Deutscher Gewerkschaftsbund

ESF Istanbul 2010

Europa - mehr als die EU

Die Türkei als Gastland des diesjährigen Europäischen Sozialforums (ESF) bietet gerade für Deutschland viele Anknüpfungspunkte – denn die beiden Länder verbindet vieles: Rund 2,7 Millionen Menschen türkischer Herkunft haben ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland. Deutschland ist wichtigster Handelspartner der Türkei.

Doch die gewerkschaftlichen Beziehungen sind – im Gegensatz zu intensiven wirtschaftlichen und politischen Beziehungen – noch relativ schwach entwickelt.

Die Gewerkschaftsjugend hat erkannt, dass es wichtig ist, international handlungsfähig zu sein. Das gilt sowohl für die Lobbyarbeit bei den  EU-Institutionen wie für die Mitbestimmung in den Betrieben. Und es gilt auch für die Vernetzung mit anderen Gewerkschaften in Europa, auch außerhalb der EU. Für die gewerkschaftliche Zusammenarbeit zwischen der Türkei und Deutschland möchten wir im Rahmen des ESF neue Impulse setzen.

Außerdem will die DGB-Jugend in Istanbul an die guten Erfahrungen beim ESF in Malmö 2008 anknüpfen: Dort hatte sich ein breites europäisches Gewerkschaftsjugendnetzwerk gebildet. Die Kontakte konnte die DGB-Jugend seitdem nutzen.

Auch das ESF in Istanbul versteht sich als Teil des "Weltsozialforumsprozesses" für eine bessere und vor allem gerechtere Welt, an dem seit nunmehr zehn Jahren viele soziale Bewegungen, Gewerkschaften, aber auch ungebundene AktivistInnen weltweit mitarbeiten. Sozialforen auf europäischer Ebene haben bereits eine längere Tradition: Zum ersten Mal kamen ungefähr 40.000 Menschen im Jahr 2002 in Florenz zusammen, 2003 kamen 50.000 Menschen nach Paris. Sozialforen fanden 2004 in London, 2006 in Athen und 2008 in Malmö statt.

Unser Thema heißt dieses Jahr "Jugend in der (Weltwirtschafts-)Krise!?" Denn VerliererInnen der aktuellen Krise sind vor allem junge Beschäftigte – ein globaler Trend. Weil sie deutlich häufiger prekär beschäftigt sind – und prekär Beschäftigte in Krisenzeiten zuerst entlassen werden. In Spanien ist mittlerweile fast jeder zweite junge Mensch unter 25 Jahren ohne Arbeit.

Bei unserem Workshop im Rahmen des ESF wollen wir nicht nur die Situation analysieren, sondern vor allem Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten für junge Menschen diskutieren und gemeinsame, europäische Antworten auf die Krise finden.

Koordiniert werden die Aktivitäten der DGB-Jugend und der Mitgliedsgewerkschaften auch in diesem Jahr wieder vom Arbeitskreis Internationales.


(aus der Soli 4/10, Autorin: Jessica Heyser)

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