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Studierenden-Beratung

Rechnungen mit falscher ID ohen Freiberufleranmeldung

Liebe Community:

Folgender hypothetischer Fall: Jemand übt neben seinem Studium seit mehreren Jahren eine freiberufliche Tätigkeit als Fotograf aus und ging irgendwie davon aus, dass diese, sofern die Einkünfte unter der Freibetragsgrenze liegen, nicht zwingend angemeldet werden müsste, da ja ohnehin keine Steuern anfallen.

Die in dieser Zeit erzielten Monatseinkünfte schwankten sehr stark, zwischen 0 und 1000€ war alles dabei, meist waren es aber im Schnitt 400€.

Die Person hat auf Abrechnungen ihre Steuer-ID angegeben, da sie dachte, diese sei mit der Steuernummer identisch. Leider hat sie versäumt, sich darüber zu informieren, dass dem nicht so ist - dann wäre ihr nämlich aufgefallen, dass sie für die Beantragung ihrer Steuernummer eben doch ihre freiberufliche Tätigkeit hätte anmelden müssen...

Eine Steuererklärung hat die Person dementsprechend auch noch nie gemacht. Sie würde es spätestens nächstes Jahr aber wohl tun, wenn sie ihr Studium beendet hat. Irgendwie ist die Person auch immer davon ausgegangen, dass dies als Student mit einem derart geringen und extrem unregelmäßigen Einkommen auch nicht notwendig war.

Das Geld aus den Rechnungen hat sie jedenfalls schon längst bekommen.

Nun meine Fragen:

1. Wenn die Tätigkeit nun noch nachträglich angemeldet würde, ist eine Strafe zu erwarten? Steuern dürften bei so kleinen Beträgen ja eigentlich nicht anfallen (im Jahr 2017 waren es z. B. um die 600€ im gesamten Jahr), aber fällt schon das Nichtanmelden unter Strafe, weil es es womöglich als vorsätzlicher Betrug ausgelegt würde?

2. Wenn die Tätigkeit nun angemeldet würde und nun endlich eine Steuernummer beantragt würde, müssten alle Rechnungen, die die Person gestellt hat, nachträglich noch dahingehend geändert werden? Theoretisch wären sie mit der Steuer-ID ungültig gewesen, oder? Allerdings hat die Person ja das Geld ohnehin schon längst bekommen, einige dieser Rechnungen sind ja Jahre her. Oder würde es in dem Fall reichen, bei zukünftigen Rechnungen die richtige Steuernummer anzugeben? Eine Mehrwertsteuer war auf den Rechnungen nicht angegeben. Außerdem stand darauf ein Verweis auf die Kleinunternehmerregelung/Umsatzsteuerbefreiung.

Ich hoffe, hier kann jemand eine Einschätzung darüber abgeben, wie sich die Person nun am besten verhalten sollte.Dass es hier keine umfassende Beratungen gibt, ist mir klar, aber ich wäre für jede Antwort dankbar!

RE: Rechnungen mit falscher ID ohen Freiberufleranmeldung

Hallo Simon,

vielen Dank für deine Anfrage.

Wenn die hypothetische Person ohne Anmeldung gegen Geld Leistungen erbringt, handelt es sich um sogenannte Schwarzarbeit. Das ist illegal.

1. Grundsätzlich besteht eine Verpflichtung zur Anmeldung beim Finanzamt innerhalb eines Monats nach Aufnahme der Tätigkeit - und das auch schon ab dem ersten Cent Verdienst. Steuerrechtlich gibt es da keine Sonderreglungen für Studierende.
Wenn allerdings das Einkommen durchgängig unterhalb des Steuerfreibetrags lag, dürfte zumindest keine Steuerhinterziehung vorliegen, die kann man schließlich nur hinterziehen, wenn man auch tatsächlich welche hätte zahlen müssen.
Ähnlich verhält es sich mit der Kranken- und ggf. auch mit der Rentenversicherung. Mitteilungspflicht besteht, ob Verstöße dagegen verfolgt werden, wenn sowieso gar keine Sozialversicherungsabgaben angefallen wären, können wir nicht sagen.
Ob ein rückwirkende Anmeldung also strafrechtliche oder andere Konsequenzen hat, können wir hier nicht einschätzen, im Zweifel kann da eine anwaltliche Beratung weiterhelfen.
Wenn jedoch Abgaben angefallen wären (z.B. bei Wegfall der gesetzlichen Familienversicherung wegen Überschreitung der Einkommensgrenze dort), müssen zumindest die entsprechenden Krankenversicherungsbeiträge nachgezahlt werden.

2. Die Tätigkeit sollte auf alle Fälle schnellst möglich angemeldet werden, damit zumindest die zukünftigen Rechnungen rechtsgültig sind.
Wie bei einer rückwirkenden Anmeldung mit den vorher falsch erstellten Rechnungen umzugehen ist, darüber kann das zuständige Finanzamt Auskunft geben.
Sollte das Finanzamt die Auskunft erteilen, dass keinerlei Konsequenzen aus der rückwirkenden Anmeldung erwachsen, weil die Einkünfte sowieso unterhalb des Steuerfreibetrags lagen, sollte sich das die hypothetische Person am besten schriftlich geben lassen.
Problematisch sind falsch ausgestellte und daher nicht rechtsgültige Recnungen, die bereits beglichen sind, für die hypothtische Person ohnehin nicht (mehr), ggf. aber für eventuelle Auftraggeber_innen. Wenn die wiederum ihre Steuererklärung machen und anhand der Rechnungen Ausgaben nachweisen oder wenn Förderungen für die Ausgaben geltend gemacht werden und festgestellt wird, dass als Nachweis vorgelegte Rechnung nicht rechtsgültig ist/war, kann das Einfluss auf die Erstattung von Fördermitteln oder die Berücksichtigung bei der Steuererklärung haben.

Ich hoffe, das hilft dir etwas weiter!
Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgf sowie in unserer Broschüre „Selbstständigkeit und Studium“ https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​p6n

Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​X2R
Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort persönlich beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wen-den.

Beste Grüße
Andrea
DGB-Jugend Studierendenberatung

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