© Kay Herschelmann

Soli aktuell 2/2024

Schule für alle

Kathrin Meuler
© Foto Rimbach
DGB-Jugend-Referentin Katrin Meuler.

Damit sich die Ergebnisse von PISA-Studien bessern, muss Bildung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe werden. Von Kathrin Meuler

Die Gewerkschaften haben gewarnt
Die Ergebnisse der PISA-Studie zum schlechten Abschneiden der deutschen Schüler*innen sind für Gewerkschafter*innen wenig überraschend. Mit Sicherheit trugen zwar die flächendeckenden Schulschließungen während der Corona-Pandemie dazu bei, dass Schüler*innen in manchen Bereichen hinterherhingen. Dieser Faktor kann allerdings nur einer von vielen sein: Denn seit Jahrzehnten weisen Gewerkschaften und andere zivilgesellschaftliche Akteur*innen aus dem Bildungsbereich auf die Probleme im Bildungssystem hin und fordern eine grundlegende Reform für eine bessere Ausstattung mit personellen und finanziellen Ressourcen. Bereits 2008 hatte die damalige Bundesregierung beschlossen, künftig zehn Prozent des Bruttoinlandprodukts für Bildung und Forschung auszugeben. Jetzt, 16 Jahre später, ist dieses Ziel noch immer in weiter Ferne.

Überlastung der Lehrer*innen
Stattdessen sollen Lehrer*innen immer mehr Aufgaben übernehmen, die wenig mit dem Vermitteln von Lernstoff und viel mit der Organisation des Schulalltags zu tun haben. Lehrkräftemangel führt seit Jahren zu hohem Unterrichtsausfall – und trotzdem stellen einige Bundesländer ihre Lehrkräfte immer wieder mit befristeten Verträgen von weniger als zwölf Monaten an, sodass diese während der Sommerferien Bürgergeld beziehen müssen, um ihre Existenz zu sichern. Das ist ein Skandal!

Soziale Spaltung
Ein immer noch großer und entscheidender Faktor bei der Frage, ob ein Kind schulisch gut oder eher schlechter abschneidet, ist der soziale und wirtschaftliche Hintergrund. In der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt schafft es die Politik seit Jahrzehnten nicht, sich um eine der wichtigsten Grundlagen der Gesellschaft zu kümmern: eine Bildung, die allen offensteht und allen eine Basis für ein gutes Leben ermöglicht, unabhängig von der wirtschaftlichen Ausstattung des Elternhauses. Doch hierzu bräuchte es den politischen Willen, das Bildungssystem und die Schulen mit mehr Geld auszustatten, schon allein um den Rückstand bei der Digitalisierung im deutschen Schulwesen aufzuholen.

Elementare Aufgabe
Damit die PISA-Ergebnisse in den nächsten Jahren weniger verheerend ausfallen, braucht es jetzt einen bildungspolitischen Kurs, der die Verfehlungen der letzten Jahrzehnte korrigiert. Wir sollten uns bewusst machen, dass Bildung eine elementare Aufgabe von Gesellschaften ist – ähnlich wie die Gesundheitsversorgung –, in die man als Gesellschaft investieren muss, damit alle davon profitieren.


Hier geht es zur PISA-Studie: www.oecd.org/berlin/themen/pisa-studie/

(Aus der Soli aktuell 2/2024, Autorin: Katrin Meuler)

© OECD