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Studierenden-Beratung

Werkstudentin + Selbstständigkeit

Guten Tag, 

ich habe schon einige Beiträge zu dem Thema gelesen, jedoch ging es bei den meisten Anfragen um eine selbstständige Tätigkeit bei der bestimmte Arbeitsstunden in Rechnung gestellt werden. Da für mich derzeit meine Werkstudententätigkeit Priorität hat, möchte ich sicher gehen, dass dort keine Probleme auf mich zukommen. 

Ich möchte mich selbstständig machen in Bereich E-commerce. Dort muss ich einmal zum Start und zwischendurch Zeit investieren, könnte dies aber größtenteils aufs Wochenende und die Semesterferien beschränken, sodass ich nicht über die 20h Grenze kommen würde. Da es sich dabei um einen Onlineshop handelt, sind dementsprechend meine Einnahmen nicht von meiner Arbeitszeit abhängig. Meine Fragen zu dem Thema wären: 

1. Wie läuft dann die Zeiterfassung für die 20h pro Woche für die Sozialversicherungen? Und falls diese Grenze dann doch überschritten sein sollte, was genau würde sich dann für mich ändern und hätte dies Auswirkungen auf meine Werkstudententätigkeit? 

2. Ich bin privat krankenversichert, gibt es diesbezüglich bestimmte Aspekte auf die ich achten soll? 

3. Ändert sich generell etwas für mich bis auf die Sozialversicherungen und natürlich die Steuern?

4. Ich werde es vorher natürlich mit meinem Arbeitgeber abstimmen, fallen dort möglicherweise irgendwelche Änderungen oder zusätzliche Ausgaben an die ich ansprechen sollte? 

Vielen Dank im Voraus,

Evelyn

RE: Werkstudentin + Selbstständigkeit

Hallo Evelyn,

vielen Dank für deine Anfrage.

Zu 1.:
Für deine korrekte Anmeldung in deiner abhängigen Beschäftigung ist dein Arbeitgeber zuständig. Du wiederum bist verpflichtet, alle dafür relevanten Informationen (insb. andere Jobs) mitzuteilen. Er ist also auch derjenige, der - anhand deiner Angaben zum Umfang deiner selbstständigen Tätigkeit - entscheidet, ob sich deine wöchentliche Arbeitszeit insgesamt innerhalb der 20h-Regel (inkl. Ausnahmen) bewegt oder ob sie drüber liegt.
Wenn du plausibel darlegen kannst, dass du die Hauptarbeitszeit für die Selbstständigkeit in den Semesterferien aufbringst und dazwischen nur sporadisch Zeit investieren musst, könnte es hinhauen, dass die Ausnahmen greifen. Das ist aber keine Garantie, da im Zweifel der Einzelfall ausschlaggebend ist. Die 20h-Regel ist nämlich kein Gesetz, sondern lediglich eine auf Rechtsprechung basierende Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort in abhängiger Beschäftigung: Je nachdem, ob du insgesamt regelmäßig mehr oder weniger als 20h/Woche arbeitest, wirst du im Job entweder als Werkstudentin oder voll sv-pflichtig als Arbeitnehmerin angemeldet.
Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status ist deine regelmäßige Arbeitszeit (einzelne Spitzen spielen in der Regel keine Rolle) und daran orientiert, ob dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit. Die Regelungen wurden im Rundschreiben zur versicherungsrechtlichen Beurteilung beschäftigter Studierender zusammengefasst, dort kannst du ausführlicher darüber lesen.

Sollte sich deine Arbeitszeit mit beiden Jobs zusammen nicht innerhalb der 20h/Woche bewegen und auch keine Ausnahme greifen, entfällt der Werkstudent*innenstatus und du wirst voll sozialversicherungspflichtig.
Das bedeutet, dass du in deinem aktuellen Job nicht mehr als Werkstudentin angemeldet werden kannst, sondern voll sv-pflichtig als Arbeitnehmerin abgerechnet werden musst.

Der Unterschied:
Im Werkstudent*innenstatus fallen aufs Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und man muss normalerweise selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 110€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt (ggf. günstiger berechnet im Midijob), dafür wärst du dann über den Job nicht nur renten-, sondern auch kranken-, pflege- und arbeitslosenversichert. Die private KV entfällt dann. Je nach Einkommenshöhe und Krankenversicherungskosten kann eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger sein als der Status als Werkstudent*in. Außerdem können so Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I) erworben werden, auf die Werkstudent*innen sonst keinen Anspruch haben. Es kann sich also auch dann rentieren, wenn man wie du privat versichert ist. Vielleicht bist du sogar froh, so von der privaten in die gesetzliche zu kommen.

2. Ob und wenn ja, welche Auswirkungen die Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit auf deine Krankenversicherung haben könnte, wenn die 20h-Regel eingehalten wird, können wir nicht einschätzen. Private Krankenversicherungen unterliegen nicht den Regelungen der Sozialgesetzgebung, Einkommens- und Altersgrenzen aus der gesetzlichen Familienversicherung müssen nicht gelten. Ausschlaggebend ist euer Versicherungsvertag. Erkundige dich deshalb dazu am besten direkt bei eurer PKV.

Was du aber beachten solltest ist, dass deine selbstständige Tätigkeit als nebenberuflich selbstständig eingestuft wird. Solltest du hauptberuflich selbstständig werden (das würde zum Beispiel angenommen werden, wenn du dort mehr als 1645€/Monat verdienst und das dein Einkommen aus deinem abhängigen Job überwiegt), müsstest du dich als Selbstständige selbst krankenversichern und müsstest dies dann voraussichtlich auch in einer privaten KV auf eigene Kosten tun, da du sehr wahrscheinlich nicht die Voraussetzungen für die Aufnahme in die gesetzliche Freiwillige Krankenversicherung erfüllst. Dann könnte es teuer werden.

3. Arbeitsrechtlich hat dein SV-Status keine Relevanz, dein Arbeitsvertrag gilt weiter wie bisher und du darfst auch nicht aufgrund der SV-Status-Änderung gekündigt werden.
Auch steuerlich hat das keine Auswirkungen. Hier ist relevant, wie hoch dein Einkommen ist. Ausführlicheres zum Thema Steuern findest du hier.

Mit Aufnahme der Selbstständigkeit ändert sich für dich (neben den eventuellen, unter 1 beschriebenen sozialversicherungsrechtlichen Änderungen) also vermutlich nicht viel. Wenn, dann vorrangig all das, was direkt mit der selbstständigen Tätigkeit zusammenhängt: Anmeldung beim Finanzamt, Gewerbe anmelden, um den Papierkram kümmern (Rechnungen sammeln, Ausgaben dokumentieren, Steuererklärung machen, etc.) und natürlich die Energie und Arbeitszeit, die du in den Onlineshop steckst. Die könnten dann fürs Studium fehlen. Das musst du aber selbst einschätzen. Eine sp0annende Erfahrung ist es sicherlich!

Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium.

4. Sollte der Werkstudistatus entfallen, fielen auch für deinen Arbeitgeber anstatt 9,3% Rentenversicherung insgesamt ca. 20% Sozialversicherungsbeiträge auf dein Gehalt an. Du würdest für ihn also etwas teurer werden, wenn du nicht mehr als Werkstudentin angemeldet werden könntest, sondern voll sozialversicherungspflichtig wirst. Sonst ändert sich für deinen Arbeitgeber aber nichts.

Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

Beste Grüße
Andrea
DGB-Jugend Studierendenberatung

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