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Studierenden-Beratung

Werkstudentenjob und Honorartätigkeit

Liebes S@W-Team,

ich möchte die Steuererklärung für 2019 machen, aber ich habe nun folgenden Fall.

Zunächst zu mir:
Ich arbeite seit April 2019 als Werkstudentin (15h pro Woche) und verdiene monatlich ca. 1000 Euro brutto.
Außerdem habe ich unregelmäßig über das ganze Jahr verteilt eine Honorartätigkeit ausgeübt. Davon habe ich insgesamt ca. 78 h über ca. 25 Tage im Jahr 2019 gearbeitet. Die Arbeitsstunden variieren je nach Tag. Insgesamt habe ich ca. 1396 Euro verdient.
Bei der Honorartätigkeit war ich als Klausuraufsicht an einer privaten Hochschule tätig.

Frage 1: Zählt diese Honorartätigkeit als freiberufliche Tätigkeit? Ich habe gelesen, dass man als Freiberufler bestimmte Voraussetzungen erfüllen muss: ,,Freiberufler üben wissenschaftliche, künstlerische, erzieherische oder schriftstellerische Tätigkeiten aus, die nicht der Gewerbeordnung unterliegen.‘‘ In meiner Honorartätigkeitsrechnung steht, dass nach § 4 Nr. 21 b) aa) UstG für die Lehrtätigkeit eine Umsatzsteuerbefreiung vorliegt und ich als freiberuflicher Mitarbeiter die Versteuerung des Betrags selbst vornehmen muss.
Kann ich mich darauf verlassen, dass es eine freiberufliche Tätigkeit ist, weil ich überall andere Definition und Voraussetzungen als Freiberufler lese? Wenn ich nicht als Freiberufler zähle, hätte ich einen Gewerbeschein oder Sonstiges machen müssen und damit auch die entsprechende Steuerzahlung?

Beim Finanzamt habe ich mich auch nicht angemeldet, da ich das einfach nicht wusste und da es nur eine kleine Tätigkeit für mich war und es mir jetzt erst aufgefallen ist als ich meine Steuererklärung machen wollte.

Frage 2: Drohen mir Strafzahlungen, weil ich mich nicht als Freiberufler oder unter welcher Kategorie ich dann entsprechend falle bei Finanzamt angemeldet habe? Kann es sein, dass ich dann 40% von der Honorartätigkeit nachzahlen muss? (Auch wenn in einem eurer Beträge steht, dass das Finanzamt bei nachträglicher Anmeldung nachsichtig ist)

Frage 3: Wenn ich mich nachträglich angemeldet habe und meine Steuererklärung für 2019 abgeschlossen ist, muss ich mich beim Finanzamt wieder abmelden (als Freiberufler), weil ich die Honorartätigkeit nicht mehr ausüben möchte?

Frage 4: Ich muss keine Umsatzsteuer zahlen, da ich ja befreit worden bin und der Betrag weit unter 17500 Euro liegt, ist das richtig? Wenn ja, habe ich vor bei der Steuererklärung 2019 die Anlage S (Einkünfte aus selbstständiger Arbeit) und die Anlage EÜR benutzt. Ich habe angeben, dass ich ein Kleinunternehmer bin; ist das ebenfalls in Ordnung oder gibt es eventuell noch etwas anderes zu beachten?

Des Weiteren habe ich eine studentische Krankenversicherung. Ich habe in einem anderen Beitrag gelesen, dass keine Sozialversicherungsabgaben zu zahlen sind, wenn die Tätigkeit kurzfristig und auf max. 70 Tage im Jahr begrenzt ist. Und bei Tätigkeiten unter der Woche dürfen dies nicht mehr als 20 h pro Woche sein. Ich habe nur im Mai neben meinem Werkstudentenjob (15h pro Woche) noch zusätzlich für 28,5 h in dem Monat bei der Honorartätigkeit gearbeitet.
Würde ich die 28,5 h pro Woche einfach auf 4 Wochen aufteilen, hätte ich dann insgesamt pro Woche 22,13 h gearbeitet.

Frage 5: Hätte ich in diesem Monat/in diesen Wochen anders krankenversichert sein müssen und meiner Krankenkasse Bescheid geben müssen oder kann ich die Regel mit den max. 70 Tagen im Jahr anwenden?

Frage 6: Ist das Honorar rentenversicherungspflichtig? In einem anderen Beitrag steht wer gegen Honorar wie ein Lehrer (oder manche Freiberufler) arbeitet, ist in der Regel rentenversicherungspflichtig. Nun ist die Frage, ob die Klausuraufsicht auch als sowas zählt. Und müsste ich der Deutschen Rentenversicherung Bescheid geben und nachzahlen?

Frage 7: Zur Steuererklärung:
Unter der Annahme, dass die richtigen Anlagen korrekt ausgefüllt werden und ich mich noch nachträglich angemeldet hätte dürfen.
Mein gesamtes Jahresgehalt läge bei 10396 Euro brutto. Dann wäre ich über den Freibetrag von 9.168 Euro (2019). Bei Abzug der Werbungskosten von 1000 Euro und Anwendung der Vorsorgepauschale anwenden, da ich Rente über meinen Werkstudentenjob zahle. (Prozentsatz 9,3 % d.h 93,03 Euro pro Monat), würde ich noch ca. 1037 Euro absetzen können. Somit komme ich auf 6966 Euro. Das addiert mit der Honorartätigkeit wäre dann 8361 Euro. Somit wäre ich wieder im Freibetrag und müsste keine Steuern zahlen. Können meine Berechnung stimmen, dass ich wirklich unter dem Freibetrag bleibe?

Es tut mir leid, dass ich so viele Fragen habe und hoffe, dass ihr mir dennoch helfen könnt.

Vielen Dank im Voraus!

Liebe Grüße

Marie

RE: Werkstudentenjob und Honorartätigkeit

Hallo Marie,

vielen Dank für deine Anfrage.

1. Als Freiberuflerin bist du selbstständig tätig und damit auch grundsätzlich zur Anmeldung beim Finanzamt verpflichtet. Dies soltest du also schnellst möglich nachholen, bzw. tust du das mit deiner Angabe der Einkünfte daraus in der Steuererklärung schon. Eine reguläre Anmeldung ("Fragebogen zur steuerlichen Erfassung einer selbstständigen Tätigkeit") schadet aber auch nichts. Bei der Anmeldung kannst du dann angeben, dass du die Kleinunternehmer_innenregel in Anspruch nimmst. Die Anmeldung ist auch deshalb wichtig, weil du nur so eine Steuernummer zugeteilt bekommst (das ist etwas anderes als deine Steuer-ID). Diese muss eigentlich zwingend auf jede rechtsgültige Rechnung und auch bei der Steuererklärung angeben werden.
Da das mit der Abgrenzung von Freiberuf und Gewerbe tatsächlich nicht immer leicht ist, verweisen wir bei Zweifeln ans zuständige Finanzamt. Wenn du dich dort anmeldest und keine_r einen Gewerbeschein sehen möchte, ist es als freiberufliche Tätigkeit akzeptiert ;-)
https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgy

2. Das können wir nicht mit Sicherheit sagen, unsere Erfahrung mit Finanzämtern ist aber, dass eine rückwirkende Anmeldung, zumal die Steuererklärung für 2019 ja auch erst bis zum 31.07.2020 fällig ist, kein Problem ist. Erfrage das am besten direkt bei deinem zuständigen Finanzamt.
Rein theoretisch sind bei verspäteter Anmeldung (insb. falls es doch ein Gewerbe war) zwar schon Bußgelder möglich, wenn man sich aber selbst meldet und zudem auch keine Absicht bestand, Steuern oder Abgaben zu umgehen, wird davon in der Regel abgesehen.

3. Wenn du die Tätigkeit zukünftig nicht mehr ausüben möchtest, kannst du dich einfach wieder abmelden. Sprich doch am besten mal persönlich beim Finanzamt vor, vielleicht verzichten sie in dem Fall (geringfügige Selbstständigkeit, nur kurzzeitig ausgeübt und Einkünfte in Steuererklärung angegeben) auch komplett auf einen An- und wieder Abmeldung.

4. Das ist korrekt. Normalerweise gibst du das mit der Kleinunternehmer_innenregel bei der Anmeldung an (siehe unter 1.).

5. Das ist schon etwas schwieriger. Als Selbstständige bist du nicht nur zur Anmeldung beim Finanzamt verpflichtet, sondern auch zur Meldung bei deiner Krankenkasse. Die prüfen dann, ob du haupt- oder nebenberuflich selbstständig bist. Dabei sind die Geringsfügigkeitsregelungen anzuwenden (70 Tage im Jahr analog zur kurzfristigen Beschäftigung oder Minijobgrenzen). Geringfügige selbstständige Tätigkeiten sind in der Regel immer nebenberuflich.
Wirst du als nebenbruflich selbstständig eingestuft, ist die Versicherung über die studentische KV grundsätzlich weiterhin möglich.
Nun kommt aber deine abhängige Beschäftigung dazu. Nur hier ist die sogenante 20h-Regel relevant. Für deine korrekte Anmeldung im Werkstudijob ist dein_e Arbeitgeber_in dort zuständig. Damit diese_r der Verpflichtung zur korrekten Anmeldung in der Sozialversicherung nachkommen kann, bist du als Arbeitnehmerin verpflichtet, alles für deine Anmeldung relevante mitzuteilen - da gehört auch die selbstständige Tätigkeit dazu. Hast du diese dort angebeben? Wenn ja, ist alles ok.
Wenn nein, kann es theoretisch in der Zeit, wo du insgesamt über 20h/Woche gerabeitet hast, zu einer Ummeldung in den Arbeitnehmer_innenstatus und volle SV-Pflicht kommen. Aufgrund deiner Angaben ist aber auch das eher unwahrscheinlich (nur ausschließen kann ich es nicht, beurteilen muss das dein_e Arbeitgeber_in).
Sollte das zutreffen, wärst du aber "schlimmstenfalls" für einen Monat als Arbeitnehmerin anzumelden (das bedeutet, dass ansatt 9,3% Rentenversicherung insgesamt kanpp 20% SV-Beiträge von deinem Gehalt abgeführt werden müssten, dafür würdest du den Beitrag zur stud. KV aus diesem Monat zurückbekommen) und könntest danach auch wieder in der Werkstudierendenstatus zurückkehren (inkl. studentischer KV).
Mehr hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi und hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​ina

6. Geringfügige freiberufliche Tätigkeiten sind in der Regel nicht rentenversicherungspflichtig. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgw

7. Zu deinen konkreten Zahlen können und dürfen wir im Rahmen dieses Beratungsforums keine Einschätzung geben (das dürfen nur Steuerberater_innen).
Grundsätzlich ist es aber korrekt, dass von deinen Einkünften aus abhängiger Beschäftigung die Werbungskostenpauschale (plus ggf. Vorsorgeaufwendungen, Sonderausgaben oder höhere Werbungskosten) abgezogen werden.
Bei selbstständiger Tätigkeit ist dein Gewinn (Einnahmen minus Betriebsausgaben) relevant. Dein Gewinn wird dann mit dem restlichen steuerpflichtigen Einkommen addiert. Liegt das unterhalb des Freibetrags, fällt keine Einkommenssteuer an. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inb

Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgf sowie in unserer Broschüre „Selbstständigkeit und Studium“ https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​p6n

Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

Beste Grüße
Andrea
DGB-Jugend Studierendenberatung

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