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Studierenden-Beratung

Vollzeitstudium + Vollzeitjob = Probleme?

Hallo,

ich würde gerne neben dem Master Vollzeitstudium eine Vollzeitstelle (30h/Woche) aufnehmen. Da dies ohnehin zeitlich begrenzt ist und im nächsten Semester wenig Arbeitspensum ansteht, möchte ich das probieren.

Das Werkstudentenprivileg greift leider nicht mehr, d. h. ich werde voll SV-pflichtig. Soweit ok.

2 Fragen:
a) Da ich weiterhin vollzeit eingeschrieben bin, besteht die Gefahr, dass die Uni mich exmatrikuliert, sollte sie davon Kenntnis erlangen? Verunsichert hat mich folgendes:
https://forschenlernen.jetzt/forschenlernen/aktuelles/meldungen/20170420.php

Für mich heißt das, ich darf auf keinen Fall Vollzeit SV-Pflichtig arbeiten, da die Uni mich dann exmatrikulieren müsste?

b) Kann ich - nach Ende des Vollzeitjobs - wieder problemlos zurück in die studentische Krankenversicherung wechseln?

Vielen lieben Dank!

RE: Vollzeitstudium + Vollzeitjob = Probleme?

Hallo,

vielen Dank für deine Anfrage.

Erstmal grundsätzlich: Auch als Student darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Status als Student innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss. Beim sogenannten Werkstudent_innenstatus handelt es sich lediglich um einen Status innerhalb der Sozialversicherung (SV), den Vollzeitstudent_innen in der Regel. immer dann innehaben, wenn sie nicht mehr als 20h/Woche arbeiten.

Du kannst nicht exmatrikuliert werden, nur weil sich dein sozialversicherungsrechtlicher Status im Job ändert. Du kannst dich bei Studienverzögerungen allerdings auch nicht darauf berufen, dass du viel gearbeitet hast. Wenn du wegen der Arbeit "zu langsam" studierst, kann das je nach Hochschulsatzung und Studienordnung zu Problemen führen - das ist aber etwas anderes. Du wirst dann schlimmstenfalls exmatrikuliert, weil du zu viele Semester eingeschrieben warst, ohne entsprechende Studienleistungen zu erbringen, nicht weil du viel gearbeitet hast.

Zu a.) also nein. Um dir die Sorgen wegen der von dir verlinkten Seite zu nehmen:
Da steht teilweise ziemlicher Quatsch. Das zeigt sich schon an solchen Aussagen: "[...] die KMK-Vorgaben, die sich in der Praxis darin konkretisiert haben, dass Vollzeitstudierende als „Werkstudent*innen“ nur für max. 20 Wochenstunden erwerbstätig sein dürfen, führt zu [...]".
--> Die 20h-Regel, also die Konkretisierung dessen, was unter "ordentlichen Studierenden" im Sinne der Soziaklversicherung verstanden wird, wer also im Job als Werkstudent_in angemeldet werden kann, basiert auf Rechtsprechung des Bundessozialgerichts. Erste Urteile dazu reichen ins Jahr 1967 zurück, während die KMK-Vorgaben, auf der die 20h-Regel angeblich laut der Seite beruhen soll, erst von 2003 ist. Hat also nichts miteinander zu tun.
Es gibt kein Gesetz, dass es Studierenden verbietet, mehr als 20h/Woche zu arbeiten! Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich lediglich um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung des SV-Status jobbender Studierender im Job.
Je nach Lage der Arbeitszeit und der persönlichen Kapazitäten würde vermutlich auch keine_r anzweifeln, dass man bei einer auf Dauer angelegten 21h-Woche noch Vollzeit studieren kann - der Werkstudent_innenstatus ist dann aber trotzdem nicht möglich. Andere bekommen hingegen schon bei einer 15h-Woche ihr Studium nicht mehr in Vollzeit hin. Sie sind dennoch Werkstudent_innen im Job - auch wenn sie im Einzelfall langsamer studieren als vielleicht ein_e andere_r Student_in mit einer 25h-Arbeitswoche.
Auch das mit dem Semesterticket (unter 2. bei Folgen) ist Blödsinn. Erstens sind die Regelungen für Semestertickets regional sehr unterschiedlich, wo welche Voraussetzungen und Kosten gelten ebenso. Manche Unis haben gar kein Semesterticket und bei den meisten, die eines haben, macht es keinen Unterschied, ob man Voll- oder Teilzeit immatrikuliert ist.
Der unter 3. auf der Seite aufgezählte Punkt entbehrt ebenfalls jeder rechtlichen Grundlage. Keine Hochschule hat bislang die Akkreditierung eines Studiengangs verloren, weil sie Studierende mit einer Wochenarbeitszeit von über 20h Vollzeit immatrikuliert hat. Dann dürften ja auch studierende Eltern nicht immatrikuliert werden, wenn sie sich viel um ihren Nachwuchs kümmern (müssen) - auch Eltern können oft nicht schnell studieren (und können dafür sogar bis zur doppelten Regelstudienzeit übers BAföG gefördert werden).
Ich habe keine Ahnung, wer da wem und warum Angst machen möchte.

Das "Schlimmste", was passieren kann, ist, dass dich die Uni auffordern könnte, in ein Teilzeitstudium zu wechseln. Wenn im kommenden Semester bei dir sowieso nur ein geringes Arbeitspensum ansteht, macht das vermutlich nicht einmal einen Unterschied für dich.

b.) Wenn die Voraussetzungen für den Werkstudierendenstatus wieder vorliegen (Vollzeitimmatrikulation, regelmäßige Arbeitszeit nicht über 20h/Woche), kannst du im Job wieder als Werkstudent angemeldet werden. Selbstverständlich kannst du dich dann auch wieder studentisch krankenversichern. (Das geht übrigens auch in einem Teilzeitstudium, solange du keiner oder nur geringfügigen Beschäftigungen - auf 450€-Basis oder kurzfristig - nachgehst).

Zum Schluss noch was zum sogenannten Werkstudierendenprivileg:
Im Werkstudent_innenstatus fallen auf dein Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und du musst selbst die Kosten für die studentische KV (immerhin um die 100€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt, dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an! Du bist dann über den Job kranken-, pflege- und zudem auch arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich als der Status als Werkstudent. Außerdem erwirbst du Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I), auf die Werkstudent_innen keinen Anspruch haben.
Das "Privileg" ist also oftmals nur ein Privileg für Arbeitgeber_innen, die so ihre Lohnnebenkosten niedrig halten können - für viele jobbende Student_innen ist dieses Privileg aber eher von Nachteil.

Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

Beste Grüße
Andrea
DGB-Jugend Studierendenberatung

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RE: Vollzeitstudium + Vollzeitjob = Probleme?

Vielen Dank für die schnelle und ausführliche Antwort! 

So kann ich unbesorgt den Arbeitsvertrag unterschreiben.

RE: Vollzeitstudium + Vollzeitjob = Probleme?


Bei meiner Universität bedeutet teilzeitstudium dass 2 Semestern als 1 berechnet wurde. 
Ich arbeite 25 Stunden seit 3. Semester an der Hochschule und weiß es nicht ob ich meine Hochschule informieren soll. Ich habe versucht über Versicherung Änderung zu informieren, aber habe keine Antwort erhalten.
Im Internet habe ich so viel gelesen und die Info unterscheidet sich vom Website zu Website. Ich hoffe, dass Sie mir helfen können. 
ich war privat versichert während ich meine Studium angefangen habe und im 3. Semester habe ich angefangen 25 zu arbeiten. Regelstudienzeit ist 4 Semesters. Ich schaffe mein Studium innerhalb 4 Semesters zu machen. Deswegen macht teilzeitstudium für mich kein Sinn.

habe ich etwas falsches gemacht?

Ich möchte nicht "schummeln". Ich wusste leider nicht über alle diese Regeln.

ich arbeite Teilzeit (25h ist keine Vollzeitjob auch) und ich möchte keine Studentische Versicherung haben. Ich möchte nur Probleme vermeiden . 

RE: Vollzeitstudium + Vollzeitjob = Probleme?

Hallo Annek,

du hattest diese Fragestellung bereits in einem eigenen Beitrag gestellt. Hier findest du deine Antwort.

Bitte versuche zukünftig doppelte Anfragen zu vermeiden. Wir beantworten Fragen immer chronologisch nach ihrem Eingang, Mehrfachanfragen führen also nicht dazu, dass eine Frage schneller beantwortet wird, sondern nur zu mehr Arbeitsaufwand für uns.
Danke für dein Verständinis!

Beste Grüße
Andrea

Masterarbeit und mehr als 20h arbeiten

Hallo Zusammen,

ich werde ab März meine Masterarbeit schreiben und arbeite neben her 20h als Werkstudent. Ist es zulässig, dass ich neben her noch 2 weitere Stunden in der Woche in einem Fitnessstudio als Kurstrainerin arbeite. 
Die Kurse sind immer Abends. Ich habe mal gelesen, dass wenn eine Arbeit überwiegend abends statt findet, dass es dann auch über die 20 h gehen darf. Ich möchte allerdings nicht meinen "Studentenstatus" verlieren.

Vielen vielen Danke

RE: Vollzeitstudium + Vollzeitjob = Probleme?

Hallo,

vielen Dank für deine Anfrage.

Zunächst einmal: du darfst neben dem Studium so viel arbeiten und verdienen wie du möchtest. Solange du immatrikuliert bist ändert sich dadurch nichts an deinem Studierendestatus an deiner Uni oder Hochschule.

Je nach Umfang und Art der Beschäftigung, je nach Kombination und jeweiliger sowie gesamter Einkommenshöhe, musst du nur entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden. Allerdings hat die Arbeit Einfluss auf deinen Werkstudierendenstatus, deine Familienversicherung bzw. studentische Versicherung und ggf. auf BAföG, falls du das bekommst.

Ausnahmen sind in der vorlesungsfreien Zeit und unter bestimmten Umständen bei Abend-, Nacht- und Wochenendarbeit möglich. Letzteres gilt nur für auf maximal 26 Wochen befristete Beschäftigungen, bei denen die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit auf abends/nachts oder das Wochenende fällt.

dein_e Arbeitgeber_in Sozialversicherungsbeiträge in alle Zweige der Sozialversicherung fällig werden (knapp 20% für jede Seite, für dich im Übergangsbereich bis 1.300 etwas reduziert). Mit der Werkstudi-Regel sind es nur Rentenversicherungsbeiträge, für dich i.H.v. maximal 9,3%.

Bei einer Anmeldung als voll-sozialversicherungspflichtig beschäftigt erwirbst du dann aber auch die entsprechenden Ansprüche, z.B. auf Krankenversicherung über den Job oder u.U. auch Ansprüche auf Arbeitslosengeld nach dem Studium. Die Kosten für deine eigene studentische Kranken- und Pflegeversicherung würden dabei entfallen.

Beachte: Der Werkstudierenden-Status in der Sozialversicherung endet mit dem Monat, in dem du vom Gesamtergebnis deiner (letzten) Prüfungsleistung schriftlich unterrichtet wurdest. Wenn du also schon ein (vorläufiges) Zeugnis bekommen hast, kommt für dich der Werkstudent_innen-Status sowieso nicht mehr in Betracht.

Es ist wichtig, dass du allen Arbeitgebern deine jeweils andere(n) Tätigkeit(en) mitteilst. Dazu bist du verpflichtet, damit die Sozialversicherungsbeiträge und ggf. Steuern korrekt gezahlt werden können.

Solltest du im Fitnessstudio selbstständig arbeiten, findest du hier  Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium.

Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

Beste Grüße
Miriam
DGB-Jugend Studierendenberatung

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RE: Vollzeitstudium + Vollzeitjob = Probleme?

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RE: Vollzeitstudium + Vollzeitjob = Probleme?

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