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Studierenden-Beratung

Werkvertrag Masterarbeit

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe dringende Fragen zu meinem Werkvertrag. Ich werde ab September meine Masterarbeit in einem Amt beginnen. Das Vertragsverhältnis wird über einen Werkvertrag geregelt. Hierzu wird ein Angebot gefordert, das nach Erfüllung der geforderten Leistung mit 2000 € vergütet wird (sprich 500 € pro Monate für 4 Monate). Laut Finanzamt muss ich eine freiberufliche Tätigkeit anmelden. Ist das richtig?
Wenn ja, inwieweit verändert sich dann meine versicherungstechnische Situation? Aktuell bin ich über eine private Krankenkasse zu einem Studentenbeitrag versichert. Muss ich mich nun gesetzlich versichern lassen? Oder ändert sich nur mein Beitrag bei der privaten? Ich habe bereits zahlreiche Anrufe getätigt und keiner konnte mir fachlich weiterhelfen.

Eine weitere Frage. Ist es möglich als Student, der eine freiberufliche Tätigkeit ausübt (in Form seiner Masterarbeit über einen Zeitraum von 4 Monaten) nebenher geringfügig beschäftigt, also auf 450€-Basis, zu sein?

Vielen herzlichen Dank im Voraus.

RE: Werkvertrag Masterarbeit

Hallo Liebe Andrea,

wie sähe das ganze Konstrukt in Bezug auf das BaföG aus? 

Ich schreibe ab April meine Masterarbeit in einem Betrieb und erhalte 700€/Monat Aufwandsentschädigung im Rahmen eines Werkvertrages über 5,5 Monate. Bis lang habe ich den BaföG Höchsatzerhalten. Nun die Frage, ob die 700€ als "Ausbildungsvergütung" komplett angerechnet werden oder ob das als normales Einkommen aus einer "selbstständigen Arbeit" anerkannt wird. Leider habe ich sowohl bei der BaföG Hotline als auch der Sachbearbeiterin meines Studentenwerks keine Kriterien für eine Unterscheidung genannt bekommen.

Ich hoffe du kannst mir weiterhelfen.
Gruß
M.

RE: Werkvertrag Masterarbeit

Hallo Marco,

Vergütung aus einem Masterand_innenvertrag gelten wie Einkommen aus Pflichtpraktika grundsätzlich als Ausbildungsvergütung. Der Einkommensfreibetrag im BAföG in Höhe von 290€/Monat wird dann nicht gewährt.
Die Vergütung wird aber dennoch um die Sozialpauschale und die Werbungskostenpauschale bereinigt, so dass nicht die kompletten 700€/Monat angerechnet werden.

Die Werbungskostenpauschale beträgt 1000€/Jahr, das sind dann entweder anteilig ca. 83€/Monat oder (wenn du sonst kein weiteres Einkommen aus abhängiger Beschäftigung oder Praktika im Jahr hast) die kompletten 1000€. Die Sozialpauschale beträgt 21,3%.

Hast du tatsächlich einen Werk- und keinen Masterand_innenvertrag, handelt es sich um eine selbstständige Tätigkeit. Für diese kann, neben der Bereinigung um die Sozialpauschale,  der Freibetrag in  Höhe von 290€/Monat gewährt werden, nicht aber die Werbungskostenpauschale.

Ein Masterand_innenverhältnis zeichnet sich dadurch aus, dass du keine direkt für den Betrieb verwertbare Arbeitsleistung erbringst. Üblich ist, dass z.B. deine Forschungsergebnisse oder ähnliches dann vom Betrieb genutzt werden können, im Gegenzug erhältst du z.B. Zugriff auf Daten, Arbeitsmittel (wie spezielle Geräte und Maschinen) oder kannst Betriebsräume nutzen. Hier kannst du dir einen Mustervertrag anschauen.
Erhältst du für die Erstellung deiner Abschlussarbeit eine Vergütung, ist diese grundsätzlich sozialversicherungsfrei.

Ein Werkvertrag wiederum ist eine Vertragsart für eine selbstständige Tätigkeit. Was das bedeutet, hatte ich weiter oben ja schon erläutert. Beachte, dass hier Kosten auf anderer Ebene entstehen können (z.B. für Gewerbeanmeldung, Mitgliedsbeitrag in einer Kammer, ggf. Rentenversicherungspflicht, ggf. Krankenversicherungspflicht als Selbstständiger etc.), so dass du trotz BAföG-Freibetrag finanziell nicht zwingend besser dastehst. Das müsste im konkreten Einzelfall angeschaut werden.
Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium.

Es tut mir leid, dass wir keine genaueren Aussagen zu deiner konkreten Situation bzw. deinem Vertrag treffen können. Wende dich am besten mal an die Sozialberatung des örtlichen Studierendenwerks. Das sind nochmal andere Menschen als die Sachbearbeiter_innen im BAföG-Amt. Vielleicht können die mit dir mal gucken, ob dein Vertrag ein klassischer Werkvertrag ist (also eine selbststänbdige Tätigkeit vorliegt) oder es sich doch um eine Masterand_innenverhältnis handelt. Mit letzterem hättest du eventuell insgesamt etwas weniger Geld im Monat, aber dafür deutlich weniger Stress. Wenn es Spielraum in beide Richtungen gibt, musst du gucken, was für dich in deiner persönlichen Situation sinnvoller ist.

Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden. Nutze für Anfragen zukünftig bitte nicht mehr die Kommentarfunktion, sondern öffne einen eigenen Beitrag auf der Startseite der Onlineberatung. Danke!

Beste Grüße
Andrea
DGB-Jugend Studierendenberatung

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Euer DGB Jugend-Beratungsteam

RE: Werkvertrag Masterarbeit

Hallo Andrea,

vielen Dank für deine Antwort. Das hilft mir schon einmal sehr weiter. Eine weitere Nachfrage habe ich noch zu deiner Aussage :

"Ein Masterand_innenverhältnis zeichnet sich dadurch aus, dass du keine direkt für den Betrieb verwertbare Arbeitsleistung erbringst. Üblich ist, dass z.B. deine Forschungsergebnisse oder ähnliches dann vom Betrieb genutzt werden können, im Gegenzug erhältst du z.B. Zugriff auf Daten, Arbeitsmittel (wie spezielle Geräte und Maschinen) oder kannst Betriebsräume nutzen. Hier kannst du dir einen Mustervertrag anschauen."

Verstehe ich richtig: Ich bin in keinem Masterandenverhältnis, wenn die Ergebnisse der wissenschaftliche Arbeit eine direkt Relevanz für das Unternehmen haben? Sagen wir, ich für eine Marketing Analyse für das Unternehmen durch, dessen Ergebnisse für die weitere Strategische Ausrichtung des Unternehmens von Belang ist. Ist dann der Tatbestand des Masterandenverhältnis nicht erfüllt?

Anderenfalls möchte ich dich noch einmal bitten den Begriff "direkt für den Betrieb verwertbare Arbeitsleistung" noch einmal genauer zu erklären. Was ist dann genau darunter zu verstehen?

Vielen lieben Dank noch einmal,
Liebe Grüße
M.

RE: Werkvertrag Masterarbeit

Hallo Marco,

schau dir mal den Mustervertrag für Masterand_innenverhältnisse an. Dann wird dir vielleicht schon einiges klarer. Diesen kannst du auch mal mit deinem Werkvertrag vergleichen und schauen, ob bzw. wo es inhaltliche Abweichungen gibt.

Mit "keine direkt für den Betrieb verwertbare Arbeitsleistung" ist aber nicht die Abschlussarbeit selber gemeint. Hier ist das Wörtchen direkt relevant. Wenn Unternehmen an den Ergebnissen kein Interesse hätten und diese nicht verwenden dürften, würden sie vermutlich erst gar keine Masterand_innen beschäftigen.

Gemeint ist damit, was du in der Zeit der Erstellung der Abschlussarbeit im/für den Betrieb tust. Gehört es z.B. neben der Auswertung von Daten für deine Masterarbeit zu deinen Aufgaben, auch noch andere Daten auszuwerten und die z.B. wöchentlich dem Betrieb zur Verfügung zu stellen, wäre das eine direkt für den Betrieb verwertbare Arbeitsleistung. Auch Telefondienst, das Bedienen von Maschinen im Produktionsablauf, Kopien für andere Mitarbeiter_innen anfertigen oder gar die normale (auch zeitweise) Mitarbeit im Betrieb sind direkt verwertbare Arbeitsleistungen. Wenn das bei dir dabei ist, handelt es sich nicht um ein klassisches Masterand_innenverhältnis.

Wenn deine wissenschaftliche Arbeit aber eine Marketing Analyse ist, die das Unternehmen nach Fertigstellung deiner Arbeit bekommt, können sie diese selbstverständlich verwenden (sofern das so vertraglich mit dir vereinbart ist, du deine Rechte an der Arbeit also entsprechend an das Unternehmen abgetreten bzw. denen die Nutzung erlaubt hast).

Ich hoffe, das ist jetzt etwas verständlicher.

Beste Grüße
Andrea

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