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Studierenden-Beratung

Pflichpraktikum + Werkstudent

Hallo ich wollte fragen wie es aussieht wenn ich ein Pflichtpraktikum mache für meinem Bachelor (12 Wochen/ca. 40 std./woche) und neben bei als Werkstudent arbeite (20std./woche).
Sowohl im Praktikum als auch als Werkstudent würde ich über 1000 Euro verdienen. (insgesamt über 2000 euro im Monat)

1. Darf ich 60 std. die Woche arbeiten? Weil ich gelesen habe, dass man nur max. 48 std. die Woche arbeiten darf.
2. Wenn ich das darf, wie es steuerlich aussieht?
3. Wenn ich es nicht darf, darf ich 8 Stunden als Werkstudent arbeiten und die restlichen 12 Stunden mit Urlaubstagen füllen? Da ich noch Urlaubstage zur Verfügung habe.

Ich frage deswegen, weil ich als Werkstudent nicht weniger als 20 Stunden arbeiten darf vom Betrieb aus und ich ungern dort dann kündigen möchte, da ich nach meinem Praktikum dort gerne weiter arbeiten möchte.

 

RE: Pflichpraktikum + Werkstudent

Hallo Rob,

vielen Dank für deine Anfrage.

Ich fange mal mit den Fragen 1 und 3 an:
Pflichtpraktika gelten zwar nicht als reguläre Arbeitsverhältnisse, sondern als Teil deines Studiums, entsprechend zählt die Zeit, die du fürs Pflichtpraktikum im Unternehmen verbringst, nicht in die 20h-Regel für den Werkstudierendenstatus mit hinein - die arbeitschutzrechtlichen Regelungen aus dem Arbeitszeitgesetz gelten aber trotzdem.

Demnach darfst du nicht mehr als 8h/Tag (10h/Tag bei Ausgleich) bei einer 6-Tage-Woche und damit nicht mehr als 48h/Woche abhängig beschäftigt werden. Auch die gesetzlichen Pausen- und Ruhezeiten sind dabei einzuhalten.

Das bedeutet unter anderem, dass du zum Beispiel nicht 8h im Praktikum sein und im Anschluss nochmal 4h im Werkstudijob arbeiten kannst - mehr als 10h/Tag sind definitiv verboten (und Verstöße können deine_n Arbeitgeber_in empflindliche Bußgelder kosten). Wenn das Praktikum an 5 Tagen in der Woche à 8h/Tag stattfindet, bleiben für den Werkstudijob also nur noch 2h/Tag oder das Wochenende - und davon auch nur ein Tag.

Ob es rechtlich möglich ist, deinen Urlaub im Werkstudijob so zu nehmen, dass lediglich deine tatsächliche Arbeitszeit die 48h/Woche nicht übersteigt, bin ich mir unsicher.
Bei zwei "normalen" Jobs wäre es nämlich so, dass du neben einer 40h-Stelle auch dann keinen weiteren Arbeitsvertrag mit mehr als 8h/Woche annehmen dürftest, selbst wenn du in der 40h-Stelle jede Woche einen Urlaubstag nehmen würdest. Das maximale Gesamtvolumen beider Verträge dürfte inkl. Urlaubstagen dennoch nicht mehr als 48h/Woche betragen.
Auf der anderen Seite ist es nicht untersagt, im Job Urlaub zu nehmen und die Zeit ins Studium zu investieren. Deshalb kann ich dir dazu leider keine definitive Aussage geben.

Es gibt zwar auch noch die Möglichkeit, vorübergehend bis zu 60h/Woche zu arbeiten, also von 8h an 6 Werktagen vorrübergehend auf 10h an 6 Werktagen zu erhöhen (dies geht unter der Voraussetzung, dass deine durchschnittliche Arbeitszeit auf einen Zeitraum von 24 Wochen gerechnet nicht mehr als 8h/Tag beträgt). Allerdings hat dein_e Arbeitgeber_in dann nach § 16 Abs. 2 Arbeitszeitgesetz eine Dokumentationspflicht über sogenannte Mehrarbeit, muss also jede Stunde, die oberhalb der 8h am Tag liegt extra aufzeichnen. Ob er_sie sich darauf einlässt, müsstest du diekt abklären.

Ich sehe aber zwei andere Möglichkeiten, die rechtlich sicher unproblematisch sind:
1. Du fragst beim Werkstudijob, ob die dich für die Dauer des Praktikums unbezahlt freistellen können. Das hat den Vorteil, dass dein Arbeitsvertrag erhalten bleibt und du direkt nach dem Ende der Freistellung weiterarbeiten kannst. Und du kommst während des Praktikums sicher nicht in Konflikt mit dem Arbeitszeitgesetz.
Da dein Pflichtpraktikum ähnlich hoch wie dein Job vergütet wird, sollte das auch finanzierll stemmbar sein.
oder
2. Du fragst bei deine_r/m Praktikumsgeber_in, ob es auch möglich ist, das Praktikum in Teilzeit mit maximal 28h/Woche zu absolvieren. Das Praktikum dauert dann zwar entsprechend länger, du könntest aber nebenbei weiterhin deine 20h/Woche im Werkstudijob arbeiten. Beim Pflichtpraktikum wäre es nur wichtig, dass du darauf achtest, dass du im Gesamtumfang die Vorgaben aus deiner Studienordnung erfüllst.

Frage 2 zu Steuern:
Unabhängig davon, wie genau du Praktikum und Job ggf. miteinander kombinierst, sind beide Einkünfte steuerpflichtig. Es müssen also sowohl dein Praktikum als auch dein Werkstudijob über deine Steuer-ID abgerechnet werden, so dass du eins davon über die ungünstige Lohnsteuerklasse 6 laufen lassen müsstest. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9408€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu (zu hohen) Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest oder nur leicht drüber kommst.
Du kannst dann aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen.

Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

Beste Grüße
Andrea
DGB-Jugend Studierendenberatung

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