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Studierenden-Beratung

Vollzeitstudium fortführen

Hallo liebe Berater_innen,

mein Fall stellt sich wie folgt dar:

Ich habe im Wintersemster 2020 mein Masterstudium begonnen. Da ich in meinem Bachelor andernorts sehr gute Noten hatte, war ich von anfang an darauf bestrebt keine Prüfungen anzutreten, die ich mehr schlecht als recht bestehen würde.

Durch die Corona Pandemie konnte ich aber bislang nicht an meinen bisherigen Leistungen anknüpfen und schob trotz bestandener Voraussetzungen die Hausarbeiten bis in das jetzige Semester. 

Zum 31.12. endet meine Werkstudententätigkeit im Umfang von 19,5 Stunden. Danach befände ich mich, da ich sinnloser weise in diese Stadt gezogen bin (sinnlos, weil nichts in Präsenz stattfindet) in finanzieller Not.

Ein anderer Arbeitgeber (studiumsnah, Behörde des Landes) bietet mir jedoch aufbauend auf meinen Bachelorabschluss eine gut bezahlte Stelle zum 01.01.2022, also in knapp 21 Tagen, an.

Einzige Auflage ist, dass ich mindestens 30 Stunden pro Woche arbeite und die Stelle auf 3 Jahre befristet ist.

Mit 30 Stunden pro Woche falle ich regelmäßig aus der studentischen Sozialversicherungsbefreiung heraus. Wie Sie an anderer Stelle schreiben, ist dies jedoch aus Arbeitnehmersicht gar nicht so schlimm, ich würde mich finanziell trotzdem verbessern.

Fraglich ist für mich folgendes: Ist es seitens meiner Hochschule unproblematisch, dass ich - obgleich sie kein Teilzeitstudium anbietet und keine Regelungen zur Beurlaubung aufgrund einer studiumsnahen Tätigkeit formuliert - sie dadurch vom Status her zur Nebentätigkeit mache? Die Befürchtung ist schlicht: Über die Krankenkasse könne meine Hochschule davon erfahren, und mich dann exmatrikulieren wollen.

Das ist aber nicht meine Absicht. Ich möchte meine schriftlichen Leistungen nun in den nächsten Semestern Stück für Stück erbringen, während ich mindestens 30 Stunden die Woche arbeite, und unbedingt meinen Masterabschluss erwerben, sobald die pandemische Lage ihr Ende findet. Meinen Beruf könnte ich vorstellbar in einem Jahr zu "normaleren" Verhältnissen wieder downgraden und mir eine 19,5 Std. Stelle o.ä. suchen oder gar durch dann entstandene Ersparnisse das Studium wieder zur alleinigen Beschäftigung machen.

Ich möchte gerne über alle Folgen meiner Unterschrift des Arbeitsvertrags aufgeklärt werden, aber es scheint einfach keine Ansprechpersonen für diese Konstellation zu geben. Ich kann mir einfach schwer vorstellen, dass man einfach so viel arbeiten darf, wie man will, weil ich mich dann frage: Wieso macht das dann nicht quasi jeder Bachelorabsolvent so, um das beliebte Ticket zu behalten, ohne die Absicht zu haben jemals einen Master abzuschließen.

Besten Dank und viele Grüße

Mladen

RE: Vollzeitstudium fortführen

Hallo Mladen,

vielen Dank für deine Anfrage.

Doch, auch als Student darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Je nach Umfang und Art der Beschäftigung musst du nur entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden.

Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich nicht um eine Verbotsgrenze, sondern um eine auf Recjhtsprechung basierende Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort. Je nachdem, ob du regelmäßig mehr oder weniger als 20h/Woche arbeitest, wirst du entweder als Werkstudent oder voll sv-pflichtig als Arbeitnehmer angemeldet. Grundlage ist das Rundschreiben zur versicherungsrechtlichen Beurteilung beschäftigter Studierender.

Auf deinen Studierendenstatus innerhalb der Uni hat dein SV-Status keinen Einfluss. Du kannst also nicht allein deshalb exmatrikuliert werden, weil du 30h/Woche (oder gar Vollzeit) arbeitest. Solltest du aber eine bestimmte Leistungsmenge nicht erfüllen können, die ggf. laut deiner Studien- und Prüfungsordnung oder der Hochschulsatzung zu erbringen ist, kann es unter Umständen deshalb zur Exmatrikulation kommen. Der Verweis auf eine hohe Arbeitsbelastung wird dann nicht als Grund für Verzögerungen im Studium anerkannt. Im Bereich der Uni ist und bleibt dein Job quasi dein Privatvergnügen - egal wieviel du arbeitest.

Wenn du dich damit wohler fühlst, kannst du bei deiner Hochschule auch mal fragen, ob es andere Gründe für ein (oder zwei) Urlaubssemester gibt. Bei meiner alten Uni war es z.B. möglich, bis zu zwei Urlaubssemester sogar ohne Begründung zu nehmen. Auch Krankheit ist in der Regel ein anerkannter Grund. Solltest du durch die Doppelbelastung Studium/Job gesundheitlich so eingeschränkt sein, dass du nicht studieren kannst, kannst du dir ggf. Studier- und Prüfungsunfähigkeit attestieren lassen. Damit bist du nicht arbeitsunfähig, kannst also arbeiten, hast für die Uni aber einen Nachweis, dass du krankheitsbedingt nicht studieren kannst.

Warum nicht alle Bachelorabsolvent_innen während des anschließenden Masters mehr arbeiten bzw Studierende generell? Das liegt meiner Erfahrung nach oft daran, dass sich das Gerücht hartnäckig hält, sie dürften nicht mehr als 20h/Woche arbeiten. Manche haben auch (unbegründet) Angst vor der Sozialversicherungspflicht und können sich gar nicht vorstellen, dass das tatsächlich vorteilhaft für sie sein könnte. Viele wollen aber auch einfach nicht mehr arbeiten, sei es wegen der Belastung oder weil sie BAföG, Unterhalt und/oder Kindergeld bekommen.

Wenn du dich zusätzlich beraten lassen möchtest, welche arbeitsrechtlichen Folgen durch die Unterzeichnung des Arbeitvertrags auf dich zukommen, kannst du dich direkt an deine Gewerkschaft wenden. Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung über deine Mitgliedsgewerkschaft!
Arbeitsrechtlich spielt dein SV-Status übrigens keine Rolle. Das heißt, die arbeitsrechlichen Konsequenzen sind die gleichen, egal ob du als Werkstudent oder als voll sv-pflichtiger Arbeitnehmer arbeitest (vereinzelt kann es Ausnhamen in Tarifvereinbarungen geben).

Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich auch gerne wieder an uns wenden.

Beste Grüße
Andrea
DGB-Jugend Studierendenberatung

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