Deutscher Gewerkschaftsbund

Praktistreik 9.10.09

Wir sind mehr wert

(dgb-jugend, 10. September 2009) Wir sind mehr wert – und werden aktiv! Mit einer Reihe von Aktionen setzen sich Hochschulabsolventen/-innen und Studierende in Berlin ab heute für faire Praktikumsbedingungen ein. Um die Rechte von Praktikanten/-innen zu stärken und gegen soziale Ungerechtigkeit vorzugehen, rufen wir zum Protest auf. Höhepunkt der Kampagne ist der Praktistreik auf dem Potsdamer Platz am 9. Oktober 2009. Denn: Wer arbeiten kann, darf auch streiken!


 
Fast 40 Prozent der deutschen Hochschulabsolventen/-innen machen in der Hoffnung auf Festeinstellung nach dem Studium mindestens ein Praktikum, so das Ergebnis einer Studie, die 2007 von der DGB Jugend und der Hans-Böckler-Stiftung in Auftrag gegeben wurde. Rund die Hälfte dieser Praktika wird nicht entlohnt. 39 Prozent aller Praktikanten jobben daher neben ihrer regulären Arbeitszeit, der größte Teil muss  auf die finanzielle Unterstützung der Eltern zurückgreifen. Damit wird das Praktikum zum alleinigen Privileg derer, die aus dem Familien- oder Bekanntenkreis finanzielle Mittel erhalten. Das Prinzip Praktikum nach Studienende verfestigt somit soziale Unterschiede: Praktikant ist nur der, der er sich leisten kann.
 
Das unbezahlte Praktikum ist zudem ein gerne und oft genutztes Mittel der Ausbeutung von Absolventen durch Unternehmen. Das Argument des „Lernverhältnisses“ ist längst überholt, Kaffee kochen war einmal: Vier von fünf Praktikanten ersetzen inzwischen einen regulären Vollzeitangestellten, so die Studie – und das meist ohne angemessene Entlohnung, ohne den Ausgleich von Überstunden und ohne den Anspruch auf gesetzlich vorgeschriebene Urlaubstage. Auch Vergünstigungen bei Krankenkassen, kulturellen Einrichtungen oder öffentlichen Verkehrsmitteln gibt es meist nicht: Ein Praktikant hat keinen Status.
 
Doch wir sind mehr wert! Wir rufen die Generation Praktikum dazu auf, unbezahlte Tätigkeiten nach dem Studium abzulehnen: Sie schadet damit nicht nur sich selbst, sondern auch denen, die sich ein Praktikum nicht leisten können oder die wegen der Flut von Umsonstarbeitern ihre Jobs verlieren.   
 
Von den Unternehmen fordern wir:
  • Eine Vergütung von Praktika für Hochschulabsolventen, die den Lebensunterhalt sichert
  • Ein Verbot der Substitution von Vollzeitarbeitsplätzen durch Praktika
  • Eine klare und gerechte arbeitsrechtliche Regelung für Praktika
  • Faire Arbeitsbedingungen für Praktikanten (schriftlicher Vertrag, Lernverhältnis, Regelungen von Arbeitszeiten, Überstunden, Urlaub, etc.)
  • Eine Begrenzung der Praktikumsdauer auf maximal vier Monate
 
Der Praktikanten-Streik 09 wird unterstützt von GEW Berlin und fairwork e.V. Weitere Kooperationen sind angefragt bei taz - die tageszeitung,  DGB Jugend, verdi und Bündnis Bildungsstreik 09.
 
Im Vorfeld des Streiks am 9. Oktober 2009 werden Guerilla- Aktionen und Podiumsdiskussionen stattfinden, über die wir Sie weiterhin informieren. Zusätzlich wird über Kanäle des web 2.0 mobilisiert.
 

Kontakt
Anne Siegmund
Tel.: 0151-1442797
Anna Mauersberger
Tel.: 0173-2118323
Email: Praktikantenstreik09@gmail.com
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