© DGB/123RF.com

Studierenden-Beratung

Nebenjob während Kurzarbeit

Hallo :)

Da ihr mir schon einmal eine sehr gute ausführliche Antwort zu einer Frage gegeben hattet, möchte ich hier erneut eine Frage stellen.

ich habe einen "Hauptarbeitgeber" (gibt es sowas bei Studenten?) bei dem ich mit 15h/ Woche angestellt bin. Seit November sind wir in Kurzarbeit Null, aber bekommen statt KUG (da uns das als Student ja nicht zusteht) unser Durchschnittsentgelt der letzten drei Monate. Da die drei Monate davor gut ausfielen und ich auch mehr als meine vertragsstunden gearbeitet habe, sind das in der Regel 1000-1200€ montlich die ich erhalte.

Nun habe ich Anfang Mai eine weitere befristete Beschäftigung aufgenommen. Vorerst 20h/ die Woche. Dieser Arbeitgeber möchte gerne dass ich 22,5h arbeite, aber ich bin mir nicht sicher ob ich das kann. 

Allgemein bin ich mir unsicher ob es so eine gute Idee war diesen Job anzunehmen und ob es Probleme gibt wegen der Krankenversicherung und meinem Studenten-Status in der SV.

Mein Hauptarbeitgeber möchte nun dass ich eine Ruhensvereinabrung unterschreibe, damit ich nach seiner Aussage "eine Kollision der beiden Jobs mit meinem studentischen TZ-Status vermeide". Dabei würde ich aber auf das Geld verzichten und das wäre noch kontraproduktiver in meinen Augen.

Denn theoretisch ist die zweite Arbeit ja SV-frei, da ich kurzfristig beschäftigt bin (unter 50 Tage) wenn ich 2-3x die Woche arbeite und vorerst bis 30.06. befristet bin.

Ich sehe in dem ganzen Wirrwarr nicht wirklich durch und weiß nicht was für mich besser ist. Denn wenn ich nachher die Ruhensvereinbarung nicht unterzeichne (die ja eigentlich freiwillig ist oder?) und dann aber so hohe Steuern und SV-Abgaben habe, dass sich der zweite Job gar nicht lohnt, ärgere ich mich und dneke mir hätte ich es mal lieber so gemacht.

Vielen Dank im Voraus für jegliche Hilfe! gerlinde

RE: Nebenjob während Kurzarbeit

Hallo Gerlinde,

vielen Dank für deine Anfrage.

Zunächst einmal: du darfst neben dem Studium so viel arbeiten und verdienen wie du möchtest. Solange du immatrikuliert bist ändert sich dadurch nichts an deinem Studierendestatus an deiner Uni oder Hochschule.

Je nach Umfang und Art der Beschäftigung, je nach Kombination und jeweiliger sowie gesamter Einkommenshöhe, musst du nur entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden. Allerdings hat die Arbeit Einfluss auf deinen Werkstudierendenstatus, deine studentische Versicherung und ggf. auf BAföG, falls du das bekommst.

Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich lediglich um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort. Je nachdem, ob du regelmäßig mehr als oder bis zu 20h/Woche arbeitest, wirst du entweder als Werkstudent_in oder als voll sv-pflichtige_r Arbeitnehmer_in angemeldet.

Ausnahmen sind in der vorlesungsfreien Zeit und unter bestimmten Umständen bei Abend-, Nacht- und Wochenendarbeit möglich. Letzteres gilt nur für auf maximal 26 Wochen befristete Beschäftigungen, bei denen die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit auf abends/nachts oder das Wochenende fällt.

Die GKV hat in einem Schreiben vom 09.04.2020 erläutert, dass ein Abweichen von der 20h Regel Corona bedingt auch außerhalb der Abend-, Nacht- und Wochenendzeiten möglich ist, solange es keine Präsenzveranstaltungen bzw. ein eingeschränktes Online Angebot gibt. Das gilt jedoch auch nur für eine auf 26 Wochen befristete Beschäftigung. Frag am besten deine Krankenkasse wie sie das auslegt und umsetzt.

Du musst diese Vereinbarung nicht unterschreiben und solange du innerhalb der Ausnahmeregelungen bleibst, dann bist du weiterhin Werkstudent_in.

Wie du richtig geschrieben hast, gibt es für Werkstudent_innen (ebenso wie auch Minijobber_innen) keinen Anspruch auf Kurzarbeiter_innengeld. Hintergrund ist, dass das eine Leistung aus der Arbeitslosenversicherung ist und Werkstudent_innen aufgrund ihres Status innerhalb der Sozialversicherung (SV) keine Beiträge zur Arbeitslosenversicherung vom Gehalt einzahlen - dementsprechend erwerben sie auch keine Ansprüche auf Leistungen daraus (wie z.B. auch Alg I). Das trifft in der Regel auf alle erwerbstätigen Studierenden zu, die regelmäßig nicht mehr als 20h/Woche arbeiten.

Zu unterscheiden sind hier die zwei Ebenen Arbeitsrecht und Sozialversicherung.

Wer Anspruch auf Kurzarbeiter_innengeld hat, bewegt sich auf der sozialversicherungsrechtlichen Ebene. Werkstudent_innen und Minijobber_innen haben keinen Anspruch auf Kurzarbeiter_innengeld. Hintergrund ist, dass das eine Leistung aus der Arbeitslosenversicherung ist und beide Gruppen aufgrund ihres Status innerhalb der Sozialversicherung (SV) keine Beiträge zur Arbeitslosenversicherung vom Gehalt einzahlen - dementsprechend erwerben sie auch keine Ansprüche auf Leistungen daraus (wie z.B. auch Alg I).

Arbeitsrechtlich kann Kurzarbeit dennoch für alle Beschäftigten des Betriebs eingeführt werden, also auch für Werkstudent_innen. Sie kann aber nicht einfach so einseitig angeordnet werden.
Wenn es bei euch einen Betriebsrat gibt und dieser der Kurzarbeit für alle Beschäftigten im Betrieb zugestimmt hat, gilt die Kurzarbeit auch für alle Beschäftigten (inkl. Werkstudent_innen und Minijobber_innen). Dann hast du leider keinen Anspruch auf Weiterzahlung deines Lohns.

Gibt es keinen Betriebsrat, keine entsprechende Betriebsvereinbarung und auch keine Klausel in deinem Arbeitsvertrag oder ggf. einem geltenden Tarifvertrag zu Kurzarbeit, kannst du individuell zustimmen oder ablehnen. Lehnst du ab, fällst du auch arbeitsrechtlich nicht unter Kurzarbeit und hast Anspruch auf Entgeltfortzahlung nach §615 BGB. Dasselbe gilt, wenn es einen Betriebsrat gibt und dieser tatsächlich nur für die Beschäftigten zugestimmt, die nicht als Minijobber_innen und Werkstudent_innen angemeldet sind.

Es ist schön, dass deine_e Arbeitgeber_in dir das Geld zahlt. Wenn du aber wirklich in Kurzarbeit bist (und es sich hier nicht um Entgeltfortzahlung handelt), dann kannst du diesen Anspruch ggf. nicht rechtlich durchsetzen.

Es ist wichtig, dass du allen Arbeitgebern deine jeweils andere(n) Tätigkeit(en) mitteilst. Dazu bist du verpflichtet, damit die Sozialversicherungsbeiträge und ggf. Steuern korrekt gezahlt werden können.

Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

Beste Grüße
Miriam
DGB-Jugend Studierendenberatung

Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns bei Facebook.
Und: Solidarität geht immer! Jetzt Gewerkschaftsmitglied werden

 

Neue Antwort

Die mit '*' gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.

Jobs
Bist du Gewerkschaftsmitglied?*
Darf deine Telefonnummer oder deine E-Mail-Adresse an interessierte Journalist*innen für Hintergrundgespräche, Zitate oder Interviewanfragen weitergegeben werden?*
Über Antworten und Kommentare zu meiner Anfrage im Forum möchte ich per E-Mail informiert werden.*