© Kay Herschelmann

Soli aktuell 2/2024

Mitbestimmung ist überall klasse

Der DGB-Revierbotschafter Lars Katzmarek rappt für die Transformation in der Lausitz.

Lars, du singst Rap-Songs für die Lausitz. Wie kommt ein Gewerkschafter dazu?
Ich rappe seit vielen Jahren schon, zu Beginn für mich, nun für die Region. Ich möchte auf diesem Wege gerne meine Nähe, meine Sorgen, die Herausforderungen, aber auch das Positive der Region zum Ausdruck bringen!

Welche Aufgaben und Tätigkeitsgebiete hat der Revierbotschafter?
Der Titel wurde mir vom DGB verliehen. Im Prinzip hat er eine repräsentierende Funktion für das Projekt "Revierwende". Dem DGB geht es dabei konkret um viele Interviews und Gruppen, die man empfängt. Es kann aber in regionalen Auseinandersetzungen auch durchaus intensiver werden: Der Botschafter vermittelt und kommuniziert dabei auch an allen Ecken und Enden.

In dem Film "Auf der Kippe" (D 2023), in dem gezeigt wird, wie du für die Beschäftigten des Braunkohle-Konzerns LEAG kämpfst, geht es um das Sterben der alten Berufe rund um den Bergbau. Wie erlebst du das als Betriebsrat des Energieunternehmens?
Diese Region hat Anfang der 1990er Jahre schon einmal einen starken Strukturbruch erlebt. Die Folgen waren dramatisch. Dies gilt es zu verhindern.

Damit aber nicht nur Ideen in die Landschaft gesetzt werden, müssen wir jetzt dringend in die Umsetzungsphase kommen. Dazu ist es notwendig, denjenigen auf die Füße zu treten, die dafür zuständig sind. Gleichzeitig müssen wir den Menschen Lust machen, daran mitzuarbeiten. Wenn wir das schaffen wollen, dann müssen wir zusammen wachsen.


Lars Katzmarek im Video "Die Wüste lebt":

Der Braunkohleabbau in der Lausitz soll gestoppt werden. Damit steht die Region stellvertretend für den Übergang vom Industriezeitalter hin zum nachhaltigen Wirtschaften. Welche Perspektiven für die Berufsausbildung tun sich dort auf – oder auch nicht?
Unsere Chancen und Perspektiven liegen deutlich in den neuen Projekten wie dem Bahnwerk, der Universitätsmedizin oder dem Science Park. Darüber hinaus wird die Lausitz mit der "Gigawatt Factory" für erneuerbare Energien auch weiterhin ein Cluster der bundesdeutschen Energiewirtschaft bleiben.

Im brandenburgischen Teil der Lausitz haben wir mit dem Science Park und der Erforschung von hybrid elektrischem Fliegen und der Universitätsmedizin ein großes Pfund. Im sächsischen Teil steht das deutsche Zentrum für Astrophysik für akademische und handwerkliche Berufe gleichermaßen. Die Chancen werden kommen.

In den ländlichen Regionen entstehen derzeit prosperierende Wirtschaftsräume. So wird es mit Rock Tech, Altech und der BASF erstmalig die Möglichkeit geben, einen geschlossenen Kreislauf zur Herstellung von E-Auto-Batterien zu realisieren. Und bei dieser Betrachtung sprechen wir noch nicht einmal über die möglichen Zukunftsszenarien von "grünem" Strom und Wasserstoff.

Wie geht es jungen Leuten generell in der Lausitz – und was treibt sie um?
Ich denke, dass es dabei um viele wiederkehrende Fragen geht: Familie, Job, Zukunft. Es gibt leider aber auch viel Skepsis, die aus den vergangenen Jahrzehnten übertragen bzw. vererbt wurde. Parallel dazu gibt es aber auch Bock auf Neues.

Entscheidend ist hier für mich, dass junge Menschen die Möglichkeit erhalten, Teil dieser neuen Wege zu sein und an Richtungsentscheidungen beteiligt werden. Mitbestimmung finde ich nicht nur als Betriebsrat klasse.

Würdest du selbst in eine andere Gegend ziehen, wenn der Kohlebergbau eingestellt wird – und unter welchen Bedingungen?
Ich bin grundsätzlich ein optimistischer Mensch, und wenn das eintritt, was ich zuvor skizziert habe, stellt sich diese Frage gar nicht. Wir machen ja auch eine Menge dafür; z.B. mit den Programmen "Junge Lausitz" und "Pro Lausitz" oder mit den Imagekampagnen "Boomtown"/ "Krasse Lausitz".

Ich verstehe all dies auch als Aufforderung. Wir sollten gemeinsam dafür sorgen, dass sich jeder mit Selbstverständlichkeit sagen kann: Hier will ich leben und arbeiten!

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Tarif und gute Arbeit: Der DGB und die Transformation
Zur Halbzeit der Ampel-Koalition Ende letzten Jahres hat der DGB auf seiner Konferenz in Berlin Zwischenbilanz zum Stand der sozial-ökologischen Transformation gezogen und die Regierung aufgefordert, wichtige Zukunftsentscheidungen zu treffen.

Dabei müssen erhebliche Umbau- und Veränderungsprozesse in den Betrieben gestemmt werden. "Die Beschäftigten mitzunehmen und ihnen echte Perspektiven anzubieten, ist daher dringlichstes Gebot für eine wirtschaftlich erfolgreiche Transformation, wie auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt", sagt die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi. Das von den Regierungsparteien versprochene grüne Wirtschaftswunder müsse gute Arbeitsplätze schaffen – tarifgebunden und mit Zukunft.

DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell wies auf den großen Investitionsbedarf hin, um Deutschland auf Modernisierungskurs zu bringen: "Ohne Investitionen in Bildung, Gesundheitswesen, Digitalisierung, Energie- und Verkehrswende geht es nicht."

Dazu brauche es vor allem Tarifverträge und Mitbestimmung. Körzell: "Beschäftigte brauchen Sicherheit im Wandel – alles andere ist Gift für die Demokratie. Sicherheit und Vertrauen schafft man durch Tariflöhne, gute Arbeitsbedingungen und Mitbestimmung, mit der Beschäftigte den Wandel selbst auf Augenhöhe mitgestalten können."


Lars Katzmarek lebt in Cottbus und ist Regionalbotschafter für die Lausitz. Hauptberuflich ist der Rapper freigestellter Betriebsrat beim Energieunternehmen LEAG. Nach seiner Ausbildung zum Mechatroniker im Bergbau absoliverte er ein Abendstudium in Elektrotechnik. Lars ist in den Gremien der IGBCE aktiv. Soli aktuell traf ihn in Berlin anlässlich der DGB-Transformationskonferenz.

Seine Anforderungen für die Zukunft hat der DGB in seiner "Transformations-Charta" zusammengefasst. www.dgb.de/-/ldl


(Aus der Soli aktuell 2/2024, Autor*innen: Soli aktuell/Lars Katzmarek)