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Studierenden-Beratung

Freiwilliges Vollzeitpraktikum und Steuerliche Beratung

Hallo, 

1. Ich möchte mich freiwillig für ein Vollzeitpraktikum während meines Studium bewerben und möchte wissen ob ich die Vollzeit machen darf? (40 Stunden pro Woche), oder nur max.20 Stunden pro Woche? 

Falls ich nur 20 Stunden arbeiten darf, ist es dann möglich flexibel zu sein, z.b in der einen Woche 16 Stunden und in der nächsten Woche 26 Stunden zu arbeiten? 

2. Außerdem möchte gerne wissen, wie hoch die Steuer für ein Vollzeitpraktikum ist und ist die Sozialversicherung noch frei bleibt? 

ich würde mich über Ihre Ratschläge freuen, denn für ein Vollzeitpraktikum sind 20 Stunden pro Woche zu wenig. Gibt es also eine Lösung, mehr als 20 Stunden Praktikum machen, ohne meine Studentenstatus zu velieren? Vielen Dank im Voraus. 

RE: Freiwilliges Vollzeitpraktikum und Steuerliche Beratung

Hallo Thi,

vielen Dank für deine Anfrage.

Erstmal grundsätzlich: Auch als Studentin darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Studierendenstatus innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss.

Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich lediglich um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort im Job. Je nachdem, ob du regelmäßig mehr oder weniger als 20h/Woche arbeitest, wirst du entweder als Werkstudentin oder voll sv-pflichtig als Arbeitnehmerin angemeldet. Weitere Ausnahmeregelungen gibt es für geringfügige Beschäftigungen.

Über 20h/Woche zu arbeiten ist also nicht verboten, es hat nur Auswirkungen auf deinen sozialversicherungsrechtlichen Status: Je nach Umfang und Art der Beschäftigung und je Einkommenshöhe, musst du nämlich entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden.
Das gilt auch für freiwillige Vollzeitpraktika.

Denn wenn du ein freiwilliges Praktikum absolvierst, wird das in der Sozialversicherung wie ein reguläres Beschäftigungsverhältnis angesehen und du entsprechend angemeldet werden. Ein freiwilliges Praktikum kann also - je nachdem, welcher Kriterien erfüllt sind - als Minijob, als kurzfristige Beschäftigung, als Werkstudijob oder voll sv-pflichtig abgerechnet werden.

Ist das Praktikum auf höchstens 3 Monate begrenzt, kannst du - unabhängig von der Verdiensthöhe - als kurzfristige Beschäftigte angemeldet werden.
Die Praktikumsvergütung ist dann komplett sozialversicherungsfrei und zählt auch bei der gesetzlichen Familienversicherung nicht als Einkommen. Je nach Vergütungshöhe kann es allerdings zu Steuereinzügen kommen. Du kannst dann aber im Folgejahr mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen.

Erhältst du in deinem Praktikum höchsten 450€/Monat, kommt eine Anmeldung als Minijobberin infrage.
Die Praktikumsvergütung ist dann bis auf 3,6% Rentenversicherung sozialversicherungsfrei und liegt unterhalb der Einkommensgrenze in der gesetzlichen Familienversicherung. Steuern werden hier in der Regel keine fällig.

Für freiwillige Praktika mit einer Dauer von mehr als 3 Monaten besteht Anspruch auf Mindestlohn. Das bedeutet auch, dass die Geringsfügigkeitsregeln nicht greifen und du in einem solchen freiwilligen Vollzeitpraktikum dann auf jeden Fall voll sozialversicherungspflichtig wirst.

Eine volle SV-Pflicht ist aber gar nicht so schlimm, wie manche denken - im Gegenteil! Zum Vergleich:
Im Werkstudent_innenstatus (der würde greifen, wenn das Praktikum einen Umfang von nicht mehr als 20h/Woche hätte) fielen auf dein Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und du müsstest selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 100€/Monat) tragen. Für die Familienversicherung würdest du dann nämlich bereits zu viel verdienen.
Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an! Du wärst dann über das Praktikum nicht nur renten-, sondern auch kranken-, pflege- und arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger als der Status als Werkstudentin. Außerdem erwirbst du so Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I), auf die Werkstudent_innen und geringfügig Beschäftigte sonst keinen Anspruch haben.

Steuerlich käme es auch hier wieder darauf an, wieviel du genau verdienen wirst.
Im Bereich Steuern gibt es keine Sonderregeln für Studierende oder etwas vergleichbares wie die 20h-Regel. Hier ist die Höhe deines Einkommens im gesamten Jahr relevant. Je mehr du verdienst, desto mehr Steuern werden fällig.
Aber nicht schon ab dem ersten Cent: Der Steuergrundfreibetrag beträgt aktuell 9744€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung, gilt auch für Praktika). Erst wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – und auch nur auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt. Hast du dennoch Steuereinzüge (z.B. bei Mehrfachbeschäftigung oder vorübergehend höheren Einnahmen wie durch ein voll vergütetes, aber auf nur ein paar Monate befristetetes Praktikum), kannst du sämtliche zu viel eingezogenen Steuern mit einer Steuererklärung zurückbekommen. Ausführlicheres zum Thema Steuern findest du hier.

Auf deinen Studierendenstatus innerhalb der Hochschule hat all das wie gesagt keinen Einfluss! Bei der Frage mehr oder weniger als 20h/Woche geht es nur um deinen Status innerhalb der Sozialversicherung!
Ist das Praktikum beendet und liegen die weiteren Voraussetzungen (v.a. Alter) wieder vor, kannst du sogar problemlos in die Familienversicherung zurückwechseln oder (falls die Familienversicherung nicht mehr geht) dich studentisch krankenversichern.

Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort direkt beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

Beste Grüße
Andrea
DGB-Jugend Studierendenberatung

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