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Studierenden-Beratung

Werkstudentin + Masterandin gleichzeitig

Hallo liebes DGB Jugend Team,

ich arbeite momentan 20 Stunden/Woche als Studentische Hilfskraft an einem Forschungsinstitut, wo ich ab November "nur" meine Masterarbeit schreibe. Außerdem möchte ich ab November einen Werkstudentenjob mit 20 Stunden die Woche bei einem Unternehmen annehmen.

1. Fällt mein Job am Institut nicht unter die 20 Stunden Regel, da ich dort nur meine Masterarbeit schreibe und keine sonstigen Aufgaben bekomme? Ich gehe davon aus, dass ich am Institut keinen Masterandenvertrag bekommen würde. 

2. Soll ich die 26 Wochen Regel ausnutzen und meinen Vertrag am Institut befristen lassen?

3. Soll ich die Arbeitszeit am Insitut auf 40 Stunden die Woche verringern, damit ich dort einen Minijob und damit keine Sozialabgaben habe?

In welcher Konstellation wäre es sonst möglich, beide Jobs anzunehmen?

Vielen Dank im Voraus und viele Grüße

Megi Andoni

RE: Werkstudentin + Masterandin gleichzeitig

Hallo,

vielen Dank für deine Anfrage und entschuldige unsere verspätete Antwort. Sollten sich über die Zeit neue oder andere Fragen ergeben haben, stelle gerne eine neue Anfrage auf der Startseite der Onlineberatung.

Bist du als Masterand*in ausschließlich zur Erstellung deiner Abschlussarbeit im Unternehmen und erbringst keine direkt für den Betrieb verwertbare Arbeitsleistung, zählt die Zeit, die du dort verbringst nicht als Arbeitszeit, sondern als Zeit für dein Studium (ähnlich wie bei Pflichtpraktika) und damit nicht in die 20h-Regel mithinein.

Es gibt in der Sozialversicherung auch einen speziellen Status für Masterand*innen. Erhälst du eine Vergütung, ist diese zwar steuerpflichtig, aber grundsätzlich sozialversicherungsfrei.

Treffen die Voraussetzungen für eine Masterand*innenstelle also auf dich zu und wirst du von deinem Arbeitgeber auch entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet, würden die Stunden nicht unter die 20h-Regel fallen. Wenn du dir hierbei unsicher bist, kannst du deinen Status auch von der Rentenversicherung prüfen lassen.

Wenn du nebenbei noch als Werkstudent*in in einem anderen Betrieb tätig bist, ist das in der Regel kein Problem.

Wird deine Tätigkeit im Institut nicht als Masterand*innentätigkeit anerkannt, würdest du quasi zwei Midijobs miteinander kombinieren, die in der Summe die 20h-Regel überschreiten. Entsprechend finden die Regelungen für Werkstudierende keine Anwendung mehr, was aber auch nicht besonders schlimm ist. Schließlich kannst du als Student*in soviel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Status in der Uni hat dies keinen Einfluss. Was passiert in der Kombination?

Ein Midijob ist eine sozialversicherungspflichtige, abhängige Beschäftigung, bei der du ein Arbeitsentgelt im „Übergangsbereich“ erhälst – zwischen 520 – 2000€/Monat. Das bedeutet, dass nicht gleich dein gesamtes Einkommen zur Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge herangezogen wird, sondern nur ein bestimmter Teil. Da du mit deinem Stundenumfang die 20h-Regel überschreitest, müssten dich beide Arbeitgeber*innen als sozialversicherungspflichtige/r Arbeitnehmer*in anmelden. Du zahlst somit in beiden Jobs die regulären Sozialversicherungsbeiträge (um die 20%).

Was solltest du steuerlich beachten? Mehrere Beschäftigungen laufen in der Regel über unterschiedlichen Lohnsteuerklassen, sodass es zu relativ hohen Steuereinzügen über deine LSK 6 kommen kann (Besteuerung ab dem 1. Ct). Der Steuergrundfreibetrag von 10.908€/Jahr ist nur auf Lohnsteuerklasse 1 eingetragen. Erst wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig. Sämtliche zu viel eingezogenen Steuern kannst du am Jahresende mit einer Steuererklärung zurückbekommen.

Was hat es mit der 26-Wochen Regel auf sich?

Fällt die über der 20h/Woche liegende Arbeitszeit in maximal 26 Wochen im Jahr durch befristete (!) Beschäftigungen/Arbeitszeiterhöhungen auf abends, nachts oder das Wochenende, bleibt der Werkstudent*innenstatus weiterhin erhalten. Weitere Ausnahmen bestehen insbesondere in der vorlesungsfreien Zeit, wobei die Wochen mit einer Arbeitszeit von über 20h in den Semesterferien auch in die 26 Wochen mit hineinzählen.

Arbeitest du allerdings regelmäßig deutlich mehr als 20h/Woche, ist in der Regel nicht mehr davon auszugehen, dass dein Studium im Vordergrund steht.

Und schließlich zu deiner dritten Frage:

Die Reduzierung der Stunden ist natürlich eine Möglichkeit, die du in Betracht ziehen kannst. Die Entscheidung können wir dir jedoch nicht abnehmen. Folgendes würde auf dich zukommen:

Die Kombination von Midijob und Minijob bzw. geringfügiger Beschäftigung ist relativ problemfrei möglich. In dem Midijob wirst du sozialversicherungspflichtig angemeldet, der Minijob bleibt hingegen sozialversicherungsfrei (bis auf 3,6% rentenversicherung).

Steuerlich kann ein Minijob pauschal mit 2% versteuert werden. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden. Nur wenn der Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet wird, fällst du dort in Steuerklasse 6.

Hingegen sind die Geringfügigkeitsrichtlinien zu beachten: es darf nicht mehr als 520€/Monat verdient werden, um von den oben genannten Punkten zu profitieren.

Nur wenn der Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet wird, fällst du dort in Steuerklasse 6.

Ich hoffe, die Infos helfen dir bei deiner Entscheidung weiter!

Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort direkt beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

Beste Grüße
Cecilia
DGB-Jugend Studierendenberatung

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RE: Werkstudentin + Masterandin gleichzeitig

Zitat: "Bist du als Masterand*in ausschließlich zur Erstellung deiner Abschlussarbeit im Unternehmen und erbringst keine direkt für den Betrieb verwertbare Arbeitsleistung, zählt die Zeit, die du dort verbringst nicht als Arbeitszeit, sondern als Zeit für dein Studium (ähnlich wie bei Pflichtpraktika) und damit nicht in die 20h-Regel mithinein.

Es gibt in der Sozialversicherung auch einen speziellen Status für Masterand*innen. Erhälst du eine Vergütung, ist diese zwar steuerpflichtig, aber grundsätzlich sozialversicherungsfrei."

Wie erhält man diesen speziellen Status? Worauf muss man da achten ?

Gruß

Denis

RE: Werkstudentin + Masterandin gleichzeitig

Hallo Denis,

dein Arbeitgeber ist hierfür verantwortlich und kann dich entsprechend in der Sozialversicherung anmelden. Schau am besten online nach Musterverträgen und sprich es einfach mal an. Möglicherweise kennt dein Arbeitgeber diesen Status noch gar nicht.

In unserer Broschüre zum Thema "Studium Bafög Job" findest du die wichtigsten Infos hierzu nochmal zusammengefasst.

Ein Masterand*innenverhältnis zeichnet sich dadurch aus, dass du keine direkt für den Betrieb verwertbare Arbeitsleistung erbringst. Üblich ist, dass z.B. deine Forschungsergebnisse oder ähnliches dann vom Betrieb genutzt werden können, im Gegenzug erhältst du z.B. Zugriff auf Daten, Arbeitsmittel (wie spezielle Geräte und Maschinen) oder kannst Betriebsräume nutzen.
Erhältst du für die Erstellung deiner Abschlussarbeit eine Vergütung, ist diese grundsätzlich sozialversicherungsfrei.

Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden. Nutze für Anfragen zukünftig bitte nicht mehr die Kommentarfunktion, sondern öffne einen eigenen Beitrag auf der Startseite der Onlineberatung. Danke!

Beste Grüße
Cecilia
DGB-Jugend Studierendenberatung

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