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Studierenden-Beratung

Werkstudent Ü30: Lohnt sich das noch finanziell?

Hallo ihr Lieben,
ich bin Werkstudent und arbeite seit einem Jahr als Betreuer auf 20 Stunden in der Woche. Mein Gehalt beläuft sich ca. auf 1600€ Brutto. Das waren bisher ca. 1300€ Netto.
Nun läuft Ende diesen Monats mein 14. Fachsemester ab. Außerdem werde ich in ein paar Monaten 30 und meine Krankenkasse kann mir nur noch anbieten mich als Student freiwillig zu versichern. Daraus errechnet meine Krankenkasse einen monatlichen Beitrag von knapp 300€ den ich in Zukunft zahlen soll. !!

Da das für mich grad alles ziemlich plötzlich kommt, stehe ich bei der Frage, ob sich der Werkstudentenstatus für mich überhaupt noch lohnt ein bißchen auf dem Schlauch und bitte euch um Hilfe.
Meine derzeitige Überlegung ist, insofern mein Arbeitgeber das kurzfristig mitmacht, mich in Teilzeit anstellen zu lassen und trotzdem weiter Student zu sein. Mein Arbeitgeber müsste ja dann ca. die Hälfte der 300€ Krankenkassengebühren übernehmen, wenn ich das richtig sehe.
Nichtsdestotrotz habe ich Angst das ich gerade andere wichtige Vorteile des Werkstudentenstatus' übersehe und ich dann "woanders" mehr Geld zahlen muss...

Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.
Beste Grüße
EF

RE: Werkstudent Ü30: Lohnt sich das noch finanziell?

Hallo,

ich habe eigentlich exakt das gleiche Problem wie der Fragesteller. Ich arbeite 20 Stunden die Woche und bin 30. Mein Gehalt liegt bei 1350 Brutto. Allerdings sind mehr Wochenstunden für mich keine Option. Eigentlich wollte ich auf 15 verringern.

Ich habe gelesen, dass es günstiger sei sich dann privat versichern zu lassen. Stimmt das? Und kann ich nach dem Studium wieder problemlos zurück in die gesetzliche KKV?

Oder lohnt sich am Ende ein ungelernter 450€ Job wieder mehr, als ein guter Stundenlohn im eigentlichen Studienfach?

LG Kevin

RE: Werkstudent Ü30: Lohnt sich das noch finanziell?

Hallo Kevin,

vielen Dank für deine Anfrage.

Wenn du ü30 bist und dadurch die Möglichkeit wegfällt, dich studentisch (für um die 110€/Monat) zu versichern, bleiben nur die beiden Optionen, dich gesetzliche freiwillig (für 14% bzw. 14,6% des beitragspflichtigen Einkommens fällig, mind. um die 180€/Monat) oder eben privat zu versichern.
Letzteres ist aber oft nur auf den ersten Blick tatsächlich günstiger. Günstige Beiträge gehen hier nämlich oft mit viel Selbstbehalt einher. Zudem musst du nicht selten in Vorleistung gehen (auch das sollte mitbedacht werden). Das bedeutet: wirst du krank und kannst dir dann deine Medikamente oder gar eine eventuelle Krankenhausbehandlung nicht leisten, weil du einen zu hohen Selbstbehalt vereinbart hast oder gerade kein Geld hast, um in Vorleistung zu gehen, kann das ganz schön nach hinten losgehen. Private Krankenversicherungen unterliegen nämlich nicht den Regelungen der Sozialgesetzgebung. Ausschlaggebend ist der Versicherungsvertag.
Nicht umsonst können sich voll sozialversicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmer*innen erst bei einem Jahreseinkommen von deutlich über 60.000€ von der Versicherungspflicht in der KV befreien lassen und sich privat versichern.

Nach dem Studium zurück in die gesetzliche KV würdest du aber mit Aufnahme einer abhängigen Beschäftigung mit über 450€/Monat sowieso wieder kommen. Solltest du dann allerdings keinen Job finden oder dich für die Selbstständigkeit entscheiden, kann es schon schwieriger werden.

Es gibt aber eventuell auch noch eine andere Option, die für dich günstiger ist:
Über den Job krankenversichert sein kannst du als regulärer Vollzeitstudent leider nur, wenn du regelmäßig mehr als 20h/Woche arbeitest, was du ja nicht möchtest. Aber vielleicht ist der Wechsel ins Teilzeitstudium für dich denkbar? Denn wenn du Teilzeit studierst und nicht nachweist, dass das Studium mehr als 50% eines Vollzeitstudiums in Anspruch nimmt, wirst du auch bei einer Arbeitszeit von unter 20h/Woche voll sozialversicherungspflichtig. Hier werden insgesamt knapp 20% vom Einkommen in die SV abgeführt (anstatt 9,3% im Werkstudistatus + KV-Kosten), dafür bist du dann aber über den Job nicht nur renten-, sondern auch kranken-, pflege- und arbeitslosenversichert und erwirbst entsprechende Leistungen (z.B. auf Krankengeld oder ggf. später Alg I). Das wäre wohl die günstigste Variante.

Solltest du schon recht am Ende deines Studiums sein, hättest du durch ein Teilzeitstudium vermutlich noch nichtmal größere Verzögerungen zu befürchten, da kommt aber auf den Studiengang und die Hochschule an.

Aber egal wie: mit einem 450€-Job kämst du in jedem Fall nicht günstiger weg als mit deinen 1350€ brutto. Der Beitrag für die freiwillige KV steigt zwar, wenn dein Einkommen oberhalb der Mindestbemessungsgrenze von derzeit 1096,67€/Monat liegt, wenn du aber nur 450€/Monat verdienst, werden deine Beiträge nicht günstiger, sondern so berechnet, als ob du 1096,67€/Monat verdienen würdest. Es werden also auch dann mind. 180€/Monat für die freiwillige KV (inkl. PV) fällig, wenn du nur 450€/Monat verdienst. Schau auch mal hier.

Ich wünsche dir eine gute Lösung!

Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

Beste Grüße
Andrea
DGB-Jugend Studierendenberatung

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