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Studierenden-Beratung

Kündigung nach Krankheit u. Entgeldfortzahlungsstreit

Hallo,

im November habe ich mir beim Sport das Knie so verletzt, dass ich für 6 Wochen auf Krücken gehen musste und somit nicht arbeiten gehen konnte.

Vorab zur Arbeit: 

Ich arbeite als Werkstudentin für eine Marketingagentur. Hauptaufgabe sind Events oder Verkaufsunterstützungen im Sportbereich. Im Arbeitsvertrag stehen 10 Arbeitsstunden in der Woche, allerdings auch ein Satz der besagt, dass die Arbeitszeiten schwanken könne. Die Arbeitszeiten sind unregelmäßig, da wir uns auf einer Plattform auf die Jobs bewerben müssen. Meines Wissens nach beläuft sich die Grundlage zur Errechnung des Entgeldes auf den Durchschnitt der wirklich erbrachten Leistung. Da ich eigentlich das ganze Jahr weit über 10h/Woche gearbeitet habe, muss dies bei der Berechnung berücksichtigt werden. 

Alle Dinge die diesbezüglich besprochen wurden mit dem Arbeitgeber sidn telefonisch abgelaufen. Mir wurde zwischenzeitlich gesagt, dass ich eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnen muss, ansonsten würde ich kein Geld bekommen. Mittlerweile wurde mir ein Anteil des Geldes überwiesen, allerdings nur die 10h/Woche. Desweiteren wurde mir, wieder einmal telefonisch mittgeteilt, dass ich keinen Jobs mehr zugewiesen werde. Mein Vertrag geht bis Ende des Jahres.

Meine Frage ist nun, ob ich richtig liege mit der Annahme, dass meine Entgeldfortzahlung höher als 10h/Woche ausfallen muss?

Und, welche Optionen habe ich, wenn ich wirklich keinen Jobs mehr zugewiesen werde, obwoch ich mich auf jeden Job bewerbe? 

Kann die Agentur meinen Vertrag bis zum Ende des Jahres einfach laufen lassen und mir keinen Job mehr zuweisen, auch wenn ich nachweisen kann, dass genügen Jobs vorhanden wären? 

Können sie mich kündigen? Und wenn ja, zu wann? Könnte ich dann eine Abfindung erhalten?

 

Danke schon einmal für die Hilfe. 

 

RE: Kündigung nach Krankheit u. Entgeldfortzahlungsstreit

Hallo Karina,

vielen Dank für deine Anfrage.

Ich muss ehrlich sagen, dass mir anhand deiner Beschreibung nicht ganz klar ist, um was für eine Vertragsform es sich handelt. Werkstudentin ist die Art, wie du in der Sozialversicherung angemeldet bist, über die arbeitsrechtliche Ebene sagt das aber nicht wirklich was aus.
Verbreitet sind hier sogenannte Flexiverträge, im speziellen handelt es sich dann meist um Arbeit auf Abruf. Zur Arbeit auf Abruf gibt es gesetzliche Regelungen, wie bei flexibler Arbeitszeit die Entgeltfortzahlung bei Krankheit errechnet wird und auch dazu, unter welchen Umständen von der vereinbarten wöchentlichen Arbeitszeit abgewichen werden kann und was dir zu zahlen ist, wenn du trotz Anbieten deiner Arbeitskraft nicht genug Schichten bekommst.

Da du aber von "auf Jobs bewerben" schreibst, könnte es sich auch um sogenannte Crowdarbeit mit einem Rahmenvertrag handeln. Hier müsste der Rahmenvertrag genau angeschaut werden, um eine Aussage dazu machen zu können.

Bei Flexiverträgen/Arbeit auf Abruf liegt ein regulärer - in deinem Fall befristeter - Arbeitsvertrag vor. Hier ist eine normale Kündigung nur möglich, wenn dies explizit im Arbeitsvertrag vereinbart ist. Ist nichts vereinbart, endet der Vertrag erst mit dem Ende der Befristung. Manchmal wird auch einfach auf die gesetzlichen Kündigungsfristen verwiesen.
Wenn dir nun keine Schichten/Einsätze mehr zugeteilt werden, obwohl du deine Arbeitskraft anbietest, musst du dennoch bezahlt werden. Das kannst du im Zweifel auch gerichtlich einklagen. Wichtig ist aber, dass du weiterhin deine Arbeitskraft anbietest. Tust du das nicht, spricht man von "schleichender Kündigung", die wirksam werden kann, wenn du sie quasi akzeptierst, indem du nicht mehr hingehst/dich nicht mehr auf Einsätze "bewirbst".

Sollte es sich um Crowdwork und einen Rahmenveretrag handeln, kann ich dazu leider nichts sagen, da das, was bei regulären Arbeitsverträgen gilt zwar zutreffen kann, aber nicht muss (manchmal begründen Rahmenverträge kein Arbeitsverhältnis, sondern nur jeder einzelne Job, den man darüber annimmt).

Du solltest das alles auf jeden Fall anwaltlich prüfen lassen! Da kann dein Vertrag genau angeschaut und eingeschätzt werden, welche Rechte sich für dich darauf ergeben und opb du ggf. Anspruch auf eine Abfindung haben kannst, wenn es zu einer Kündigung kommt.

Als Gewerkschaftsmitglied hättest du sofort ab Eintritt Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung über deine Mitgliedsgewerkschaft. Der gewerkschaftliche Rechtsschutz (Vertretung deiner Anliegen vor Gericht) greift allerdings nur, wenn du schon vorher Mitglied warst.
Auch kannst du bei euch an der Uni/FH mal schauen, ob es eine kostenlose (Arbeits-)Rechtsberatung für Studierende, z.B. über den AStA gibt und dich dort erstberaten lassen.

Gibt es das nicht und möchtest du auch kein Gewerkschaftsmitglied werden, kannst du dich ggf. über Beratungshilfe bei eine_r/m Anwält_in deiner Wahl beraten lassen und, wenn nötig, Prozesskostenhilfe beantragen.

Ich wünsch dir auf alle Fälle viel Kraft und Erfolg!

Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich auch gerne wieder an uns wenden.

Beste Grüße
Andrea
DGB-Jugend Studierendenberatung

Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und tritt unserer Facebookgruppe bei! Übrigens: Solidarität geht immer! Mitglied werden

RE: Kündigung nach Krankheit u. Entgeldfortzahlungsstreit

Danke erst einmal für die schnelle Antwort. 

Ich habe nun einmal in meinen Vertrag geschaut, leider wird mir nicht klar, welche Form von Vertrag das nun ist. Jedoch ist der Vertrag mit "Befristeter Werkstudentenvertrag" betitelt. 

Dort wird von der Verknüpfung des Vertrags an den "sozialversicherungsrechtlichen Studentenstatus des Werkstudenten" gesprochen. Sobald also keine Immatrikulation mehr vorliegt, gilt der Vertrag als gekündigt. Außerdem gilt der Vertrag mit dem Erreichen der Befristung als gekündigt. Außerdem wird zum Thema Kündigug folgendes gesagt:

"Der Vertrag kann von jedem Vertragspartner auch während der Befristung gekündigt werden. Die Kündigung muss schriftlich erfolgen. Während der Porbezeit beträgt die Kündigsfrist 14 Tage, danach beträgt die Kündigungfrist beiderseits vier Wochen zum 15ten eines Monats oder zum Monatsende."

Weiterhin wird gesagt, dass der Werkstudent verpflichtet ist, sich über das interne System selbst auf die Projekte zu bewerben. 

In diesem System können wir unsere Verfügbarkeit in einem Kalender eintragen und uns auf einzelne Porjekte aktiv bewerben. Dies mache ich durchgehend, bekomme jedoch keinen Termin zugewiesen. 

Zur Arbeitszeit steht in meinem Vertrag:

"Es wird eine grundsätzlich flexible Arbeitszeit vereinabrt, die im Durchschnitt von sechs Kalendermonaten 10 Stunden pro Woche beträgt. Je nach Einsatzmöglichkeiten und sonstigen betrieblichen Erfordernissen und Verfügbarkeiten des Werkstudenten kann die jeweilige wöchentliche Arbeitszeit für den Werkstudenten mehr oder weniger als die genannte durchschnittle Arbeiteszeit betragen. Dabei werden allerdings immer die rechtlich zulässigen Grenzen dür den Einsatz von Werkstudenten berücksichtigt. Der Arbeitgeber ist berechtigt, die genannge durchschnittliche Arbeitszeit im Falle betrieblicher Notwenigkeit um bis zu 20% zu verringern."

Daraus geht für mich hervor, soferne ich meine aktive Arbeitsbereitschaft nachweisen kann, muss ich für die 10h/Woche, mindestens aber für 8h/Woche bezahlt werden, wenn ich keine Jobs zugewiesen bekomme, richtig? 

Das betrifft jetzt den Zeitraum seit Januar, da ich ja von Mitte November bis Ende des Jahres Krankgeschrieben war. 
Kann ich also durch einen Anwalt auf die Bezahlung der mind. 8h/Woche bestehen? 
Und, wie sieht es nun aus bezüglich einer Kündigung? Könnte ich gegen eine eventuelle Kündigung vorgehen, da ich weiß, dass die Firma auch aktuell immer auf der Suche nach Werkstudenten ist und ich sicher nicht betriebsbedingt gekündigt werde, sondern einfach, aus perösnlichem Interesse des Arbeitsgebers? Und wenn ich dagegen vorgehen könnte, könnte ich auf eine Art Abfindung "hoffen"?

Für den Zeitraum meiner Krankschreibung habe ich mir meine durchschnittliche Arbeitszeit in den Monaten zuvor angeschaut, sie betrug weit über 10h/Woche. Ist also zur Berechnung meines wirklichen Gehaltsanspruches (für die Zeit der Krankschreibung) ein Durschnitt der beispielweise letzten 3 oder 6 Monate zu berücksichtigen oder kann ich maximal mit den 10h/Woche rechnen? 

Ich weiß, dass das sehr viele Fragen sind, würde mich aber unfassbar über eine Antwort freuen! 

Vielen Dank für die bisherige Antwort!!!!!

 

 

 

RE: Kündigung nach Krankheit u. Entgeldfortzahlungsstreit

Hallo Karina,

konkrete Arbeitsverträge sowie einzelne Klauseln darin können und dürfen wir nicht prüfen. Das ist im Rahmen eines Onlineforums nicht möglich. Deinen Vertrag genauer prüfen, ist nur in einer anwaltlichen Rechtsberatung oder einer Rechtsberatungsstelle einer Mitgliedsgewerkschaft möglich (dazu musst du Mitglied sein).

Im Rahmen eines Onlineforums dürfen wir als Nicht-Jurist_innen lediglich allgemeine Rechtsauskünfte geben.
Dazu gehört, dass ich dir sagen kann, dass die Überschrift eines Vertrags erstmal nicht viel heißen muss. Ausschlaggebend ist die tatsächliche Ausgestaltung des Vertrags bzw. des Arbeitsverhältnisses. Zudem ist "Werkstudentin" keine arbeitsrechtliche Kategorie, sondern ein sozialversicherungsrechtlicher Status. Eine Verknüpfung eines Arbeitsvertrags an den "sozialversicherungsrechtlichen Studentenstatus des Werkstudenten" ist grundsätzlich nicht möglich, ein Wegfall kein Kündigungsgrund. Der Status kann ja auch durch die Aufnahme eines weiteren Jobs entfallen oder durch ein Urlaubssemster oder den Wechsel in eine Teilzeitstudium etc.. Arbeitsrechtlich gilt der Vertrag dann aber dennoch weiter, nur angemeldet werden musst du dann entsprechend anders.
Wie aber genau die einzelnen Klauseln bezüglich der Frage Arbeits- oder Rahmenvertrag einzuschätzen sind, welche Art Arbeitsverhältnis vorliegt und welche Rechte sich daraus ergeben, kann ich dir nicht sagen. Das muss konkret anhand deines Vertrags gepüft werden.

Ich kann dir daher nur nochmals raten, dich anwaltlich beraten zu lassen!
Zu den Möglichkeiten hatte ich dir in meiner ersten Antwort ja schon einges geschrieben (Beratungshilfe, Rechtsberatung an der Uni oder Gewerkschaftsmitgliedschaft).
Viel Erfolg!

Beste Grüße
Andrea
DGB-Jugend Studierendenberatung

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