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Studierenden-Beratung

Werkstudent + Selbständig?

Hi,
ich bin als Werkstudent mit einem Gehalt von 20 000€ brutto im Jahr angestellt (20h pro Woche).
Steuerklasse: 1
Privatversichert
Keine Kinder, ledig

Darf ich nebenher noch selbstständig Aufträge annehmen, solange ich noch an der Uni eingeschrieben bin?
Ich hätte noch Interessenten, bei denen ich die Möglichkeit hätte, zusätzlich noch 15h / Woche zu arbeiten.

Welche Abgaben müsste ich dann zahlen, und darf ich das solange ich eingeschrieben bin?

RE: Werkstudent + Selbständig?

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich arbeite nun seit kurzem als Werkstudent 12 -15 h pro Woche in einem kleinen Unternehmen, bin laut Arbeitsvertrag aber selbstständig. Ich verdiene je nach dem, wie viel ich arbeite (je nach Auftragslage), so zw. 400 und 700 Euro. Muss ich mich wegen der Selbstständigkeit nun an irgendeiner offiziellen Stelle melden? Oder was für Pflichten bring das ganze mit sich? Ich werden den Job vermutlich nur 2 oder 3 Monate machen und dann wieder wechseln in einen möglichst "normalen" Job, also eine normale angestellte Beschäftigung, doch möchte hier lieber auf Nummer sicher gehen und nochmal nachfragen.

Vielen Dank für die Mühe und Hilfe!!!

Viele Grüße

Lui

RE: Werkstudent + Selbständig?

Hallo Lui,

vielen Dank für deine Anfrage.

Du bist entweder als Werkstudent angestellt ODER selbstständig tätig.
Beim sogenannten Werkstudent_innenstatus handelt es sich um einen Status innerhalb der Sozialversicherung (SV) für deinen  Anmeldung bei abhängiger Beschäftigung.

Bist du ausschließlich selbstständig tätig, spielt der Werstudent_innenstatus keine Rolle.

Wenn du selbstständig tätig bist, bist du quasi dein eigener Chef und dementsprechend auch selbst für deine korrekte Anmeldung beim Finanzamt und der Sozialversicherung (insbesondere bei deiner Krankenkasse!) zuständig. Auch für das eventuelle Abführen von Steuern und SV-Beiträgen bist du dann selbst verantwortlich (Stichwort Steuererklärung). Verpflichtet zur Anmeldung bist du ab Aufnahme der Selbstständigkeit. Erfahrungsgemäß ist es aber kein Problem, sich auch noch etwas verspätet rückwirkend anzumelden. Wenn du die Selbstständigkeit dann wieder aufgibst, kannst du dich einfach abmelden.

Solange du in der Sozialversicherung als nebenberuflich selbstständig eingestuft wirst, kannst du während des Studiums bis zum Erreichen der Einkommensgrenze in der gesetzlichen Familienversicherung bleiben. Die Einkommensgrenze liegt derzeit bei 455€/Monat (das entspricht bei Selbstständigkeit deinem Gewinn, also deine Einnahmen minus Betriebsausgaben) ODER 450€/Minijob. Verdienst du mehr, musst du dich selbst studentisch kranken- und pflegeversichern (um die 100€/Monat).

Beachte auch, dass für Selbstständige die üblichen Arbeitnehmer_innenrechte wie Kündigungsschutz, Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall oder bezahlten Urlaub nicht gelten. Auch für deine soziale Absicherung (z.B. bei Auftragsflaute) bist du dann selbst verantwortlich. Und du musst dich um deinen Papierkram kümmern, wie Rechnungen sammeln, Ausgaben dokumentieren, ggf. vor- und nachbereiten etc. (auch das ist Arbeitszeit, die du berücksichtigen solltest!). Deshalb empfehlen wir, bei Honorarverhandlungen für selbstständige Tätigkeiten mind. das Doppelte dessen zu veranschlagen, was du in einer vergleichbaren Angestelltentätigkeit für einen angemessenen Stundenlohn hältst.

Ob sonst noch eventuell versteckte Kosten auf dich zukommen können, hängt von der genauen Art deiner Tätigkeit ab. Gegebenfalls brauchst du einen Gewerbeschein, eine Berufshaftpflicht, bist rentenversicherungspflichtig oder musst Mitglied einer Kammer werden.

Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier sowie in unserer Broschüre „Selbstständigkeit und Studium.

Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort.

Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort persönlich beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

Beste Grüße
Andrea
DGB-Jugend Studierendenberatung

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RE: Werkstudent + Selbständig?

Liebes Team des dgb,

ich arbeite als Werkstudent 20h die Woche & studiere in Vollzeit. Dennoch überlege ich, mich selbstständig zu machen & evtl, soweit es anfänglich der Job von dem Gewinn her noch nicht zulässt, alles gleichzeitig zu machen.

Ich bin bei der Techniker Krankenkasse, aber dadurch, dass ich mich selbstständig mache, muss ich mich privat versichern, richtig? Und dies kann bis zu 300€ kosten. Und es würde auch wieder schwer sein, mit in die Familienversicherung zurück aufgenommen zu werden, oder? Mit welchen Kosten muss ich rechnen: Steuern, Krankenkasse etc. Kann mir meine Arbeitszeit zum Verhängnis werden und ich erfülle nicht mehr die Anforderungen an den Vollzeitstudentenstatus? Ist es denn überhaupt lohnenswert dann?

Herzliche Grüße

Tatjana

RE: Werkstudent + Selbständig?

Hallo Tatjana,

vielen Dank für deine Anfrage.

Ich versuch das mal aufzudröseln:

Wenn du bereits eine 20h-Stellle hast, kannst du schon jetzt nicht mehr gesetzlich familienversichert sein - auch ohne eine zusätzliche selbstständige Tätigkeit.
Die Einkommensgrenze in der gesetzlichen Familienversicherung beträgt 470€/Monat (das entspricht ca. 553€/Monat brutto) ODER 450€/Minijob. Verdienst du mehr - und das müsstest du mit eine 20h-Stelle, musst du dich selbst studentisch kranken- und pflegeversichern (um die 100€/Monat), ggf. auch rückwirkend. Um hohe Beitragsnachforderungen zu vermeiden, setz dich am besten schnellst möglich mit deiner Krankenkasse in Verbindung.

Nimmst du nun zusätzlich noch eine selbstständige Tätigkeit auf und kommst damit auf eine regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit von >20h, entfällt in deinem bisherigen Job der Werkstudent_innenstatus - und damit auch die studentische Krankenversicherung (dazu gleich mehr).

Dein Arbeitsvertrag bleibt vom Wegfall des Werkstudistatus aber unberührt, denn bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich lediglich um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort und nicht um eine arbeitsrechtliche Regelung. Je nachdem, ob du insgesamt (mit allen Jobs) regelmäßig mehr oder weniger als 20h/Woche arbeitest, musst du in abhängiger Beschäftigung entweder als Werkstudentin oder als voll sv-pflichtige Arbeitnehmerin angemeldet.
Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status ist deine regelmäßige Arbeitszeit und daran orientiert, ob dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit. Ausnahmen sind in der vorlesungsfreien Zeit und unter bestimmten Umständen bei Abend-, Nacht- und Wochenendarbeit möglich.

Für deine Krankenversicherung und deine Sozialabgaben generell bedeutet das:
Im Werkstudent_innenstatus fallen aufs Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und du musst selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 100€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du wärst dann über deinen Job nicht nur renten-, sondern auch kranken-, pflege- und arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudentin. Außerdem können so Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I) erworben werden, auf die Werkstudent_innen sonst keinen Anspruch haben.

Daran ändert auch eine zusätzliche selbstständige Tätigkeit nichts, solange du von deiner Krankenkasse als nebenberuflich selbstständig eingestuft wirst. Dann kannst du dich mit einer regelmäßigen Gesamtarbeitszeit von nicht mehr als 20h/Woche während des Studiums weiterhin studentisch krankenversichern oder - bei >20h/Woche - ausschließlich über deine abhängige Beschäftigung krankenversichert sein.
Liegen die Voraussetzungen für die Familienversicherung (insb. Alter und Einkommensgrenze) wieder vor, kannst du problemlos zurückwechseln, egal ob selbstständig tätig oder nicht.

Eine Krankenversicherung als Selbstständige (entweder privat oder gesetzlich freiwillig), ist erst notwendig, wenn du hauptberuflich selbstständig bist. Die Kosten hängen dann von der Einkommenshöhe und bei privaten Versicherungen von den Versicherungsbedingungen ab.

Nun noch ein paar allgemeine Infos zu Selbstständigkeit, damit du weißt, worauf du dich einlässt:
Wenn du selbstständig tätig bist, bist du quasi formal deine eigene Chefin und dementsprechend auch selbst für deine korrekte Anmeldung beim Finanzamt und der Sozialversicherung zuständig. Auch für das Abführen von Steuern und SV-Beiträgen bist du dann selbst verantwortlich (Stichwort Steuererklärung).

Wenn du gegen Honorar einer wissenschaftlichen, erzieherischen, unterrichtenden, schriftstellerischen oder künstlerischen Tätigkeit nachgehst, handelt es sich um eine freiberufliche Tätigkeit. Dann musst du nicht zusätzlich noch ein Gewerbe anmelden.
Handelt es sich aber z.B. um eine handwerkliche oder eine Verwaltungstätigkeit, musst du dich zusätzlich noch beim zuständigen Ordnungs-/Gewerbeamt anmelden.
Beim Finanzamt meldest du dich mit dem Formular "Fragebogen zur steuerlichen Erfassung" an. Nach deiner Anmeldung erhältst du eine Steuernummer (das ist etwas anderes als deine Steuer-ID!), die dann zukünftig zwingend auf deine Rechnungen drauf muss.
Du kannst also erst eine rechtsgültige Rechnung schreiben, wenn du angemeldet bist.

Beachte auch, dass für Selbstständige die üblichen Arbeitnehmer_innenrechte wie Kündigungsschutz, Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall oder bezahlten Urlaub nicht gelten. Auch für deine soziale Absicherung (z.B. bei Auftragsflaute) bist du dann selbst verantwortlich. Und du musst dich um deinen Papierkram kümmern, wie Rechnungen sammeln, Ausgaben dokumentieren, ggf. vor- und nachbereiten etc. (auch das ist Arbeitszeit, die du berücksichtigen solltest!). Deshalb empfehlen wir, bei Honorarverhandlungen für selbstständige Tätigkeiten mind. das Doppelte dessen zu veranschlagen, was du in einer vergleichbaren Angestelltentätigkeit für einen angemessenen Stundenlohn hältst.

Ob sonst noch eventuell versteckte Kosten auf dich zukommen können, hängt von Umfang und Art deiner Tätigkeit ab. Ggf. brauchst du eine Berufshaftpflicht, wirst rentenversicherungspflichtig oder musst Mitglied einer Kammer werden.
Ob und wenn ja, wie viel Steuern anfallen, hängt davon ab, wieviel du insgesamt verdienst.
Der Steuergrundfreibetrag beträgt akuell 9744€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale für deine abhängige Beschäftigung). Erst wenn du insgesamt mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – und auch nur auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt. Bei selbstständiger Tätigkeit ist dein Gewinn (Einnahmen minus Betriebsausgaben) relevant.
Neben der Einkommensteuer fällt auch Umsatzsteuer an, wenn du in einem Jahr mehr als 22.000 Euro Umsatz hattest und im darauffolgenden Jahr voraussichtlich mehr als 50.000 Euro Umsatz haben wirst. Wenn du vorhersehbar einen geringeren Umsatz haben wirst, kannst du gleich mit der Anmeldung beim Finanzamt die Befreiung von der Umsatzsteuer beantragen (sogenannte Kleinunternehmer_innenregel).

Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium. Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

Nutze auch unser Beratungsangebot in deiner Nähe. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort direkt beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden. Stelle dazu beim nächsten Mal bitte deine Anfrage über die Startseite der Onlineberatung.
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Beste Grüße
Andrea
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