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Soli aktuell 4/2024

Der gewerkschaftliche Blick

Engagement: Die DGB-Jugendbildung nimmt das Wahljahr 2024 ernst. Mit dem neuen Methodenheft für Aktive seid ihr bestens vorbereitet. Von Kerstin Sernatinger

© DGB-Bildungswerk
"Wir bekräftigen die Legitimität der Interessen junger Menschen, die es gegenüber der Politik zu vertreten gilt": das ideale Methodenheft für alle, die ehren- oder hauptamtlich in der Gewerkschaftsjugend tätig sind oder aktiv in der Mitbestimmung.

Ein Planspiel im Wahljahr
Pünktlich zum Wahljahr 2024 ist das neue Methodenheft des Projekts "Für eine starke Demokratie in der beruflichen Bildung" erschienen. "Wir haben die Wahl(en)" lädt mit einem Planspiel dazu ein, insbesondere junge Menschen zu ermutigen, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen.

Dieses Jahr ist das Superwahljahr: Fast die Hälfte der Weltbevölkerung darf 2024 an die Urnen. So sind auch deutsche Bürger*innen gleich mehrmals aufgefordert: Kommunal-, Landtags- und Europawahl rufen mit ihren Stimmzetteln. Als Gewerkschafter*innen sind wir der Überzeugung, dass Wahlen ein probates Mittel sind, auf einfache Weise demokratisch in unserer Gesellschaft mitzuwirken. Daher wollen wir besonders junge Menschen zur Mitbestimmung auf betrieblicher und gesellschaftlicher Ebene aktivieren.

Doch wie können wir Kolleg*innen davon überzeugen, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen? In unserem neuen Methodenheft thematisieren wir Herausforderungen und zeigen euch, wie ihr gemeinsam mit euren Teilnehmenden Lösungswege findet.

Wissen erweitern und vermitteln
Das Heft richtet sich an Multiplikator*innen, die in ihren Gremien, mit Kolleg*innen im Betrieb, in der Dienststelle oder Berufsschule an das Thema Wahlen heranführen und ihr eigenes Wissen vertiefen wollen. Einführende Texte und ein Nachschlagewerk mit weiterführenden Links unterstützen euch als Teamer*innen. Orientiert am Peer-to-Peer-Ansatz unseres Projekts richten sich die Methoden nach der bewährten ZIM-Struktur (Ziel-Inhalt-Methode), die durch die dazugehörigen Übungsbeschreibungen ergänzt wird.

Damit das Planspiel in unterschiedlichen Situationen Einsatz findet, bietet es verschiedene Zeitumfänge. (Fast) alle Methoden können in einem Projekttag oder Zwei-Tage-Seminar umgesetzt werden. Das Planspiel allein ist sogar in nur 90 Minuten zu schaffen.

Wählen als Planspiel
Die Handreichung beinhaltet Methoden, mit denen Teilnehmende den Prozess eines Wahlvorgangs nicht nur verstehen, sondern auch durchlaufen. Das Planspiel bildet daher das Kernstück des Hefts. Hierbei schlüpfen die Teilnehmenden in die Rollen von Presse, Lobbyverbänden und Parteien, blicken aber auch aus der Perspektive (junger) Arbeitnehmer*innen und der Gewerkschaften auf einen exemplarischen Wahlprozess. Spielerisch durchleben sie die typischen Stationen einer Wahl: In einem kleinen Wahlprogramm bekunden sie ihre Interessen und stellen Forderungen auf, für die sie sich dann im Wahlkampf einsetzen. Eine Debatte unterstützt die Teilnehmenden in ihrer Entscheidungsfindung. Mit dem Urnengang und der Bekanntgabe des Wahlergebnisses endet schließlich das Planspiel.

In einer anschließenden Übung reflektieren die Teilnehmenden ihre eingenommenen Rollen und stellen einen Bezug zur Realität her. Ziel des Planspiels ist es zunächst, dass sie die einzelnen Schritte einer Wahl verstehen. Auch sollen sie sich ihrer persönlichen und beruflichen Anliegen bewusst werden und erkennen, dass es Parteien gibt, die für ihre Interessen einstehen. Nicht zuletzt soll das Planspiel die Teilnehmenden davon überzeugen, dass Wahlen zu Veränderungen führen können und die eigene Stimme zum Wahlerfolg beträgt.

Kontext herstellen
Das Methodenheft thematisiert keine spezifischen Wahlen, sondern legt vielmehr Wert auf ein grundsätzliches Verständnis des Wahlvorgangs und die Sensibilisierung der Teilnehmenden dafür, dass Wahlen ein Teil demokratischer Mitbestimmung sind. Die Auswertung des Planspiels lädt dann dazu ein, den Bezug zu bevorstehenden Wahlen herzustellen. Darüber hinaus ist das Spiel so konzipiert, dass das Team es auf reale Wahlen anpassen und einen aktuellen Bezug zu Kommunal-, Landtags- und Europawahl oder auch zu einer Wahl der Jugend- und Auszubildendenvertretung herstellen kann. Dies ermöglicht auch, die Kampagnenarbeit miteinzubeziehen. Rollenkarten können leicht umgeschrieben, ersetzt und durch regionale Parteien oder Lobbyverbände ergänzt werden.

Vermittelte Ziele
Das grundlegende Ziel unseres Methodenhefts ist die Vermittlung theoretischen Wissens zu Grundsätzen von Wahlen und der repräsentativen Funktion gewählter Vertreter*innen. Zudem bekräftigen wir die Legitimität der Interessen junger Menschen, die es gegenüber der Politik zu vertreten gilt. Die Übungen laden die Teilnehmenden dazu ein, sie mit ihrer eigenen Lebens- und Arbeitswelt sowie (gesellschafts-)politischen Positionen zu verknüpfen und dadurch Politik als weniger abstrakt wahrzunehmen. Gleichzeitig spüren sie die Wirkmacht von Lobbyismus und Gewerkschaften, sodass sie sich über ihre Selbstwirksamkeit klarwerden und sich selbst einmischen können. Dabei schärft sich der Gedanke einer Solidargemeinschaft.

Lasst uns gemeinsam der Ohnmacht und den rechten Kräften Demokratie entgegensetzen. Denn wir haben die Wahl!


"Wir haben die Wahl(en)" kann als Print-Heft beim Projekt angefragt oder gratis online heruntergeladen werden unter: www.demokratiefoerderung-beruflichebildung.de

(Aus der Soli aktuell 4/2024, Autorin: Kerstin Sernatinger)