© DGB/123RF.com

Studierenden-Beratung

Zwei Hobs neben dem Studium

Guten Tag,

ich habe derzeit folgendes Problem. In der Uni gehe ich einer Werksstudententätigkeit nach (bisher 7,5 Std. bei ca. 400 EUR, nur RV). Nebenbei habe ich einen Mini-Job (450 EUR bei 9 Std., keine Abgaben).

1. Frage: Bisher habe ich keinerlei Abgaben gehabt, da der Steuerberater des einen Mini-Jobs gesagt hat, dass der Gesamtverdienst innerhakb des Steuerfreibetrags liegt und ich somit nichts zahle. Dies kommt mir allerdings komisch vor, da ja normalerweise die zweite Tätigkeit in ST.-Klasse 6 ist und nur über die Steuererklärung die Abgaben wieder reingeholt werden können. Oder?

2. Frage: Die Studenzahl in der Uni und damit auch der Lohn steigen auf ca 550 EUR, wodurch ich den mtl. Steuerfreibetrag mit dem zusätzlichen Mini-Job überschreite. Für mich ergibt sich jetzt noch nicht, welcher Job in wiefern sozialversicherungspflichtig und besteuert wird. Könnte es zudem sein, dass im Endeffekt die Sozialabgaben (die ich nur auf den Mini-Job zahle??) geringer sind als die studentische Krankenversicherung?

Ich hoffe meine Situation ist verständlich dargelegt und Sie können mir weiterhelfen. Vielen Dank im Voraus

RE: Zwei Hobs neben dem Studium

Hallo Daniel,

vielen Dank für deine Anfrage.

Ich bin etwas verwirrt über deine Angaben: Wenn du in beiden Jobs nicht mehr als jeweils 450€/Monat verdienst, handelt es sich bei beiden um geringfügige Beschäftigungen/Minijobs. Diese werden in der Sozialversicherung (SV) zusammengerechnet. Kommst du dann insgesamt auf über 450€/Monat, entfällt der Minijobstatus für beide Jobs.
Solange du mit beiden Jobs zusammen insgesamt nicht mehr als 20h/Woche arbeitest, müsstest du also in beiden als Werkstudent angemeldet sein. Dann fallen auf beide Gehälter je 9,3% Rentenversicherungsbeiträge an.

Kann es sein, dass du aktuell falsch in deinem Minijob (der als solcher angemeldet zu sein scheint) in der Sozialversicherung angemeldet bist? Lass das am besten mal überprüfen! Insgesamt scheint mir der Steuerberater dort auch nicht sonderlich viel davon zu verstehen.

Denn in der Kombi müssen eigentlich (Antwort auf Frage 1) beide Jobs über deine Steuer-ID abgerechnet werden, so dass du einen davon über die ungünstige Lohnsteuerklasse 6 laufen lassen müsstest. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
Es gibt zwar grundsätzlich auch die Möglichkeit, Minijobs pauschal mit 2% zu versteuern. Das funktioniert aber nur, wenn auch sozialversicherungsrechtlich ein Minijob vorliegt und nicht, wie ich vermute, ein Job im Werkstudistatus, der zwingend über deine Steuer-ID abgerechnet werden muss und somit auch einer der Jobs in LSK 6 fällt.

In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 10.347€/Jahr (plus 1200€ Werbungskostenpauschale) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
Du kannst aber im Folgejahr mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen.

Zu 2.: Steigt das Einkommen im Job an der Uni auf über 450€ bzw. ab Oktober 520€/Monat, handelt es sich nicht mehr um einen Minijob, womit dein bisheriger Minijob wieder zu einem wird.
Im Werkstudistatus fallen dann nur noch auf den Job an der Uni 9,3% RV an, der Minijob wird wieder nach Minijobregeln abgerechnet. Im Fall von voller Sozialversicherungspflicht (bei regelmäßiger wöchentlicher Arbeitszeit von insgesamt über 20h/Woche), fallen die Abgaben nur aufs Gehalt aus dem Job an der Uni an.

Es ist in der Tat so, dass bis zu einer gewissen Einkommenshöhe (ca. 1100€/Monat brutto) eine volle SV-Pflicht finanziell günstiger ist als der Werkstudent*innenstatus in Kombi mit studentischer Krankenversicherung. Solltest du in deiner Kombi die 20h-Regel überschreiten, wäre es sogar sehr günstig für dich, da die Sozialversicherungsabgaben nur auf das Gehalt in Höhe von 550€/Monat (und noch dazu im Midijob für dich günstiger) berechnet würden, so dass diese insgesamt (inkl. Renten- und Arbeitslosenversicherung) nicht höher wären als die Kosten für die studentische KV allein.
Beachte aber, dass eine voll sv-pflichtige Anmeldung bei Vollzeitstudent*innen nur möglich ist, wenn die regelmäßige Arbeitszeit über 20h/Woche liegt und auch keine der Ausnahmen greift.

Steuerlich wäre es in der Kombi dann wieder möglich, den Minijob pauschal mit 2% versteuern zu lassen. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden. Der Werkstudijob liefe dann über LSK 1 ohne Abzüge.
Aber selbst wenn beide Jobs auch in der Kombi über deine Steuer-ID abgerechnet werden und es über die LSK 6 zu Steuereinzügen kommt, sollten am Ende keine Einkommenssteuer anfallen.

Denn in der Steuererklärung kannst du ggf. auch noch Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten geltend machen, so dass es durchaus nicht ungewöhnlich ist, auch bei einem Gesamtbruttoeinkommen von z.B. 14.000 € im Jahr noch keine Einkommenssteuer zahlen zu müssen.

Um den doch recht hohen Steuereinzug über deine LSK 6 zu vermeiden, kannst du außerdem versuchen, beim zuständigen Finanzamt einen Übertrag eines Teils deines Freibetrags auf die LSK 6 zu beantragen. Schau mal hier unter Freibeträge flexibel handhaben.

Ausführlicheres zum Thema Steuern findest du hier. Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

Beste Grüße
Andrea
DGB-Jugend Studierendenberatung

Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook!
Übrigens: Solidarität geht immer! Mitglied werden

Neue Antwort

Die mit '*' gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.

Jobs
Bist du Gewerkschaftsmitglied?*
Darf deine Telefonnummer oder deine E-Mail-Adresse an interessierte Journalist*innen für Hintergrundgespräche, Zitate oder Interviewanfragen weitergegeben werden?*
Über Antworten und Kommentare zu meiner Anfrage im Forum möchte ich per E-Mail informiert werden.*