© DGB/123RF.com

Studierenden-Beratung

Minijob plus Praktikum - was muss ich tun?

Hallo Liebes DGB-Team,
ich arbeite seit 1 1/2 Jahren als SHK in einer Kanzlei auf Minijob Basis und erhalte 410€ im Monat.
Im Februar beginne ich ein (Pflicht)Praktikum, welches 6 Wochen dauert und mit 300€ / Monat vergütet wird.
Da ich schon einiges gelesen habe, dass man sich selbst krankenversichern muss oder manchmal auch nicht, ein bestimmter Anteil zu versteuern wäre und ich da nicht durchblicke, bitte ich um Eure Hilfe :).

Zum einen Denke ich, dass ich doch nichts zusätlich versteuern müsste, da ich durch den Minijob im Jahr 4920€ und mit dem Praktikum 450€ verdiene, und damit (knapp) unter dem Freibetrag von 5400€/Jahr liege (angenommen ich werde im Laufe des Jahres nicht noch zusätlich Geld verdienen), oder?
Wenn ja, wo kann ich mir irgendeine Art der Bestätigung dafür holen (Finanzamt?) oder ist sowas gar nicht nötig?

Bezüglich der Krankenversicherung sollte ich am besten bei meiner eigenen Nachfragen und mich dort informieren schätze ich. Auch da blicke ich aber nicht durch.

Was gibt es denn darüber hinaus zu beachten?
Die Praktikumsstelle möchte weiterhin, dass ich eine Pauschsteuer übernehme. Hat das irgendwleche Auswirkungen auf meine o.g. Anliegen?

Ich bin für jede Hilfe Dankebar!
Liebe Grüße,
Moritz

RE: Minijob plus Praktikum - was muss ich tun?

Hallo Moritz,

vielen Dank für deine Anfrage.

In den unterschiedlichen Bereichen Steuern und Sozialversicherung gelten unterschiedliche Regelungen, Freibeträge und Einkommensgrenzen.

Die Einkommensgrenze in der gesetzlichen Familienversicherung beträgt 455€/Monat (das entspricht ca. 538€/Monat brutto) ODER 450€/Minijob. Verdienst du mehr, musst du dich selbst studentisch kranken- und pflegeversichern (um die 100€/Monat). Da es sich bei dir nur um eine kurzzeitige Überschreitung der Einkommensgrenze handelt, sprich am besten mal mit deiner Krankenkasse, ob dort die gleichen Ausnahmen wie bei kurzfristiger Beschäftigung (das zählt bei der Familienversicherung nicht zum relevanten Einkommen dazu) angewandt werden können. Wenn das geht - super, wenn nicht, müsstets du dich in den zwei Monaten, in denen dein Einkommen über der Einkommensgrenze liegt, selbst versichern. Du kannst dann aber nach dem bnde deines Praktikums problemlos wieder in die Familienversicherung zurückwechseln.

Die 5400€/Jahr ist die Einkommensgrenze für Minijobs. Das hat mit deinem Pflichtpraktikum nichts zu tun. Pflichtpraktikum und Minijob werden in der Sozialversicherung getrennt betrachtet und nach jeweils eigenen Regeln abgerechnet. Bei deinem Minijob bleibt also alles genau so wie bisher.
Einkünfte aus Pflichtpraktika sind grundsätzlich sozialversicherungsfrei, aber steuerpflichtig.

Der Steuergrundfreibetrag beträgt 9408€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung). Erst wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig – und auch nur auf den Betrag, der deinen Freibetrag (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) übersteigt.
Jedoch kann es dennoch zu Steuereinzügen kommen und zwar dann, wenn dein Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet wird. In dem Fall müsstest du das Pflichtpraktikum über die ungünstige Lohnsteuerklasse 6 laufen lassen. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs bzw. Einkünfte über die Steuer-ID hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag (plus Werbungskostenpauschale) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
Du kannst dann aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen.

Sollte dein Minijob pauschal versteuert werden (mit 2%, das ist eigentlich die Regel), zählt das Gehalt daraus nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden. Dann läuft das Pflichtpraktikum über deine LSK 1 und du hast dort keine Steuereinzüge.
Im Pflichtpraktikum ist eine Pauschsteuer meines Wissens nach allerdings gar nicht möglich. Frag da am besten nochmal nach, was damit gemeint ist und erkundige dich im Zweifel auch nochmal beim zuständigen Finanzamt dazu.

Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

Beste Grüße
Andrea
DGB-Jugend Studierendenberatung

Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und tritt unserer Facebookgruppe bei!
Übrigens: Solidarität geht immer! Mitglied werden

Neue Antwort

Die mit '*' gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.

Jobs
Bist du Gewerkschaftsmitglied?*
Darf deine Telefonnummer oder deine E-Mail-Adresse an interessierte Journalist*innen für Hintergrundgespräche, Zitate oder Interviewanfragen weitergegeben werden?*
Über Antworten und Kommentare zu meiner Anfrage im Forum möchte ich per E-Mail informiert werden.*