jugendlichen nicht auf Anhieb gelingt und die schulische Berufsorientierung oft nicht ausreichend hilfreich ist, wird an vielen Stellen belegt. Allein im Ausbildungsreport der DGB-Jugend 2022 gaben gerade einmal ein Viertel der Befragten an, die schulische Berufsorientierung hätte ihnen geholfen. Fast die Hälfte sagte, sie sei gar nicht hilfreich gewesen.

Gute Praxisphasen einplanen
Aus Sicht des DGB ein Grund mehr, die Berufsorientierung auf den Prüfstand zu stellen und zu verbessern. Dabei sei betont, dass Berufsorientierung nicht die alleinige Lösung für die bestehenden Probleme auf dem Ausbildungsmarkt ist. Auch die beste Berufsorientierung erhöht die Zahl der Auszubildenden nicht, wenn die Bedingungen unattraktiv sind. Soll Berufsorientierung besser werden, braucht es auch genügend gute Praktikumsplätze. Sollen Praxisphasen eine positive Wirkung entfalten können, müssen sie von hoher Qualität sein.

Was zu tun ist
Folgende Maßnahmen können aus Sicht des DGB den Prozess der Berufsorientierung junger Menschen positiv unterstützen:

  • Die Vermittlung einer Berufswahlkompetenz ist zentral, damit sich junge Menschen in einer sich schnell verändernden Berufs- und Arbeitswelt zurechtfinden und bei Bedarf neu orientieren können. Im Mittelpunkt muss eine Beratung und Begleitung stehen, die eine selbstbestimmte und reflektierte Planung der eigenen Berufs- und Lebenswelt fördert.
  • Berufsorientierung muss als Querschnittsaufgabe in allen Schulformen systematisch im Curriculum und im Schulkonzept verankert sein. In der Sekundarstufe I sind mehrwöchige Praktika oder Praxistage vorzuhalten. In der Sekundarstufe II sind weitere Praxiszeiten anzubieten. Für die Durchführung der Praktika müssen Qualitätsstandards gelten, damit sie einen Mehrwert für junge Menschen haben. Schulen brauchen hierfür mehr personelle Ressourcen. Schulsozialarbeit, Jugendberufsagenturen und außerschulische Partner sind wichtige Akteure und Anlaufstellen, um Schüler*innen in ihrem Orientierungsprozess zu unterstützen. Auch die Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit nimmt hier eine wichtige Rolle ein.
  • Geschlechtersensibilität zu fördern und dafür Qualifizierungsmaßnahmen für alle in der Berufs- und Studienorientierung Tätigen vorzuhalten, ist ein weiteres Qualitätsmerkmal und kann dabei helfen, strukturelle Ungleichheiten am Arbeitsmarkt aufzubrechen und zu verringern.