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Studierenden-Beratung

Arbeitsvertrag mit Vollzeit und Studium - Folgen

Guten Tag!

Ich studiere im 1. Semester Master. Dieses Semester habe ich mich dafür entschieden ein Praktikum zu machen, welches bei uns in der Studienordnung auch Pflicht ist bis zum Abschluss.

Ich arbeite seit dem 09.11.2020 in einem Architekturbüro und habe am 11.11.2020 mein Arbeitsvertrag unterschrieben. Dieser ist bin zum 30.10.2021 befristet und definiert, dass ich dort für diese gesamte Zeit 40 Stunden/Woche arbeiten muss. Der Arbeitsvertrag ist ein normaler AngestelltInnen Vertrag und kein WerkstudentInnen Vertrag. Das Büro weiß, dass ich studiere und ich besuche auch Veranstaltungen in der Uni. Der Arbeitgeber meinte zu mir, als wir darüber gesprochen haben, ob ich als Studentin 40 Stunden/Woche arbeiten kann, dass das mit einem normalen ArbeitsnehmerIn Vertrag kein Problem ist. Nun bin ich mir darüber nicht ganz sicher. Ich möchte auf jeden Fall im status einer ordentlichen Studierende bleiben, denn studieren ist auch meine persönliche Priorität. Und möchte auch keine Urlaubssemester nehmen. Dass ich mir über solche Sachen eher Gedanken hätte machen müssen, weiß ich auch, aber ich habe dem Büro vertraut, dass sie da nichts falsches oder gegen meinen Interessen machen würden.

Wie soll ich mich nun verhalten? Was hat das für Konsequenzen für meine Sozialversicherung aber vor allem für meinen Studentinnen-Status?

Mir sind die groben Regelungen eine WerkstudentInnen-Proviligierung bekannt. Kann ich auf ein solchen Vertrag "umschwenken", falls der Arbeitgeber dies unkompliziert erlaubt und mitmacht?

Ich bedanke mich im Voraus

mit freundlichen Grüßen

Amina

RE: Arbeitsvertrag mit Vollzeit und Studium - Folgen

Hallo Amina,

vielen Dank für deine Anfrage.

Auch als Studentin darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Studierendenstatus innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss!
Du musst im Job nur entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden.

Beim sogenannten Werkstudent_innenstatus handelt es sich lediglich um einen Status innerhalb der Sozialversicherung (SV) mit der 20h-Regel als Orientierungsgrenze zur Ermittlung deines SV-Status. Je nachdem, ob du regelmäßig mehr oder weniger als 20h/Woche arbeitest, wirst du entweder als Werkstudentin oder als voll sv-pflichtige_r Arbeitnehmer_in angemeldet.
Der Status als "ordentliche Studentin" innerhalb der Sozialversicherung ist also bei einem Vollzeitarbeitsverhältnis nicht möglich, was aber - wie gesagt - keinen Einfluss auf deinen Status als Studentin innerhalb der Hochschule hat.

Wenn du merkst, dass die der Vollzeitjob zu viel wird und du deinem Studium nicht ausreichend nachkommen kannst, kannst du dich mit deinem Arbeitgeber auch auf eine Stundenreduzierung einigen. Wenn das für euch beide ok ist, kann das umgehend umgesetzt werden. Sobald deine regelmäßige Arbeitszeit dann nicht mehr als 20h/Woche beträgt, kannst du dort als Werkstudentin angemeldet werden und hättest dann auch in der SV wieder den Status als "ordentliche Studentin".

Beachte den Unterschied:
Im Werkstudent_innenstatus fallen aufs Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und man muss selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 110€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du bist dann über den Job kranken-, pflege- und zudem auch arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudentin. Außerdem kannst du so Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I) erwerben, auf die Werkstudent_innen keinen Anspruch haben.

Willst du dennoch deine Arbeitszeit reduzieren, ist es ggf. auch möglich, gegen den Willen deines Arbeitgebers eine Stundenreduzierung durchzusetzen, wenn keine dringenden betrieblichen Gründe dagegen sprechen. Allerdings ist das erst möglich, wenn du dort 6 Monate gearbeitet hast. Zudem musst du den Antrag mind. 3 Monate im Voraus stellen, um einen Rechtsanspruch zu haben.
Das ist im § 8 des Teilzeit- und Befristungsgesetzes geregelt.
Ist dein Arbeitgeber nicht mit einer Stundenreduzierung einverstanden, könntest du also erst nächstes Jahr im Mai einen Antrag auf Arbeitszeitreduzierung stellen.
Du musst dann bis dahin deinen vertraglichen Verpflichtungen 40h/Woche zu arbeiten nachkommen oder, wenn möglich, kündigen.

Wie sich das jetzt mit einem zusätzlichen (?) Praktikum verhält oder ob der Job dein Praktikum ist/als solches angerechnet wird, bin ich mir gerade unsicher.
Sollte es sich um ein Pflichtpraktikum handeln, ist das auch in Vollzeit sozialversicherungsfrei und gilt als Teil deines Studiums, wenn es in deiner Studienordnung vorgeschrieben ist.
Hier gelten dann nochmal andere Regeln (siehe Link).

Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort direkt beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

Beste Grüße
Andrea
DGB-Jugend Studierendenberatung

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