© Ruhrfestspiele

Soli aktuell 5/2024

Pulsierendes Festival

Am 1. Mai beginnen die gewerkschaftlichen Ruhrfestspiele.

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Rhythmus, Kreislauf, Natur: Die Ruhrfestspiele starten mit einer spektakulären Zirkus-Show.

Sage und schreibe 24 Akrobat*innen – das gesamte Ensemble der australischen Kompanie Gravity & Other Myths – verbinden sich in präzisen Choreografien mit den Stimmen des Frauenkonzertchors der Chorakademie Dortmund: Zum ersten Mal werden die Ruhrfestspiele mit einer Zirkusarbeit eröffnet. "The Pulse" heißt das Stück: "Vor unseren Augen entstehen in diesem einzigartigen Zusammenspiel nicht weniger als der Kreislauf des Lebens, der Rhythmus der Natur, der Pulsschlag des Herzens", heißt es im Programm.

Na, dann kann es ja losgehen! Die vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin und Übersetzerin Esther Kinsky wird die Festspiele, die vom 1. Mai bis zum 9. Juni 2024 gehen, mit einer Rede eröffnen. Das Thema in diesem Jahr: Vergnügen und Verlust.

Für das Team der Ruhrfestspiele um Intendant Olaf Köck ist Kunst als Bildung und Selbstbildung eine maßgebliche Ausdrucksform des menschlichen Seins. Kunst bewegt zum Handeln und Sprechen, sorgt für Empowerment und Partizipation. Daher müssen alle Menschen, insbesondere Kinder und Jugendliche, das Recht und die Möglichkeit haben, Zugang zu Kunst und Kultur zu finden. Müssen Orte der Kunst und der Bildung sich verpflichten, Angebote zu schaffen, Teilhabe zu ermöglichen – unabhängig von Herkunft und finanziellen Mitteln. Und dafür Sorge tragen, dass die Angebote genutzt werden und die Option besteht, das Erlebte als sinnstiftend für das eigene Leben zu verstehen.

Das gilt erst recht für das Jugendprogramm "Junge Ruhrfestspiele". Sie bilden den spannenden Rahmen für das Theater vor wie auf der Bühne. Auf dem Programm stehen das inklusive Ensemble des Kawumm-Projekts ebenso wie das Kabarett "Storno – Die Inventur" und die Band Yagody, vier Studentinnen aus dem ukrainischen Lwiw. Die Gruppe Urbanatix tanzt, die A Capella-Band Slixs singt. DGB-Gewerkschaften und die Ruhrfestspiele starten gemeinsam beim Kulturvolksfest auf dem Hügel mit Kunst und Politik ins Festival.

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Die gewerkschaftlichen Ruhrfestspiele
Die Ruhrfestspiele sind eines der ältesten, größten und renommiertesten Theaterfestivals Europas. Als im kalten Nachkriegswinter 1946/47 die Hamburger Theater von der Schließung bedroht waren, weil ihnen die Heizmittel fehlten, leisteten die Bergleute in Recklinghausen Amtshilfe: Die Kumpel luden die LKWs mit Kohle voll und sorgten so für warme Theater im Norden.1947 revanchierten sich die Theaterleute bei den Bergleuten. Gespielt wurden Stücke von Tschechow, Tolstoi, von Horváth und Donizetti sowie "Figaros Hochzeit" von Mozart.

Der DGB und die Stadt Recklinghausen gründeten dann zu gleichen Teilen die "Gesellschaft zur Durchführung der Ruhr-Festspiele mbH". Seitdem schauen die Festspiele von Recklinghausen aus auf das kulturelle und politische Weltgeschehen.


Karten und Infos: www.ruhrfestspiele.de

(Aus der Soli aktuell5/2024, Autorin: Soli aktuell)