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Studierenden-Beratung

Zweiter Job als Student

Hallo,

ich bin Student und arbeite zur Zeit in der Gastronomie und verdiene dort ca. 250€ im Monat. Bafög bekomme ich nicht.
Nun möchte ich einen zweiten Job ausüben.

Meine Frage ist nun, was für mich am meisten Sinn macht...

Ist es lukrativer als Werkstudent in den Semesterferien über 4 und 9 Wochen zu Arbeiten für insgesamt ca. 6000€ (mit dem anderen Job ca. 9000€) im Jahr?

Oder als Midijobber mit einem Verdienst von ca. 500€ (mit dem anderen Job ca. 750€) im Monat?


Eine andere Frage ist, ob mein Arbeitgeber geringere Abgaben hat, wenn ich als Werkstudent angestellt bin? So dass ich möglicherweise ein besseres Gehalt bekommen würde, als wenn ich nur als Midijobber angestellt bin.

RE: Zweiter Job als Student

Hallo Thomas,

vielen Dank für deine Anfrage.

Jenachdem, wie du beschäftigt bist ergeben sich für dich und und dein_e Arbeitgeber_in unterschiedliche Abgaben in die Sozialversicherung.

Dabei ist es wichtig zwischen Regelungen zu Minijob, kurzfristiger Beschäftigung und Übergangsbereich (sog. Midijob) auf der einen Seite und dem sog. Werkstudent_innen-Status auf der anderen Seite zu unterscheiden.

Egal wie deine jeweiligen Jobs sozialversicherungsrechtlich zu beurteilen sind: als Werkstudent in der Sozialversicherung giltst du solange, wie du regelmäßig in allen Tätigkeiten nicht mehr als 20h/Woche arbeitest. Dieser Status "Werkstudent_in" hat zur Folge, dass du in deinen Beschäftigungen grundsätzlich nur rentenversicherungspflichtig bist (auch die Rentenversicherungspflicht kann dann je nach Beschäftigungsart wiederum entfallen, dazu gleich mehr).  Die Kranken- und Pflegeversicherung läuft nicht über die Jobs läuft - du musst sie also selbst organisieren.
Ausnahmen von der 20h-Regel sind möglich, allerdings nur bei Überschreitung in den Abend- und Nachtstunden, am Wochenende oder in der vorlesungsfreien Zeit.

Nun zu den verschiedenen von dir thematisierten Beschäftigungen.

Bei einer Beschäftigung mit 250€ Monatseinkommen handelt es sich um einen Minijob. In diesem fallen für dich unabhängig vom Studierendenstatus nur verminderte Rentenversicherungsbeiträge i.H.v. 3,6% an, von denen du dich auf Wunsch befreien lassen kannst. Den Rest zahlt dein_e Arbeitgeber_in.

Bei einer Beschäftigung im sog. Übergangsbereich, auch Midijob genannt (zwischen 450,01€ und 1.300€) ist es nicht möglich sich von der Rentenversicherung befreien zu lassen, für dich gelten aber je nach Einkommenshöhe verminderte Beiträge. Für die Arbeitgeber_innen-Seite fallen hier, solange du insgesamt als Werkstudent giltst, auch nur Rentenversicherungsbeiträge an. Der Verhandlungsspielraum was deine Lohnhöhe angeht könnte also höher sein.

Bei einer kurzfristigen Beschäftigung wiederum (maximal 3 Monate bzw. 70 Arbeitstage) fallen überhaupt keine Sozialversicherungsbeiträge an, weder für dich, noch dein_e Arbeitgeber_in.

Die Kombination eines Minijobs sowohl mit einer "regulären" Midi-Beschäftigung über 450€ als auch mit einer kurzfristigen Beschäftigungen ist problemlos möglich. Am Minijob-Status verändert sich nichts. Insgesamt mehr zum Thema Jobkombinationen kannst du hier nachlesen.

Wichtig für dich wird es nun vor allem sein, deine Krankenversicherung im Blick zu behalten.

Solange du einen Minijob hast gilt für dich in der kostenlosen Familienversicherung eine Einkommensgrenze von 450€ pro Monat (sonst 455€). Verdienst du regelmäßig mehr, so musst du dich selbst studentisch kranken- und pflegeversichern, das kostet ca. 100-110€ pro Monat.
Es ist u.U. aber trotzdem möglich, mehr als diese 450€ zu verdienen, da bei abhängigen Beschäftigungen insg. pro Jahr noch 1.000€ Werbungskosten abgezogen werden können (also ca. 83,30€ pro Monat) und auch kurzfristige Beschäftigungen nicht berücksichtigt werden.

Wenn du hierbei sicher gehen möchtest, kannst du deine Krankenkasse fragen und dir die Auskünfte schriftlich geben lassen.

Im Bezug auf die Steuern solltest du beachten, dass nur deine erste Tätigkeit in Lohnsteuerklasse I sortiert wird, jede weitere in VI. Das hat konkret ersteinmal zur Folge, dass du mit Steuerabzügen rechnen musst. Unabhängig von den Lohnsteuerklassen musst du insgesamt am Jahresende aber Steuern nur dann zahlen, wenn du den jährlichen Freibetrag von derzeit 9.408€ überschreitest und auch nur für den darüber liegenden Teil (du kannst außerdem auch hier dann noch Werbungskosten von mind. 1.000€, Vorsorgaufwände und Sonderausgaben abziehen). Zu viel eingezogene Beiträge kannst du dir dann per Steuererklärung zurückerstatten lassen. Mehr dazu hier.
Im Bezug auf Steuern ist es im Minijob weiterhin prinzipiell auch möglich, ihn pauschal mit 2% zu versteuern. Diese kannst du dir aber nicht zurückerstatten lassen. Das lohnt sich also erst, wenn du vom Jahreseinkommen her insgesamt überhaupt Steuern zahlen müsstest.

Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich auch persönlich in unserem Büro bei dir vor Ort beraten lassen oder dich gerne wieder an uns wenden.

Beste Grüße
Valentin
DGB-Jugend Studierendenberatung

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