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Studierenden-Beratung

Abgaben als Werkstudent und Fragen

Guten Abend,

da mich die vielen informierenden Seiten leider sehr verwirren, hoffe ich hier auf eine hilfreiche bzw. aufklärende Antwort.

Ich werde demnächst einen Vertrag als Werkstudent unterschreiben und habe dazu einige Fragen:

1) Ganz allgemein: Muss im Vertrag explizit drin stehen, dass es ich um eine Anstellung als Werkstudent handelt oder ist dies z.B. nur ein im Sprachgebrauch verwendetes Wort, etc.?

2) Ausgehend von einem Bruttolohn von 1000€, Was wären nun genau die Abgaben bzw. was wäre der Netto-Lohn? Was wären hier jetzt genau die Vorteile als Werkstudent gegenüber einem Arbeitnehmer der auch in Teilzeit arbeitet aber kein Student ist?

3) Stimmt es, dass bei einem Bruttolohn bis zur Grenze von 850€ die oben genannten Abgaben kleiner ausfallen? Wenn ja, um wie viel kleiner? Darüber hinaus, was wäre, wenn ich in einem Monat zum Beispiel über 850€ verdiene und im nächsten dann wieder unter 850€. Würden die verminderten Abgaben vom Brutto-Lohn automatisch "abgezogen" oder müsste ich in irgendeiner Form tätig werden?

4 und letzte Frage) Richtet sich der Anspruch auf Urlaubsgeld und Krankengeld auf die vertraglich festgeschriebene wöchentliche Stundenzahl? Wenn zum Beispiel in meinem Vertrag eine maximale Arbeitszeit von 20h/Woche festgeschrieben wird, erhalte ich dann 20h/Woche Urlaubs- bzw. Krankengeld, auch wenn es sich um eine MAXIMALE Arbeitszeit von 20h handelt?

Vielen Dank und Grüße aus Köln
Angelo

Werkstudent, Arbeit auf Abruf

Hallo, 

ich bin aktuell als Werkstudent in einem Elektronikeinzelhandel beschäftigt. Meine Wochenarbeitszeit beträgt 20 Stunden, dies ist auch vertraglich so festgelegt. Allerdings macht mir Corona wie wohl fast allen Einzelhandelsbeschäftigten unter uns das Leben sehr schwer. Mein Arbeitgeber hatte uns ein Formular zur Unbezahlten Freistellung vorgelegt das ich dann im Affekt auch unterschrieb. Meine erste Frage ist, war dies überhaupt rechtens? Desweiteren wurde die unbezahlte Freistellung zum 01.01.2021 aufgehoben und uns gesagt wir werden über eventuelle Einsatzzeiten relativ spontan informiert. Also Arbeit auf Abruf. Das Geschäft musste auch auf behördliche Anordnung schließen allerdings sind verschiedene Geschäftsbereiche weiterhin geöffnet. So zum Beispiel die Warenannahme sowie -Abholung, das Lager zum Warenversand sowie zur -Ausgabe und die Büroräumlichkeiten sind auch benutzbar. Meine Frage ist, kann mich der Arbeitgeber unter 20 Stunden die Woche beschäftigen weil er sich auf Arbeit auf Abruf beruft oder ist dies rechtlich nicht zulässig und er muss mir die volle Zeit im Betrieb ermöglichen und wenn er dies nicht tut mich trotzdem voll bezahlen? Des Weiteren sind aktuell Semesterferien und normalerweise wuerde ich nun eine erhöhte Stunden Anzahl abarbeiten. Da ich Miete und Lebenshaltungskosten sowie Krankenkassenbeiträge bezahlen muss, bin ich natürlich auf das Geld angewiesen. Außerdem würde mich interessieren ob der Arbeitgeber mich ohne weiteres kündigen kann um die Kosten zu senken falls ich meinen Anspruch wenn ich welchen habe geltend mache oder ist dies unzulässig. Vielen Dank für die Beantwortung schonmal im Voraus. 
Grüße 

RE: Abgaben als Werkstudent und Fragen

Hallo David,

vielen Dank für deine Anfrage. Bitte nutze das nächste Mal nicht mehr die Kommentarfunktion, sondern öffne einen eigenen Beitrag auf der Startseite der Onlineberatung. So bleiben die Einträge für uns bearbeitbar und andere Studierende können durch Mitlesen der Antworten profitieren. Vielen Dank!

Zu deinen Fragen: Für die Zeit, der du einer unbezahlten Freistellung zugestimmt hast, hast du keine Ansprüche auf dein Gehalt. Das ist so auch rechtens.

Arbeit auf Abruf liegt vor, wenn es eine entsprechende Vereinbarung gibt. Hast du einen Arbeitsvertrag mit fest vereinbarten Stunden, liegt keine Arbeit auf Abruf vor - auch dann nicht, wenn dein Arbeitgeber aufgrund der pandemischen Sondersituation eure Einsätze erst kurzfristig mitteilt.
Ob und in welchem Ausmaß das wiederum zulässig ist, hängt von den Formulierungen in deinem Arbeitsvertrag ab (z.B., ob da feste Tage/Zeiträume vereinbart sind oder nicht) und davon, ob es dazu eine Betriebsvereinbarung oder ähnliches gibt. Gibt es einen Betriebsrat, muss dieser bei Schichtplänen zustimmen.
Grundsätzlich musst du bei fest vereinbarten Arbeitszeiten auch entsprechend beschäftigt werden. Ist lediglich die Stundenzahl fest vereinbart, nicht aber die Lage der Arbeitszeit, kann dich dein Arbeitgbeber relativ flexibel (unter Berücksichtigung deiner Interessen) einsetzen. Du bist dann in der Regel allerdings auch verpflichtet zu arbeiten, um Anspruch auf dein Gehalt zu haben. Im Zweifel geht die vertragliche Verpflichtung zur Arbeitsleistung, dem Wunsch zu studieren vor.
Das ist aber keine Einbahnstraße: Setzt dich dein Arbeitgeber weniger als vereinbart ein, weil er nicht genug zu tun hat, ohne dass eine (Teil-)Freistellung oder Kurzarbeit vereinbart wurde, musst du dennoch voll bezahlt werden.

Generell tragen das betriebliche Risiko nämlich die Arbeitgeber_innen, nicht die Arbeitnehmer_innen. Das heißt, solange Arbeitnehmer_innen prinzipiell ihre Arbeitskraft anbieten, haben sie ein Recht auf Beschäftigung und Bezahlung.
Wenn Arbeitgeber_innen die Arbeitskraft nicht annehmen, so geraten sie in Annahmeverzug und sind weiterhin verpflichtet, Lohn zu zahlen (Entgeltfortzahlung nach §615 BGB).
Eventuell hat dein Arbeitgeber Anspruch auf Entschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz.

Einen Anspruch darauf, in den Semesterferien mehr zu arbeiten und entsprechend auch mehr bezahlt zu werden, hast du allerdings nur, wenn das auch so vertraglich vereinbart ist.

Ob du gekündigt werden kannst, wenn du deine Ansprüche geltend machst? Offiziell ist das selbstverständlich kein Kündigungsgrund. Jedoch können Arbeitgeber_innen erfahrungsgemäß recht erfinderisch sein und einfach andere Kündigungsgründe finden. Oder sie setzen einfach darauf, dass sich nicht gegen eine unzulässige Kündigung gewehrt wird.
Je nachdem, wie groß das Unternehmen ist, in dem du arbeitest, kann es auch sein, dass der gesetzliche Kündigungsschutz nicht greift. Dann kannst du im Zweifel sogar ohne Begründung entlassen werden - sofern die Kündigung nicht willkürlich ist.

Schau dir auch mal unsere Corona-FAQs für Studierende an und bevor alle Stricke reißen besonders den Teil zu Sozialleistungen.

Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

Beste Grüße
Andrea
DGB-Jugend Studierendenberatung

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