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Studierenden-Beratung

Werkstudent + Selbstständigkeit

Liebes DGB-Team,

ich bin als Werkstudent mit 20 Stunden pro Woche (brutto 1500 € monatlich) beschäftigt.

Für die Zeit von April bis September (auch nur auf diesen Zeitraum befristet) möchte ich für ein Projekt selbsständig (mit Gewerbeanmeldung) mit circa 15 Stunden pro Woche arbeiten. Die Arbeit fände vorwiegend Samstag und Sonntag statt.

Fragen:

a) Verliere ich aufgrund der Stunden (mehr als 20) meinen Studentenstatus?

b) Da ich auf alle Fälle unter 17.000€ im Jahr an Einnahmen der selbstständigen Tätigkeit bleibe, welche Steuern und Abgaben kommen auf mich zu?

c) Ich arbeite für dieses Projekt auf selbstständiger Basis, würde allerdings im Anschluss versuchen weitere Projekte zu akquirieren. Problem, welches mir Angst bereitet: Liegt dann eine Scheinselbstständigkeit vor?

d) Gäbe es eine Alternative zu der Selbstständigkeit? Wahrscheinlich nur in Form, dass das eine Arbeitsverhältnis nach STK 1 und das andere nach STK 6 abgerechnet wird, oder?

Vielen Dank für eure Antworten und euer Engagement.

Jan

RE: Werkstudent + Selbstständigkeit

Hallo,

vielen Dank für deine Anfrage.

Erstmal grundsätzlich: Auch als Studentin darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Status innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss.

Je nach Umfang und Art der Beschäftigung(en), je nach Kombination und jeweiliger sowie gesamter Einkommenshöhe, musst du nur entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden.

Dabei wird die sogenannte 20h-Regel als Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort im Job herangezogen. Je nachdem, ob du regelmäßig mehr oder weniger als 20h/Woche arbeitest, wirst du im Job dann entweder als Werkstudentin oder als voll sv-pflichtige Arbeitnehmerin angemeldet.
Hier wird die wöchentliche Arbeitstzeit aus allen Jobs, auch Minijobs und selbstständige Tätigkeiten, addiert.
Ausnahmen sind in der vorlesungsfreien Zeit und unter bestimmten Umständen bei Abend-, Nacht- und Wochenendarbeit möglich. Letzteres gilt nur für auf maximal 26 Wochen befristete Beschäftigungen, bei denen die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit auf abends/nachts oder das Wochenende fällt.

1.) Der Statuswechsel betrifft deine Sozialversicherungsabgaben. Im Werkstudent_innenstatus fallen aufs Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und man muss selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 100€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du wärst dann über den Job nicht nur renten-, sondern auch kranken-, pflege- und arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudentin. Außerdem können so Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I) erworben werden, auf die Werkstudent_innen sonst keinen Anspruch haben.

Für die Arbeitgeber_innenseite wirst du dadurch allerdings teurer, da die Sozialversicherungsabgaben paritätisch, also anteilig 50/50 von dir als Arbeitnehmerin und deine_r/m Arbeitgeber_in (AG) gezahlt werden. Dein_e AG zahlt also für dich als Werkstudentin ebefalls nur 9,3% RV, während für dich als voll sv-pflichtige Arbeitnehmerin die (Lohnneben)Kosten entsprechend auf ebenfalls ca. 20% SV-Abgaben für deine_n AG steigen.

Gekündigt werden darfst du deshalb aber nicht. Beachte aber, dass manche AG sich dann gerne andere Kündigungsgründe ausdenken, hier lohnt sich eine Überprüfung des gesetzlichen Kündigungsschutzes. Viele AG haben aber auch kein Problem damit, da es in der Regel wirtschaftlich nicht sinnvoll ist, eine eingearbeitete Mitarbeiterin nur wegen etwas höherer SV-Abgaben durch eine_n nicht eingearbeitete_n Mitarbeiter_in zu ersetzen.

2.) Was die SV-Abgaben in deinem bisherigen Job angeht, macht es keinen Unterschied, ob die Überschreitung der 20h-Regel durch einen Minijob oder durch die Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit zustande kommt.
Und beides ist möglich.

Lies dir mal unsere Infos zum Thema Minijobs und kurzfristige Beschäftigung durch. Beide Jobarten sind aufgrund ihrer Geringfügigkeit (unabhängig von der 20h-Regel) sozialversicherungsfrei, aber steuerpflichtig. In den jeweiligen Artikeln findest du auch genaueres zur Kombination mit anderen Jobs.

3.) Wenn du Rechnungen stellen willst, musst du eine selbstständige Tätigkeit annmelden (beim Finanzamt mit dem Formular "Fragebogen zur steuerlichen Erfassung"). Nach deiner Anmeldung erhältst du eine Steuernummer (das ist etwas anderes als deine Steuer-ID!), die dann zukünftig zwingend auf deine Rechnungen drauf muss.
Du kannst also erst eine rechtsgültige Rechnung schreiben, wenn du angemeldet bist.
Geld gegen Ware/Leistung ohne Anmeldung ist illegal! Als (formal, aber nicht angemeldete) Selbstständige können dir dann z.B. Verfahren wegen Steuerhinterziehung drohen.
Auch in einem Minijob musst du angemeldet sein.

Die Hauptunterschiede zwischen Minijob und Selbstständigkeit sind der Grad der Abhängigkeit, wer die Betriebsmittel stellt und wer für deine Anmeldung zuständig ist.

Minijobs sind abhängige Beschäftigungen, das heißt, du arbeitest weisungs- und in der Regel ortsgebunden. Du musst Urlaub beantragen/absprechen und kannst nicht selbst entscheiden, wie genau du arbeitest. Dafür bist du abgesichert, wenn du krank wirst (6 Wochen Entgeltfortzahlung), hast Anspruch auf bezahlten Urlaub und musst dich nicht um deine Anmeldung bei der Sozialversicherung bzw. der Minijobzentrale kümmern.

Wenn du selbstständig tätig bist, bist du quasi deine eigene Chefin und dementsprechend auch selbst für deine korrekte Anmeldung beim Finanzamt und der Sozialversicherung  zuständig. Auch für das Abführen von Steuern und SV-Beiträgen bist du dann selbst verantwortlich (Stichwort Steuererklärung).
Die üblichen Arbeitnehmer_innenrechte wie Kündigungsschutz, Entgeltfortzahlung oder bezahlten Urlaub gelten dann nicht und auch für deine soziale Absicherung (z.B. bei Auftragsflaute) bist du dann selbst verantwortlich. Und du musst dich um deinen Papierkram kümmern, wie Rechnungen sammeln, Ausgaben dokumentieren, ggf. vor- und nachbereiten etc. (auch das ist Arbeitszeit, die du berücksichtigen solltest!). Deshalb empfehlen wir, bei Honorarverhandlungen für selbstständige Tätigkeiten mind. das Doppelte dessen zu veranschlagen, was du in einer vergleichbaren Angestelltentätigkeit für einen angemessenen Stundenlohn hältst. Dafür profitierst du als Selbstständige davon, dass du selbst entscheiden kannst, welchen Auftrag du annimmst, wann, wo und wie du arbeitest und bist keine_r/m Rechenschaft schuldig, wenn du entscheidest, Urlaub zu machen.

Das hat also alles Vor- und Nachteile, die du nach deinen Bedürfnissen abwägen solltest. Sollte es auf eine prekäre Selbstständigkeit mit viel zu niedrigem Honorar rauslaufen, ist ein Minijob oft vorteilhafter. Willst du künstlerische Freiheit und deine eigene Herrin sein, ist die Selbstständigkeit vielleicht geeigneter.

Falls du dich für die Selbstständigkeit entscheidest, beachte: Wenn du gegen Honorar einer künstlerischen Tätigkeit nachgehst, handelt es sich um eine freiberufliche Tätigkeit. Dann musst du nicht zusätzlich noch ein Gewerbe anmelden.
Handelt es sich aber um eine handwerkliche Tätigkeit, musst du dich zusätzlich noch beim zuständigen Ordnungs-/Gewerbeamt anmelden.
So wird z.B. Bewerbungs- oder Werbungsfotos machen als handwerkliche und damit in der Regel gewerbliche Tätigkeit angesehen, reine Kunstfotographie, die du in Ausstellungen zum Kauf anbietest, als freiberufliche Tätigkeit. Im Zweifel frag beim zuständigen Finanzamt nach.

Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium. Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden. Nutze dafür nicht die Kommentarfunktion, sondern öffne einen eigenen Beitrag auf der Startseite der Onlineberatung. Nur so bleiben die Einträge für uns bearbeitbar und verlängern sich nicht ins Unendliche. Vielen Dank!

Beste Grüße
Andrea
DGB-Jugend Studierendenberatung

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