Soli aktuell 7/2023

Alarmierende Zahlen

Berufsbildungsbericht 2023: Erstmals sind weit über 2,6 Millionen junge Menschen in Deutschland ohne Berufsabschluss.

Streiktag
© DGB-Jugend/Andi Weiland

Die Bundesregierung hat den Berufsbildungsbericht 2023 beschlossen und veröffentlicht. Er zeigt: Die Ausbildung in Deutschland ist weiter in der Krise. Erstmals haben mehr als 2,64 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 34 Jahren keinen Berufsabschluss, nur noch wenige Unternehmen bilden überhaupt aus. Und es muss davon ausgegangen werden, dass die Spätfolgen von Corona – wie etwa ein regional geringeres Ausbildungsangebot – diese Zahl in den kommenden Jahren noch weiter steigen lassen werden. Das ist gefährlich: Ohne eine abgeschlossene Berufsausbildung drohen häufige Phasen der Arbeitslosigkeit und prekäre Jobs.

Seit Jahren ist die Zahl der Ausbildungsbetriebe rückläufig und liegt aktuell bei nur noch 19,1 Prozent im Jahr 2021 (2020: 19,4 Prozent). Die Ausbildung künftiger Fachkräfte liegt hierzulande damit in den Händen nur noch weniger Betriebe und fußt somit auf einer immer schmaler werdenden Basis.

Trotz unbesetzter Ausbildungsstellen sind auch im letzten Jahr bundesweit wieder Hunderttausende junge Menschen in den vielen Maßnahmen des Übergangsbereichs zwischen Schule und Beruf gelandet. Sein Umfang steigt erstmals seit 2016 wieder an auf insgesamt 239.090 Personen (+6,3 Prozent zu 2021). Anders als von Arbeitgeberseite behauptet, gibt es ein großes Potenzial an Ausbildungsinteressierten, die aber bei der Suche nach einer Ausbildung nicht zum Zug kommen. Im Übergangsbereich können keine Berufsabschlüsse erworben werden, die Maßnahmen werden für viele zur Warteschleife. Die Betriebe müssen ihre Erwartungen bei der Vergabe von Ausbildungsplätzen hinterfragen und auch jungen Menschen mit schwächeren Schulleistungen eine Chance geben.

Abhilfe könnte die von DGB und DGB-Jugend entwickelte Ausbildungsgarantie mit umlagefinanziertem Zukunftsfonds schaffen (siehe auch das Interview auf Seite 3). Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung ist eine Ausbildungsgarantie auch ausdrücklich benannt. Sie muss nun dringend umgesetzt werden. "Wichtig ist außerdem eine Stärkung der betrieblichen Ausbildung. Wer nach Fachkräften ruft, muss auch in die Ausbildung investieren", sagt die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack.

Sonst drohen sich diese Entwicklungen weiter zu verschärfen und letztlich die Herausforderungen der Transformation und den Einsatz für mehr Chancengleichheit im Bildungssystem zu konterkarieren. Alle Maßnahmen von Bund und Ländern müssen sich künftig stärker daran messen lassen, inwiefern sie zur Lösung dieser Probleme beitragen.


Weitere Infos: www.dgb.de/-/T0x

(Aus der Soli aktuell 7/2023, Autorin: Soli aktuell)