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Studierenden-Beratung

SHK und geringfügige Beschäftigung, ÜL

Hallo zusammen,

ich bin aktuell geringfügig Beschäftigt und verdienen 450€ im Monat. (Ab Oktober 520€) Zusätzlich habe ich einen Übungsleiter bei dem ich Jährlich bis zu 3000€ verdiene.

Jetzt wurde mir ab Oktober eine SHK- Stelle mit 52 Stunden im Monat für 6 Monate angeboten.

Ich würde gerne Wissen, ob sich die SHK Stelle für mich lohnen würde? Wie viele Steuern müsste ich zahlen und welche Steuerklasse sollte ich nehmen? Wie sieht es mit der Krankenverscherung aussieht? Im Dezember werde ich 25 Jahre also müsste ich ab da auch aus der Familienversicherung raus.

Zählt der Übungsleiter auch für den Steuerfreibetrag?

 Vielen Dank!

RE: SHK und geringfügige Beschäftigung, ÜL

Hallo Katja,

vielen Dank für deine Anfrage.

Welche Auswirkungen welche Jobkombi in den unterschiedlichen Bereichen Steuern und Sozialversicherung (SV) hat, hängt maßgeblich von Art und Umfang der einzelnen Beschäftigungen und der jeweiligen sowie gesamten Einkommenshöhe ab.

Daher lässt sich deine Frage anhand deiner Angaben nicht eindeutig beantworten. Hier aber mal ein paar allgemeine Infos, mit denen du deine Situation dann vielleicht selbst erschließen kannst.

Steuern
Hier ist relevant, wieviel du insgesamt im Jahr verdienst. Der Steuergrundfreibetrag beträgt 10.347€/Jahr (plus 1200€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung). Erst wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – und auch nur auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt. Einkünfte, die unter die Übungsleiter*innenpauschale fallen, zählen hier nicht mit hinein. Damit kannst du also nochmal bis zu 3000€/Jahr zusätzlich zum Steuerfreibetrag steuerfrei dazuverdienen.

Hast du aber mehrere Beschäftigungen in unterschiedlichen Lohnsteuerklassen kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du unterhalb des Freibetrags bleibst. In welcher Lohnsteuerklasse (LSK) du abgerechnet wirst, kannst du dir nicht einfach aussuchen. Hast du keine Kinder und bis unverheiratet, greift für den ersten Job LSK 1, für den 2. (und alle weiteren) LSK 6.

In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag (inkl. Werbungskostenpauschale) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe (ca. 1200€/Monat) im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.

Es kann aber auch sein, dass dein Minijob pauschal mit 2% versteuert wird. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden. Nur wenn der Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet wird, fällst du in einem der Jobs in Steuerklasse 6. In welchem, kannst du mit der Angabe, welcher Haupt- und welcher Nebenjob ist, selbst entschieden. Es bietet sich aber an, den Job als Hauptjob über LSK 1 laufen zu lassen, bei dem du mehr verdienst.

Aber egal, wie letztendlich der Lohnsteuereinzug läuft: Du kannst im Folgejahr mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen. Darin kannst du dann auch noch Vorsorgeaufwendungen und ggf. Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten geltend machen, so dass es durchaus nicht ungewöhnlich ist, auch bei einem Gesamtbruttoeinkommen von z.B. 14.000 € im Jahr (plus Übungsleiter*innenpauschale oben drauf) noch keine Einkommenssteuer zahlen zu müssen.

Sozialversicherung
Hier sind unterschiedliche Faktoren relevant.

Erstmal vorneweg: Einkommen, das unter die Übungsleiter*innenpauschale fällt, wird bei der Familienversicherung und bei der Rentenversicherungspflicht nicht miteingerechnet. Die Arbeitszeit aus der Tätigkeit zur Ermittlung deines SV-Status aber ggf. schon.

Die Einkommensgrenze in der gesetzlichen Familienversicherung beträgt derzeit 470€/Monat (das entspricht unter Berücksichtigung der Werbungskostenpauschale 570€/Monat brutto) ODER 450€/Minijob. Verdienst du insgesamt mehr, musst du dich selbst studentisch kranken- und pflegeversichern (um die 110€/Monat). Solltest du voll sozialverscherungspflichtig werden, kann es auch sein, dass du über den Job krankenversichert wirst (dazu im nächsten Abschnitt mehr). Die Familienversicherung würde bei dir dann voraussichtlich schon ab Oktober entfallen und nicht erst im Dezember.

Dann gibt es in der SV auch noch den sogenannten Werkstudent*innenstatus. Je nachdem, ob du regelmäßig mehr oder weniger als 20h/Woche arbeitest, wirst du in sv-pflichtigen Jobs (Gehalt >450€/Monat bzw. ab Oktober >520€/Monat, nicht kurzfristig) entweder als Werkstudentin oder voll sv-pflichtig als Arbeitnehmerin angemeldet. Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status anhand der 20h-Regel ist deine regelmäßige Arbeitszeit aus allen Jobs zusammen und daran orientiert, ob dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit. Ausnahmen sind in der vorlesungsfreien Zeit und unter bestimmten Umständen bei Abend-, Nacht- und Wochenendarbeit möglich.

Solltest du mit allen Jobs insgesamt über 20h/Woche arbeiten und keine der Ausnahmen greifen, wirst du im SHK-Job voll sozialversicherungspflichtig (der Minijob bleibt aufgrund seiner Geringfügigkeit sozialversicherungsfrei).

Der Unterschied:
Im Werkstudent*innenstatus fallen aufs Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und man muss selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 110€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du wärst dann über den Job nicht nur renten-, sondern auch kranken-, pflege- und arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudentin. Außerdem können so Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I) erworben werden, auf die Werkstudent*innen sonst keinen Anspruch haben. Ggf. greifen die Regelungen zum Midijob.

Ich hoffe, das erhellt deine Situation etwas. Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

Beste Grüße
Andrea
DGB-Jugend Studierendenberatung

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