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Studierenden-Beratung

Urlaubssemester, Werkstudierenden Tätigkeit und weitere

Ich bin gerade im krankheitsbedingten Urlaubssemester (im Juli rückwirkend beantragt), habe aber zur Sicherung meines Lebensunterhaltes weiter in meinem Hiwijob gearbeitet (knapp 80 Std, also Werkstudi Status) und in meiner geringfügigen Selbstständigkeit (abends und Wochenende, insgesamt glaube ich nie über 80 Stunden insgesamt).
Jetzt habe ich gelesen, dass man diesen Status im Urlaubssemester verliert. Das wusste ich aber zuvor nicht und habe entsprechend auch nichts meiner Arbeitgeberin oder sonstigen Stellen gemeldet. In meinem Arbeitsvertrag stand auch nichts dazu.

Des Weiteren bin ich seit Anfang August komplett krankgeschrieben und bekomme seit 1.9. keine Lohnfortzahlung mehr. Krankengeld bekomme ich als Studentin auch nicht. Deshalb überlege ich, ob es sinnvoller für mich ist, mich zu exmatrikulieren um ALG 2 berechtigt zu werden. Das Studium werde ich sowieso nicht beenden, weil es nur eine Zwischenlösung nach meinem Bachelorabschluss im März war. 

Aus dieser Situation heraus habe ich mit verschiedensten Ämtern Kontakt, die ggf. miteinander kommunizieren: Jobcenter, Deutsche Rentenversicherung (Erwerbsminderungsrente), Berufsunfähigkeitsversicherung, Landesamt für Soziales (Schwerbehindertenausweis).

Zusammengefasst: Ich habe Angst, dass ich irgendwo Stress bekomme. Krankenversicherung, Steuer, Uni. Was muss ich befürchten und welche Handlungsoptionen habe ich? Wem muss ich jetzt was mitteilen?

Vielen Dank im Voraus!

RE: Urlaubssemester, Werkstudierenden Tätigkeit und weitere

Hallo,

vielen Dank für deine Anfrage.

Wenn du in einem Urlaubssemester bist und in abhängiger Beschäftigung mehr als 450€/Monat verdienst, kannst du für die Dauer der Beurlaubung nicht als Werkstudentin angemeldet werden. Das ist aber nichts schlimmes - im Gegenteil!

Beim sogenannten Werkstudent_innenstatus handelt es sich lediglich um einen Status innerhalb der Sozialversicherung (SV). Entfällt dieser, wirst du im Job voll sozialversicherungspflichtig.
Der Unterschied:
Im Werkstudent_innenstatus fallen aufs Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und man muss selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 100€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an (zu viel gezahlte Beiträge bekommst du zurück). Du wärst dann über den Job nicht nur renten-, sondern auch kranken-, pflege- und arbeitslosenversichert und erwirbst so auch die entsprechenden Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (wie z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I).

Das heißt: Wärst du aktuell korrekt als voll sv-pflichtige Arbeitnehmerin umgemeldet, hättest du jetzt Anspruch auf Krankengeld! Das hat nämlich nichts damit zu tun, ob du Studentin in hochschulrechtlichem Sinn bist, sondern nur damit, ob du als "ordentliche Studentin" im Sinne der Sozialversicherung giltst. Das ist dann der Fall, wenn du Vollzeit immatrikuliert, nicht vom Studium beurlaubt bist und deine regelmäßge Arbeitszeit nicht über 20h/Woche liegt. Auf deinen Status innerhalb der Uni hat all das keinen Einfluss. Dort bist und bleibst du Studentin, solange du immatrikuliert bist.
Auch arbeitsrechtlich spielt das keine Rolle. Im Arbeitsrecht giltst du als ganz normale Teilzeitarbeitnehmerin, die lediglich innerhalb der Sozialversicherung anders angemeldet wird, solange die Kriterien für "ordentliche Studierende" erfüllt sind. Gekündigt werden darfst du allein aufgrund einer SV-Statusänderung auch nicht (aus anderen Gründen allerdings schon).

Du solltest also schnellst möglich deinem Arbeitgeber Bescheid geben, damit dieser dich korrekt anmelden kann. Vielleicht kommst du so noch in den Krankengeldbezug rein?
Du bist übrigens grundsätzlich dazu verpflichtet, deinem Arbeitgeber alles für deine Anmeldung relevante mitzuteilen. Dazu muss auch nichts im Arbeitsvertrag stehen, das sind die gesetzlichen Informations- und Meldepflichten.

Falls der Zug mit dem Krankengeld abgefahren ist, keine Panik. Du brauchst dich auch nicht zu exmatrikulieren (außer du möchtest das), ggf. lasse dich einfach im kommenden Semester nochmal wegen Krankheit beurlauben. Denn auch im Urlaubssemester hast du grundsätzlich Anspruch auf Alg II. Der Anspruch kann aber erst ab dem Monat der Antragstellung geltend gemacht werden. Du solltest also so bald wie möglich einen Antrag stellen, damit du für September noch einen Anspruch auf Leistungen hast!
Sollte sich doch noch ein Krankengeldanspruch ergeben, besteht auch die Möglichkeit, ergänzend Alg II zu beziehen, wenn das Krankengeld nicht ausreicht.

Ansonsten solltest du Ämtern uns Sozialversicherungsträger_innen gegenüber möglichst bei der Wahrheit bleiben. Wenn du Angst hast, (unbeabsichtigt) widersprüchliche Angaben zu machen oder dir auch einfach unsicher bist, wem du was überhaupt mitteilen musst, würde ich dir eine persönliche Beratung ans Herz legen. Im Rahmen eines Onlineforums ist das nicht so wirklich möglich, da es erstens öffentlich ist und zweitens nicht ohne genauere Nachfragen geht.
Leider kenne ich mich in der Beratungslandschaft an deinem Wohnort nicht aus. Du kannst dich aber erstmal an meine Kolleg_innen in unserem Beratungsangebot bei dir vor Ort wenden. Die können dir bestimmt eine spezialisierte Sozialberatungsstelle empfehlen.
Falls nicht, ist auch die Sozialberatung deines Studierendenwerks eine gute erste Anlaufstelle. Dort beraten in der Regel Sozialarbeiter_innen, die sich zumindest in Grundzügen mit der Thematik auskennen und dir ebenfalls weitere Beratungsstellen empfehlen können müssten.

Beste Grüße und viel Kraft!
Andrea
DGB-Jugend Studierendenberatung

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