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Studierenden-Beratung

Werkstudent/Job + Freiberuflichkeit im Unterbrechungssemester

Liebes DGB-Team,

ich bin eingeschriebene Studentin mit der Planung im nächsten Sommersemester keine Kurse / Studienleistungen zu belegen.

Anstelle dessen würde ich gerne in Teilzeit Berufserfahrung sammeln.
Parallel zum Studium bin ich freiberuflich tätig, was ich gerne im freien Semester fortführen möchte.

Nun zu meinen Fragen:
1. Ist es korrekt, dass es möglich ist einen Job plus Freiberuflichkeit während Einschreibung als Student auszuführen?
2. Kann ich eine Werkstudententätigkeit plus Freiberuflichkeit ausführen?
3. Habe ich eine maximale Grenze an Stunden wie viel ich pro Woche arbeiten darf?
4. Ist es besser ein Urlaubssemester zu nehmen oder einfach normal eingeschrieben zu sein ohne Belegung von Kursen?

Auch hinsichtlich Versicherung?
Und im Hinblick auf die beiden Tätigkeiten (Freiberuflich/Angestellt)?

Ich danke euch vielmals im Voraus für eure Hilfe!

Viele Grüße :)

RE: Werkstudent/Job + Freiberuflichkeit im Unterbrechungssemester

Hallo,

vielen Dank für deine Anfrage.

Erstmal grundsätzlich: Auch als Studentin darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Status innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss.
Je nach Umfang und Art der Jobs, je nach Kombination und jeweiliger sowie gesamter Einkommenshöhe, musst du nur entsprechend in der Sozialversicherung (SV) angemeldet werden.

1. Freiberuflichkeit
Freiberuflich tätig sein bedeutet, dass du gegen Honorar einer wissenschaftlichen, erzieherischen, unterrichtenden, schriftstellerischen oder künstlerischen Tätigkeit nachgehst. Dies ist eine Form der Selbstständigkeit.
Übst du eine handwerkliche oder kaufmännische Tätigkeit auf selbstständiger Basis aus, handelt es sich nicht um Freiberuflichkeit. In dem Fall musst du zusätzlich ein Gewerbe anmelden.
Das gilt unabhängig davon, ob du studierst oder nicht. Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium.

2. Das ist grundsätzlich möglich.

3. Im sogenannten Werkstudent_innenstatus kannst du in einem weiteren (abhängigen) Job aber nur angemeldet werden, wenn du Vollzeit immatrikuliert bist und insgesamt nicht mehr als 20h/Woche arbeitest (hier zählt die Arbeitszeit aus allen Jobs zusammen, auch die freiberufliche Tätigkeit wird eingerechnet) oder eine der Ausnahmen greift.
Das heißt aber nicht, dass du nicht mehr arbeiten darfst. Arbeitest du mehr, musst du lediglich im Job voll sozialversicherungspflichtig als Arbeitnehmerin angemeldet werden.

4. Im Urlaubssemester kannst du grundsätzlich nicht als Werkstudentin angemeldet werden, da spielt die 20h-Regel also keine Rolle. In abhängiger Beschäftigung wirst du im Urlaubssemester grundsätzlich voll sozialversicherungspflichtig als Arbeitnehmerin angemeldet, egal ob du 15h/Woche arbeitest oder Vollzeit (Ausnahme Minijob).

Was für dich sinnvoller ist, musst du selbst entscheiden. Je nach Einkommenshöhe und wie wichtig dir deine soziale Absicherung ist, hat beides Vor- und Nachteile. Ich stell das mal gegenüber:
Im Werkstudent_innenstatus fallen aufs Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und man muss selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 100€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du wärst dann über den Job nicht nur renten-, sondern auch kranken-, pflege- und arbeitslosenversichert.
Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudentin. Außerdem können so Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I) erworben werden, auf die Werkstudent_innen sonst keinen Anspruch haben.
Erst wenn du deutlich über 1000€/Monat in abhängiger Beschäftigung verdienst, wird der Werkstudent_innenstatus finanziell günstiger - allerdings verzichtest du dann auf den Erwerb von Ansprüchen auf SV-Leistungen.

Ein Urlaubssemster hat den Vorteil, dass deine Fachsemesteranzahl nicht steigt (falls dir das wichtig ist) und dass du auch schon mit weniger als 20h/Woche voll sozialversicherungspflichtig wirst (sobald du eine abhängige Beschäftigung mit mehr als 450€/Monat aufnimmst).
Hast du aber z.B. ein Jobangebot als Werkstudentin mit geringer Stundenzahl, aber einem relativen hohen Gehalt, kann es sinnvoll sein, dich nicht vom Studium beurlauben zu lassen.
Hast du vor, mit Job und freiberuflicher Tätigkeit zusammen Vollzeit zu arbeiten, ist es im Hinblick auf die Sozialversicherungspflicht egal, ob du vom Studium beurlaubt bist oder nicht. Dann ist nur noch die Frage nach den Fachsemestern ggf. relevant.

Good to know: Auch wenn die studentische Krankenversicherung eine zeitlang entfallen sollte, weil du im Job voll sv-pflichtig wirst und dann darüber krankenversichert bist, kannst du später auch wieder in die studentische KV zurückwechseln, wenn du wieder mehr studierst/weniger arbeitest.

Ich hoffe, das hilft dir weiter!
Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort direkt beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

Beste Grüße
Andrea
DGB-Jugend Studierendenberatung

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