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Studierenden-Beratung

Verdienstgrenze Studenten

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich möchte ca 17h pro Woche in einem Job als Schulbegleiter arbeiten (befristet und fetsangestellt) und zusätzlich noch 1,5h wöchentlich in einem anderen Job als Nachhilfelehrer, allerdings auf Honorarbasis. Nun möchte ich gerne wissen, ob dies grundsätzlich möglich ist. Vor allem ist es wichtig zu wissen, ob es eine Verdiensthöchstgrenze für Studenten gibt bzw. ob ab einem bestimmten Verdienst z.B. mehr Steuern/Abzüge anfallen. Zusätzlich möchte ich gerne wissen, ob ich beim Arbeitgeber versichert bin bei meiner Krankenkasse oder ich mich selbst studentisch versichern muss (Familienversicherung und Anspruch auf BaFöG entfallen).

Vielen Dank

RE: Verdienstgrenze Studenten

Hallo,

vielen Dank für deine Anfrage!

Erstmal grundsätzlich: Auch als Student*in darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Status innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss. Dort bist und bleibst du Student, solange du immatrikuliert bist.

Je nach Umfang und Art der Beschäftigung, je nach Kombination und jeweiliger sowie gesamter Einkommenshöhe, musst du nur entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden.

Eine Verdienstgrenze für Student*innen gibt es in dem Sinne also nicht, allerdings entscheidet sich anhand deiner Arbeitszeit, welchen Status du in der Sozialversicherung innehast. Für Studierende ist der „Werkstudistatus“ von besonderer Relevanz. Hier geht es um einen Status innerhalb der Sozialversicherung, den Vollzeitstudent*innen i.d.R. immer dann innehaben, wenn sie nicht mehr als 20h/Woche arbeiten. Man spricht auch von der 20h-Regel.

Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status ist deine regelmäßige Arbeitszeit (einzelne Spitzen spielen in der Regel keine Rolle) und daran orientiert, ob dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit.
Dabei wird davon ausgegangen, dass das Studium im Vordergrund steht, wenn du als Vollzeitstudent*in nicht mehr als 20h/Woche arbeitest. Dann wirst du im Job als Werkstudent*in angemeldet.

Wenn du eine abhängige Beschäftigung und eine selbstständige Tätigkeit kombinierst, sind die Arbeitsstunden aus beiden Bereichen relevant. Bei deiner Tätigkeit als Nachhilfelehrer mit 1,5h/Woche kann es sein, dass dir auch noch eine Vor- und Nachbereitungszeit angerechnet wird – da du deine selbstständige Tätigkeit bei deiner Krankenkasse melden musst, kannst du dich danach direkt erkundigen (du meldest dich bei deiner Krankenkasse, um feststellen zu lassen, dass du nebenberuflich selbstständig bist).
Andernfalls würdest du faktisch 19,5h/Woche arbeiten und überschreitest somit die 20h-Regel nicht. Dein Arbeitgeber in deiner abhängigen Beschäftigung müsste dich also entsprechend als Werkstudi anmelden. Beachte bitte unbedingt, dass du deinem Arbeitgeber alle relevanten Informationen zur korrekten Anmeldung in der Sozialversicherung mitteilen musst. Hierzu gehören insbesondere weitere Nebentätigkeiten (auch wenn diese in Selbstständigkeit ausgeführt werden).

Der Werkstudent*innenstatus bleibt aber in der Regel auch bei einer Arbeitszeit von über 20h/Woche erhalten, wenn die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit in maximal 26 Wochen im Jahr durch befristete (!) Beschäftigungen/Arbeitszeiterhöhungen auf abends, nachts oder das Wochenende fällt. Wochen mit einer Arbeitszeit von über 20h in den Semesterferien zählen auch in die 26 Wochen mit hinein.

Und hier noch eine kurze Gegenüberstellung von den SV-Abgaben als Werkstudi und als voll-sozialversicherungspflichtige/r Arbeitnehmer*in:

Im Werkstudent*innenstatus fallen aufs Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und man muss selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 130€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du wärst dann über den Job nicht nur renten-, sondern auch kranken-, pflege- und arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudent*in. Außerdem können so Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I) erworben werden, auf die Werkstudent*innen sonst keinen Anspruch haben.

 

Ansonsten sind noch die Regelungen zum Midijob ganz interessant (und zielt vermutlich auf die Verdienstgrenze ab, die du angesprochen hast – diese ist jedoch unabhängig von deinem Studistatus).

Bei den Regelungen zum Midijob geht es darum, dass innerhalb einer bestimmten Einkommensspanne (520,01 – 2.000€/Monat) SV-Beiträge anhand der Midijobformel für die Arbeitnehmer*innenseite günstiger berechnet werden. In dieser Formel reduziert ein Faktor die Höhe des Arbeitsentgelts als Grundlage für die Beitragsberechnung. Das gilt für Werkstudent*innen (hier nur für die Berechnung der RV) ebenso wie für voll sv-pflichtig Beschäftigte (hier dann auch für die KV-Beiträge).

 

Abschließend ein paar Worte zum Thema Steuern:

Der Steuergrundfreibetrag beträgt 10.908€/Jahr (plus ggf. 1230€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung). Erst wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – aber auch nur auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt.

Bei selbstständiger Tätigkeit ist dein Gewinn (Einnahmen minus Betriebsausgaben) relevant.

Da du über deine Nachhilfetätigkeit einer selbstständigen Tätigkeit nachgehst, bist du verpflichtet eine Steuererklärung zu machen. So teilst du dem Finanzamt dein zu versteuerendes Einkommen mit.

Ich hoffe, die Infos helfen dir weiter! Ansonsten kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

Beste Grüße
Cecilia
DGB-Jugend Studierendenberatung

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