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Studierenden-Beratung

Studentin + Minijob/Teilzeitstelle + Honorartätigkeit

Liebes Berater*innen-Team,

meine derzeitiges Beschäftigungsverhältnis wird sich wahrscheinlich im Juni von Minijob auf Teilzeitstelle mit 15 Std/Woche umstellen. Dabei ist es vom weiteren Pandemiegeschehen abhängig, ob ich wirklich arbeiten kann oder direkt in Kurzarbeit geschickt werde. Parallel möchte ich ab September eine Honorartätigkeit übernehmen, bei der ich auf das Jahr gerechnet weniger als 450 € verdienen werde. Meine bisherigen Recherchen haben ergeben, dass ich die Honorarstelle beim Finanzamt angeben muss, um meine Steuernummer für die dann zu schreibenden Rechnungen zu erhalten. Außerdem endet mein Studium spätestens im September diesen Jahres, wodurch ich ggf. die Teilzeitstelle in eine Vollzeitstelle umwandeln möchte.

Meine dringendsten Fragen lauten:
Wird das Gehalt aus der Honorarbeschäftigung auf das Gehalt der Teilzeitstelle angerechnet und somit versteuert oder greift der Freibetrag für die Honorarstelle?
Was passiert steuer- und krankenkassentechnisch?

Vielen Dank im Voraus!
Liebe Grüße und die besten Wünsche für die kommenden Wochen!

RE: Studentin + Minijob/Teilzeitstelle + Honorartätigkeit

Hallo,

vielen Dank für deine Anfrage.

Zunächst einmal: du darfst neben dem Studium so viel arbeiten und verdienen wie du möchtest. Solange du immatrikuliert bist ändert sich dadurch nichts an deinem Studierendestatus an deiner Uni oder Hochschule.

Je nach Umfang und Art der Beschäftigung, je nach Kombination und jeweiliger sowie gesamter Einkommenshöhe, musst du nur entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden. Allerdings hat die Arbeit Einfluss auf deinen Werkstudierendenstatus, deine  Familienversicherung bzw. studentische Versicherung und ggf. auf BAföG, falls du das bekommst.

Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich lediglich um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort. Je nachdem, ob du regelmäßig mehr als oder bis zu 20h/Woche arbeitest, wirst du entweder als Werkstudent_in oder als voll sv-pflichtige_r Arbeitnehmer_in angemeldet.

Beachte auch: Werkstudent_innen (ebenso wie auch Minijobber_innen) haben keinen Anspruch auf Kurzarbeiter_innengeld. Hintergrund ist, dass das eine Leistung aus der Arbeitslosenversicherung ist und Werkstudent_innen aufgrund ihres Status innerhalb der Sozialversicherung (SV) keine Beiträge zur Arbeitslosenversicherung vom Gehalt einzahlen - dementsprechend erwerben sie auch keine Ansprüche auf Leistungen daraus (wie z.B. auch Alg I). Das trifft in der Regel auf alle erwerbstätigen Studierenden zu, die regelmäßig nicht mehr als 20h/Woche arbeiten.

Zu unterscheiden sind hier die zwei Ebenen Arbeitsrecht und Sozialversicherung.

Wer Anspruch auf Kurzarbeiter_innengeld hat, bewegt sich auf der sozialversicherungsrechtlichen Ebene. Werkstudent_innen und Minijobber_innen haben keinen Anspruch auf Kurzarbeiter_innengeld. Hintergrund ist, dass das eine Leistung aus der Arbeitslosenversicherung ist und beide Gruppen aufgrund ihres Status innerhalb der Sozialversicherung (SV) keine Beiträge zur Arbeitslosenversicherung vom Gehalt einzahlen - dementsprechend erwerben sie auch keine Ansprüche auf Leistungen daraus (wie z.B. auch Alg I).

Arbeitsrechtlich kann Kurzarbeit dennoch für alle Beschäftigten des Betriebs eingeführt werden, also auch für Werkstudent_innen. Sie kann aber nicht einfach so einseitig angeordnet werden.
Wenn es bei euch einen Betriebsrat gibt und dieser der Kurzarbeit für alle Beschäftigten im Betrieb zugestimmt hat, gilt die Kurzarbeit auch für alle Beschäftigten (inkl. Werkstudent_innen und Minijobber_innen). Dann hast du leider keinen Anspruch auf Weiterzahlung deines Lohns.

Gibt es keinen Betriebsrat, keine entsprechende Betriebsvereinbarung und auch keine Klausel in deinem Arbeitsvertrag oder ggf. einem geltenden Tarifvertrag zu Kurzarbeit, kannst du individuell zustimmen oder ablehnen. Lehnst du ab, fällst du auch arbeitsrechtlich nicht unter Kurzarbeit und hast Anspruch auf Entgeltfortzahlung nach §615 BGB. Dasselbe gilt, wenn es einen Betriebsrat gibt und dieser tatsächlich nur für die Beschäftigten zugestimmt, die nicht als Minijobber_innen und Werkstudent_innen angemeldet sind.

Es könnte also für dich vorteilhaft sein, wenn du in Kurzarbeit musst, mehr als 20h/Woche zu arbeiten. Wenn das ohnehin geplant ist, sprich einfach mal mit deine_r Arbeitsgeber_in darüber. Schau dir auch mal unsere Corona-FAQs für Studierende an und bevor alle Stricke reißen besonders den Teil zu Sozialleistungen. Für die 20h Regel zählt sowohl dein Job als auch deine selbstständige Tätigkeit.

Wenn du selbstständig tätig bist, bist du quasi dein eigener Chef und dementsprechend auch selbst für deine korrekte Anmeldung beim Finanzamt und der Sozialversicherung zuständig. Auch für das Abführen von Steuern und SV-Beiträgen bist du dann selbst verantwortlich (Stichwort Steuererklärung).

In der Sozialversicherung gibt es für Selbstständige die gleichen Geringfügigkeitsrichtlinien, wie für abhängig Beschäftigte. Dementsprechend musst du aus deinem Einkommen keine Sozialversicherungsabgaben zahlen, wenn du regelmäßig nicht mehr als 450 Euro monatlich verdienst oder kurzfristig (auf max. 70 Tage oder 3 Monate im Jahr befristet) beschäftigt bist.

Einkommenssteuer zahlst du erst für den Teil deines Einkommens, der den Freibetrag von aktuell 9.744 Euro pro Kalenderjahr überschreitet. Dabei wird dein Einkommen aus abhängiger und selbstständiger Tätigkeit gemeinsam betrachtet. Als Einkommen zählt bei Selbstständigen nur der Gewinn, du kannst also alle Ausgaben von den Einnahmen abziehen. Dein Einkommen teilst du dem Finanzamt mit einer Steuererklärung mit, wenn du über dem Freibetrag verdient hast. Meistens musst du aber auch eine einreichen, wenn du weniger verdient hast. Zum Beispiel, wenn du neben einer abhängigen Beschäftigung mehr als 410 Euro pro Jahr (!) aus einer selbstständigen Tätigkeit verdient hast. Oder immer dann, wenn das Finanzamt dich dazu auffordert. Die Steuererklärung für 2020 ist bis zum 31. Juli 2021 fällig.

Auf deine Rechnungen gehört in jedem Fall deine Steuernummer (die vom Finanzamt für deine selbstständige Tätigkeit; nicht zu verwechseln mit deiner persönlichen Steuer-ID). Auch bei den Rechnungen für deine ehrenamtliche Tätigkeit braucht es eine Steuernummer, denn Rechnungen haben zwingende Inhalte. Was da sonst noch reingehört, haben wir in unserer Broschüre zur Selbstständigkeit (auf S. 11) aufgelistet. Du findest auch zahlreiche Vorlagen im Netz

Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium.

Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

Beste Grüße
Miriam
DGB-Jugend Studierendenberatung

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