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Studierenden-Beratung

Studentin: Minijob + freiberuflich

Hallo!

Ich habe im kommenden Monat eine Überschneidung von einem Minijob und einer freiberuflichen Tätigkeit. Bei der freiberuflichen Lehrtätigkeit bin ich 12 Stunden (insgesamt ca.1050€) pro Woche tätig. Die 450€ Beschäftigung ist von der Stundenzahl her variabel, aber ich muss eine Schicht pro Woche machen (d.h. 6-8 Stunden). Ich hoffe dennoch insgesamt nicht über 20 Stunden pro Woche zu kommen. Zur Orientierung: Ich erhalte kein Bafög oder Kindergeld. Dazu folgenden Fragen:

- Darf ich als Studentin (als solche auch gesetzlich versichert) überhaupt gleichzeitig einen Minijob und eine freiberufliche Tätigkeit haben?

- Werden die wöchentliche Stundenanzahl aus beiden Tätigkeiten zusammengerechnet wenn es um den Studierendenstatus bei der Krankenkasse geht?

- Muss ich beide Tätigkeiten meiner Krankenkasse melden?

- Wieviel darf ich bei beidem verdienen als Studentin? Werden die Gehälter vom beidem zusammengezählt?

- Was passiert, wenn ich insgesamt durch meine freiberufliche Tätigkeit etwas ÜBER die 20 Stunden Grenze komme? Wer prüft dies nach und wo gebe ich es an?

- Wie verhält es sich mit den Rentenversicherungsbeiträgen (ich habe mich bei dem 450€ Job von den Beiträgen befreien lassen, muss aber doch bei der freiberuflichen Tätigkeit zahlen?!)

- Brauche ich für eine Tätigkeit in einer Sprachschule einen Kleingewerbeschein oder reicht allein die Anmeldung bei der Rentenversicherung?

Ich würde mich freuen, wenn ihr mir schnell weiterhelfen könnt. Vielen vielen Dank!

Student: Minijob + freiberuflich

Hallo,

ich habe ein paar Fragen zu Steuern in meinem Job. Ich habe bis September 2021in einer Schule als Vertretungslehrer gearbeitet, dort gilt der Übungsleiterfreibetrag von 2100 Euro pro Jahr. Ich habe jetzt 1995 Euro im Jahr verdient. Im September habe ich aufgehört zu arbeiten, mein Vertrag gilt jedoch bis Dezember 2021. Im Dezember habe ich angefangen als Erste Hilfe Ausbilder zu arbeiten. Ich bin zwar für ein Unternehmen tätig, bin jedoch Freiberufler. Jetzt stellt sich die Frage. Wie ist das mit der Steuer geregelt. Im Dezember habe ich nur ein Mal gearbeitet als Erste Hilfe Ausbilder für ca 100 Euro. Ich habe weder die Steuerfreigrenze von knapp 9000 Euro erreicht noch den Übungsleiterfreibetrag erreicht. Fallen dennoch irgendwelche Steuern an?

2. Muss ich den Job als Verteetungslehrer in der Steuererklärung angeben, denn hier habe ich ja den Übungsleiterfreibetrag nicht überschritten und ich habe immer Gehaltsabrechnungen erhalte, das heißt das Finanzamt müsste Bescheid wissen.

Vielen Dank

RE: Studentin: Minijob + freiberuflich

Hallo,

vielen Dank für deine Anfrage.

Zunächst einmal: du darfst neben dem Studium so viel arbeiten und verdienen wie du möchtest. Solange du immatrikuliert bist ändert sich dadurch nichts an deinem Studierendestatus an deiner Uni oder Hochschule.

Je nach Umfang und Art der Beschäftigung, je nach Kombination und jeweiliger sowie gesamter Einkommenshöhe, musst du nur entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden. Allerdings hat die Arbeit Einfluss auf deinen Werkstudierendenstatus, deine Familienversicherung und ggf. auf BAföG, falls du das bekommst.

Wenn du nur in niedrigem Umfang verdienst, weil du gelegentlich für öffentlich-rechtliche oder gemeinnützige Träger (Sportverein, Kulturverein, Universität, Kirche, Jugendzentrum, Volkshochschule, Stadtverwaltung etc.) pädagogische Arbeit leistest, wird dieses Einkommen nicht auf das zu versteuernde Einkommen angerechnet. Die Übungsleiter_­innenpauschale liegt bei jährlich 3.000 Euro (und nicht nur 2.100 Euro). Die Übungsleiter_innenpauschale kann ggf. auch für deine Tätigkeit in der Erste Hilfe Ausbildung angewendet werden.

Die Schule wird vermutlich die Übungsleiter_innenpauschale bereits in der Gehaltsabtrechnung berücksichtigt haben. Bei der neuen Tätigkeit handelt es sich um eine Selbstständigkeit. Wenn du selbstständig tätig bist, bist du quasi dein eigener Chef und dementsprechend auch selbst für deine korrekte Anmeldung beim Finanzamt und der Sozialversicherung zuständig. Auch für das Abführen von Steuern und SV-Beiträgen bist du dann selbst verantwortlich (Stichwort Steuererklärung).

Einkommenssteuer zahlst du erst für den Teil deines Einkommens, der den Freibetrag von aktuell 9.984 Euro pro Kalenderjahr überschreitet. Dabei wird dein Einkommen aus abhängiger und selbstständiger Tätigkeit gemeinsam betrachtet. Als Einkommen zählt bei Selbstständigen nur der Gewinn, du kannst also alle Ausgaben von den Einnahmen abziehen. Dein Einkommen teilst du dem Finanzamt mit einer Steuererklärung mit, wenn du über dem Freibetrag verdient hast. Meistens musst du aber auch eine einreichen, wenn du weniger verdient hast. Zum Beispiel, wenn du neben einer abhängigen Beschäftigung mehr als 410 Euro pro Jahr (!) aus einer selbstständigen Tätigkeit verdient hast. Oder immer dann, wenn das Finanzamt dich dazu auffordert. Die Steuererklärung für 2021 ist bis zum 31. Juli 2022 fällig. Diese Übunsgleiter_innenpauschale kann von den Einnahmen abgezogen werden.

Auf deine Rechnungen gehört in jedem Fall deine Steuernummer (die vom Finanzamt für deine selbstständige Tätigkeit; nicht zu verwechseln mit deiner persönlichen Steuer-ID). Auch bei den Rechnungen für deine ehrenamtliche Tätigkeit braucht es eine Steuernummer, denn Rechnungen haben zwingende Inhalte. Was da sonst noch reingehört, haben wir in unserer Broschüre zur Selbstständigkeit (auf S. 11) aufgelistet. Du findest auch zahlreiche Vorlagen im Netz. Auch wenn du steuerfrei über die Übungsleiter_innenpauschale arbeitest, dann musst du deine Selbstständigkeit dem Finanzamt melden.

Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium.

Wenn du noch Fragen hast, kannst du auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort nutzen oder dich gerne wieder an uns wenden.

Beste Grüße
Miriam
DGB-Jugend Studierendenberatung

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