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Studierenden-Beratung

Studentische Hilfskraft + Minijob

Hallo liebes DGB Team,

ich arbeite aktuell in einem Minijob (unter 450€/ 5,5 Stundenwoche). Ich würde gerne zusätzlich einen zweiten Job annehmen. Es besteht die Möglichkeit, dass ich in diesem als studentische Hilfskraft eingestellt werde. Was hätte das für Auswirkungen auf die Steuerpflicht? (Das Gesammteinkommen läge über 450€) ich könnte es so arrangieren, dass ich im Jahr nicht über den Steuerfreibetrag von 9000€ komme: Welche Beiträge wären dann noch fällig?
Stimmt es, dass ich mich dann selbst als Studentin krankenversichern muss?
Hat die zusätzliche Beschäftigung als studentische Hilfskraft auswirkungen auf den bereits bestehenden Minijob und das Gehalt davon?
Darf eine studentische Hilfskraft ebenfalls nicht über 20 Stunden in der Woche arbeiten?
Lieben Dank im Voraus für die Beantwortung!

RE: Studentische Hilfskraft + Minijob

Hallo Romea,

vielen Dank für deine Anfrage.

Bei der Familienversicherung kommt es auf die Höhe deines Einkommens an. Die Einkommensgrenze in der gesetzlichen Familienversicherung beträgt 455€/Monat (das entspricht ca. 538€/Monat brutto) ODER 450€/Minijob. Verdienst du mehr, musst du dich selbst studentisch kranken- und pflegeversichern (um die 100€/Monat). https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQz

Welche Auswirkungen die Jobkombi sonst noch hat und auch, ob das Einfluss auf deinen bisherigen Minijob hätte, hängt maßgeblich davon ab, was du im neuen Job verdienst und wieviel du insgesamt mit beiden Jobs arbeiten würdest.
Grundsätzlich darfst du auch mehr als 20h/Woche arbeiten, wirst aber ggf. voll sozialversicherungspflichtig als Arbeitnehmerin. Das kann allerdings je nach Gehaltshöhe für dich sogar günstiger sein.

Bei der sogenannten 20h-Regel handelt es sich nämlich nicht um eine Verbotsgrenze, sondern um eine Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) zur Ermittlung deines Status dort.
Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status ist deine regelmäßige Arbeitszeit aus allen Jobs und daran orientiert, ob dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit.
Dabei wird davon ausgegangen, dass das Studium im Vordergrund steht, wenn du als Vollzeitstudentin insgesamt nicht mehr als 20h/Woche arbeitest. Dann wirst du in soziaversicherungspflichtigen Jobs als Werkstudentin angemeldet. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi

Verdienst du im neuen Job über 450€/Monat (Variante 1), wird er getrennt vom Minijob betrachtet. Dann bleibt bei deinem Minijob alles wie bisher. Solange du mit beiden Jobs zusammen insgesamt nicht mehr als 20h/Woche arbeitest, ist der mit über 450€/Monat sozialversicherungspflichtig und du wirst als Werkstudentin angemeldet. Dann fällt auf das Gehalt daraus 9,3% Rentenversicherungsbeitrag an.

Wenn du in beiden Jobs allerdings nicht mehr als jeweils 450€/Monat verdienst (Variante 2), handelt es sich bei beiden um geringfügige Beschäftigungen/Minijobs. Diese werden in der Sozialversicherung (SV) zusammengerechnet. Kommst du dann insgesamt auf über 450€/Monat, entfällt der Minijobstatus für beide Jobs. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xge
Solange du mit beiden Jobs zusammen insgesamt nicht mehr als 20h/Woche arbeitest, wirst du in beiden als Werkstudentin angemeldet. Dann fallen auf beide Gehälter je 9,3% Rentenversicherungsbeiträge an.

Zudem müssen in Variante 2 auch beide Jobs über deine Steuer-ID abgerechnet werden, so dass du einen davon über die ungünstige Lohnsteuerklasse 6 laufen lassen müsstest. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9408€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuerein-züge hast.
Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
Du kannst dann aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inb

Bei Variante 1 könnte der Minijob pauschal mit 2% versteuert werden. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden.
Nur wenn der Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet wird, fällst du dort in Steuerklasse 6.

Laufen beide Jobs über deine Steuer-ID, kannst du versuchen, beim zuständigen Finanzamt einen Übertrag eines Teils deines Freibetrags auf die LSK 6 zu beantragen, um den doch recht hohen Steuereinzug über deine LSK 6 zu vermeiden. Schau mal hier unter "Freibeträge flexibel handhaben": https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQn

Solange du nicht mehr als 1300€/Monat verdienst (bei Variante 2 mit beiden Jobs zusammen, bei Variante 1 im Job mit über 450€/Monat), greifen zudem die Midijobregeln. Hier werden die RV-Beiträge für dich günstiger berechnet. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhb

Arbeitest du insgesamt regelmäßig über 20h/Woche, entfällt der Werkstudent_innenstatus und du wirst voll sozialversicherungspflichtig. Eine volle SV-Pflicht ist aber gar nicht so schlimm, wie manche denken.
Hier eine Gegenüberstellung:
Im Werkstudent_innenstatus fallen auf dein Gehalt 9,3% Rentenversicherung (RV) an und du musst selbst die Kosten für die stud. KV (immerhin um die 100€/Monat) tragen. Bei voller SV-Pflicht sind es statt nur RV insgesamt zwar knapp 20% in die Sozialversicherung vom Gehalt (in Variante 2 auf beide Gehälter), dafür fallen aber keine weiteren Kosten für die KV an. Du bist dann über den Job/die Jobs krankenversichert und zudem auch arbeitslosenversichert. Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger als der Status als Werkstudent_in. Außerdem erwirbst du Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I). https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​ina

Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​X2f
Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort persönlich beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wen-den.

Beste Grüße
Andrea
DGB-Jugend Studierendenberatung

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