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Studierenden-Beratung

Teilzeitjob und Werkstudent

Hallo zusammen,

ich hab eine Frage bezüglich der Kombination von mehreren Jobs während des Studiums.

Ich arbeite aktuell neben dem Studium in Teilzeit jedes zweite Wochenende knapp 20h (Lohnsteuerklasse I). Ich bin über diesen Job sozialversichet und habe demnach aktuell keine studentische Krankenversicherung sondern eben die "normale" eines sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmers.

Da mein aktueller Job ausschließlich am Wochenende statt findet und das ja noch nicht mal an jedem, hätte ich unter der Woche noch Zeit für einen Job als Werkstudent (LK VI). Ich würde dann alle zwei Wochen über die 20h/Woche Grenze kommen, wobei ich gelesen habe, dass es Ausnahmefälle gibt, für Arbeit am Wochenende.

Also einfach mal angenommen ich überschreite die zulässigen 20h pro Woche nicht (z.B wegen Ausnahmeregelung) und behalte meinen Status als "ordentlicher Student", wie ist das mit der Krankenkasse? Wenn ich über Job 1 (Teilzeit) schon sozialversichet bin, muss ich dann wegen Job 2 (Werkstudent) zusätzlich eine studentische Krankenversicherung bezahlen? Oder reicht es wenn ich über einen der beiden Jobs versichert bin.

Vielen Dank schon mal und liebe Grüße!

RE: Teilzeitjob und Werkstudent

Hallo,

ich arbeite zurzeit als Werkstudent 20 St/Woche, verdiene quasi 1340€ netto.

Ich möchte entweder Minijob oder Teilzeit arbeiten, mein Ziel ist, mein Gehalt quasi 200€ zu erhöhen, weil ich mache ein Famielennachzug.

was wäre eine gute Möglichkeit, um meine Ziel zu erreichen?

wird in diesem Fall beide Gehälter summiert und die bekannte Steuer abgezogen? Oder was anderes.

Beste Grüße 

Sam

RE: Teilzeitjob und Werkstudent

Hallo Sam,

vielen Dank für deine Anfrage.

Grundsätzlich ist es schon möglich, neben dem Studium und einer 20h-Stelle noch einen zweiten Nebenjob anzunehmen.
Welche Auswirkungen welche Jobkombi in den unterschiedlichen Bereichen Steuern und Sozialversicherung dann hat, hängt maßgeblich von Art und Umfang der einzelnen Beschäftigungen und der jeweiligen sowie gesamten Einkommenshöhe ab.

Wenn du um die 200€/Monat in deinem Zweitjob verdienst, handelt es sich um einen Minijob. So nennt man Jobs, in denen du nicht mehr als 450€/Monat verdienst.
Im Minijob selbst fallen keine Sozialversicherungsabgaben an, außer 3,6% Rentenversicherung (wovon du dich aber auch befreien lassen kannst).
Ob Steuern anfallen, hängt davon ab, wie der Minijob versteuert wird. Minijobs werden in der Regel pauschal mit 2% versteuert. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden. Wird der Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet wird, fällst du dort in die ungünstige Lohnsteuerklasse 6 und hast mit entsprechenden Steuereinzügen zu rechnen.

Jedoch kann die Jobkombination Auswirkungen auf deine bisherige Stelle haben.
Denn wenn du regelmäßig mehr als 20h/Woche arbeitest, kannst du nicht mehr als Werkstudent, sondern musst voll sozialversicherungspflichtig als Arbeitnehmer angemeldet werden - mit den entsprechenden Abzügen (Ausnahmen sind in der vorlesungsfreien Zeit und unter bestimmten Umständen bei Abend-, Nacht- und Wochenendarbeit möglich).

Der Unterschied:
Im Werkstudent*innenstatus fallen aufs Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und man muss selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 110€/Monat) bzw. die freiwillige Krankenversicherung (ab 180€/Monat) tragen.
Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du wärst dann über deinen Job nicht nur renten-, sondern auch kranken-, pflege- und arbeitslosenversichert.
Finanziell ist eine volle SV-Pflicht also wahrscheinlich sogar günstiger für dich als der Status als Werkstudent. Außerdem können so Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I) erworben werden, auf die Werkstudent*innen sonst keinen Anspruch haben.
Für deine*n Arbeitgeber*in wirst du jedoch "teurer", wenn diese*r für dich die vollen Abgaben zahlen muss. Dir darf ein Zweitjob aber nicht wegen einem Wechsel des SV-Status untersagt oder dir deswegen gar gekündigt werden, manche Arbeitgeber*innen suchen sich dann aber einfach einen anderen offiziellen Grund. Es kann also sein, dass die Aufnahme eines zweiten Jobs zu Unstimmigkeiten führt - muss es aber nicht. Viele Arbeitgeber*innen haben kein Problem damit.

Ein anderer Punkt ist, dass du nicht schreibst, wie dein aktueller Aufenthaltsstatus ist.
Falls du dich mit einem Visum zu Studienzwecken in Deutschland aufhältst, beachte unbedingt auch die eingeschränkte Arbeitserlaubnis, die sich aus diesem Aufenthaltsstatus ergibt. Dann darfst du nur bis zu 120 Tage im Jahr (jeder Arbeitstag ab 4h gilt als ganzer Tag) oder 240 halbe Tage (unter 4h/Tag) arbeiten, ansonsten riskierst du den Verlust deiner Aufenthaltserlaubnis. Hier findest du mehr zur 120-Tage-Regelung.
Hast du einen anderen Aufenthaltsstatus, beachte, ob dieser mit einer eingeschränkten Aufenthaltserlaubnis verbunden ist. Das ist normalerweise im Pass vermerkt.
Hast du eine EU-Staatsbürgerschaft, ist mehr als 20h/Woche arbeiten, auch wähernd des Studiums problemlos möglich.

Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

Beste Grüße
Andrea
DGB-Jugend Studierendenberatung

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