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Studierenden-Beratung

Wissenschaftliche Hilfskraft + Freiberufliche Tätigkeit

Hallo!

Ich bin momentan als wissenschaftliche Hilfskraft mit 17 Wochenstunden an der Uni tätig (ca. 1000€ im Monat) und habe das Angebot eines Verlages bekommen, auf freiberuflicher Basis Romangutachten für sie zu erstellen. Die dortigen Mitarbeiter würden sich, wenn Bedarf besteht, immer mal wieder bei mir melden und pro Gutachten würde ich 100€ verdienen. 

Nun wäre meine Frage, inwiefern sich das auf meinen Studentenstatus bei der Krankenkasse auswirken würde und wie ich das gegebenenfalls beim Finanzamt melden muss, falls es keine Freigrenze oder so gibt. 

Danke im Voraus für Eure Antwort und liebe Grüße!

RE: Wissenschaftliche Hilfskraft + Freiberufliche Tätigkeit

Hallo,

vielen Dank für deine Anfrage.

Zunächst einmal zur freiberuflichen Tätigkeit:

Wenn du auf freiberuflicher Basis arbeitest, bist du selbstständig tätig.
Wenn du selbstständig tätig bist, bist du quasi dein/e eigene/r Chef*in und dementsprechend auch selbst für deine korrekte Anmeldung beim Finanzamt und der Sozialversicherung zuständig. Auch für das Abführen von Steuern und SV-Beiträgen bist du dann selbst verantwortlich (Stichwort Steuererklärung). Hier gibt es leider keine Freigrenze – die Anmeldung ist am besten noch vor Aufnahme der Tätigkeit notwendig (das kann auch rückwirkend noch gemacht werden bzw verspätet erfolgen, solange du noch keine Steuern hinterzogen haben könntest).

Wenn du gegen Honorar einer wissenschaftlichen, erzieherischen, unterrichtenden, schriftstellerischen oder künstlerischen Tätigkeit nachgehst, handelt es sich um eine freiberufliche Tätigkeit. Dann musst du nicht zusätzlich noch ein Gewerbe anmelden.

Beim Finanzamt meldest du dich mit dem Formular "Fragebogen zur steuerlichen Erfassung" an. Nach deiner Anmeldung erhältst du eine Steuernummer (das ist etwas anderes als deine Steuer-ID!), die dann zukünftig zwingend auf deine Rechnungen drauf muss.
Du kannst also erst eine rechtsgültige Rechnung schreiben, wenn du angemeldet bist.

Solange du als nebenberuflich selbstständig eingestuft wirst, kannst du dich während des Studiums stu-dentisch krankenversichern (da ist die Pflegeversicherung automatisch mit drin). Du meldest deine Tätigkeit also auch deiner Krankenkasse. Inwiefern du dich studentisch versichern kannst, ist abhängig davon, wieviele Stunden du pro Woche insgesamt arbeitest (dazu gleich mehr).

Ob sonst noch eventuell versteckte Kosten auf dich zukommen können, hängt von der genauen Art deiner Tätigkeit ab. Ggf. brauchst du eine Berufshaftpflicht, wirst rentenversicherungspflichtig oder musst Mitglied einer Kammer werden.

Beachte außerdem: Dein Einkommen teilst du dem Finanzamt mit einer Steuererklärung mit. Hier gilt: wenn du neben einer abhängigen Beschäftigung mehr als 410 Euro pro Jahr (!) aus einer selbstständigen Tätigkeit verdient hast, bist du verpflichtet, eine Steuererklärung einzureichen (oder immer dann, wenn das Finanzamt dich dazu auffordert). Sodann kann dein zu versteuerndes Einkommen berechnet werden.

Einkommenssteuer zahlst du jedoch erst, wenn du den Steuergrundfreibetrag von 10.908€/Jahr (plus ggf. 1230€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung) überschreitest. Zu viel eingezogene Steuern kannst du am Jahresende mit einer Steuererklärung zurückbekommen.

Nun zu der Frage, ob sich dein Status innerhalb der Sozialversicherung ändert – hier geht es um die konkrete Frage, ob du noch den „Werkstudent*innenstatus“ innehast.

Beim sogenannten Werkstudent*innenstatus handelt es sich um einen Status innerhalb der Sozialversicherung (SV), den Vollzeitstudent*innen i.d.R. immer dann innehaben, wenn sie nicht mehr als 20h/Woche arbeiten. Man spricht auch von der sogenannten 20h-Regel. Dabei handelt es sich lediglich um eine Orientierungsgrenze (einzelne Spitzen spielen in der Regel keine Rolle).

Das heißt, wenn du regelmäßig mehr als 20h/Woche arbeitest, wirst du als voll sozialversicherungspflichtige/r Arbeitnehmer*in angemeldet (über deinen Arbeitgeber der abhängigen Beschäftigung) – andernfalls behälst du den Status als Werkstudent*in.

Ganz wichtig ist, dass du deine Nebentätigkeit deiner/m Arbeitgeber*in mitteilst. Grundsätzlich gilt, dass du im Rahmen der Informations- und Meldepflichten verpflichtet bist, allen deinen Arbeitgeber*innen immer alles für deine Anmeldung relevante (dazu gehören insb. andere Jobs) mitzuteilen. Nur so können diese ihrer Pflicht, dich korrekt anzumelden, nachkommen.

Von der 20h-Regel gibt es aber auch Ausnahmen, die möglicherweise greifen. Ausnahmen sind in der vorlesungsfreien Zeit und unter bestimmten Umständen bei Abend-, Nacht- und Wochenendarbeit möglich. Letzteres gilt nur für auf maximal 26 Wochen befristete Beschäftigungen, bei denen die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit auf abends/nachts oder das Wochenende fällt.

Ansonsten ist eine volle SV-Pflicht aber gar nicht so schlimm, wie manche denken. Im Werkstu-dent*innenstatus fallen auf dein Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und du musst selbst die Kos-ten für die studentische KV (immerhin um die 130€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür keine weiteren Kosten für die KV. Du bist dann über den Job krankenversichert und zudem auch arbeitslosenversichert. Je nach Einkom-menshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger als der Status als Werkstudent*in. Au-ßerdem erwirbst du Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I), auf die Werkstudent*innen sonst keinen Anspruch haben.

Ich hoffe, die Infos helfen dir weiter. Wenn du noch weitere Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden oder eine unserer Beratungsstellen bei dir vor Ort aufsuchen.

Beste Grüße
Cecilia
DGB-Jugend Studierendenberatung

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