© DGB/123RF.com

Studierenden-Beratung

Long Covid und kein Einkommen mehr

Im April hatten ich und meine Freunding beide Corona. Mir ging es schnell wieder gut, sie hat seitdem long covid und ist krankgeschrieben. Sie kann eigentlich nichts mehr machen. Es wird langsam besser, dauert aber ewig. Sie hatte vor der Erkrankung 2 Jobs mit insgesamt 20 Std. Arbeitszeit an der Uni. Einer davon (6 Std / Woche) ist ausgelaufen, bei dem anderen läuft der Arbeitsvertrag noch. Sie hat 6 Wochen lang eine Gehaltfortzahlung bekommen, danach aber nichts mehr. Die Krankenkasse sagt, dass sie als Studentin keinen Anspruch auf Krankengeld hat. Faktisch heißt das, dass sie seit Anfang Juni kein Einkommen mehr hat und voraussichtlich auch noch einige Monate keines haben wird. Könnt Ihr mir helfen und sagen was man machen kann, wo mann ggf. Förderungen oder Hilfen beantragen kann und was überhaupt in Frage kommt? Ihr würdet uns damit wirklich helfen!

Dankeschön!

RE: Long Covid und kein Einkommen mehr

Hallo,

vielen Dank für deine Anfrage.

Leider ist es tatsächlich so, dass Werkstudent*innen keinen Anspruch auf Krankengeld haben. Hintergrund ist, dass bei ihnen nicht, wie bei anderen Arbeitnehmer*innen von ihrem Gehalt Beiträge in die gesetzliche Krankenversicherung abgeführt werden. Die studentische Pflichtversicherung beinhaltet grundsätzlich keinen Krankengeldanspruch.

In der Regel haben Studierende auch keinen Anspruch auf Leistungen aus dem SGB II (ALG II, auch „Hartz IV“ genannt). Es gibt aber Ausnahmen, z.B. wenn du während des Semesters mehr als 12 Wochen krank bist. Hintergrund ist, dass von regulären SGB II-Leistungen ausgeschlossen ist, wer einer BAföG-förderungsfähigen Ausbildung nachgeht - und das trifft auf so ziemlich jedes grundständige Vollzeitstudium zu, unabhängig davon, ob man persönlich Anspruch auf BAföG hat. Jedoch entfällt die BAföG-Förderungsfähigkeit des Studiums, wenn man länger als 12 Wochen krankgeschrieben ist. In den Fällen können dann ganz reguläre Leistungen – gegebenenfalls ergänzend – gewährt werden.

Sollte deine Freundin die 12 Wochen noch nicht voll haben, gibt es aber eventuell noch eine andere Möglichkeit, ALG II beantragen zu können und zwar, wenn sie sich vom Studium beurlauben lässt, was an einigen Hochschulen bei Krankheit auch rückwirkend möglich ist. Denn wer vom Studium beurlaubt ist, geht keiner BAföG-förderungsfähigen Ausbildung nach und kann ALG II gewährt bekommen.

Der "Haken" an einer rückwirkenden Beurlaubung könnte im Fall deiner Freundin allerdings sein, dass sie dann auch für das gesamte bisherige Semester beurlaubt ist und entsprechend der Werkstudent*innenstatus im Job schon ab April nicht greift. Sie müsste dann ggf. rückwirkend für 3 Monate die regulären Sozialversicherunsgbeiträge nachzahlen (könnte aber die bereits im Semester gezahlten Beiträge zur studentischen KV von der Krankenkasse zurückfordern). "Haken" habe ich in Anführungszeichen gesetzt, da dies zwar erstmal stressig klingt, im Endeffekt sie aber sogar ins Krankengeld befördern könnte. Denn wenn sie voll sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist, also auch Beiträge vom Gehalt in die KV abgeführt werden, besteht Anspruch auf Krankengeld. Ich muss aber ehrlich sagen, dass ich so einen Fall rückwirkender Beurlaubung in Verbindung mit daraus entstehendem Statuswechsel innerhalb der Sozialversicherung im Job + in Verbindung mit bereits abgelaufenem Anspruch auf Entgeltfortzahlung noch nicht erlebt habe udn daher gerade etwas unsicher ist, wie die Krankenkasse reagiert.
Lohnen würde sich ein rückwirkendes Urlaubssemster, sofern das an der Hochschule deiner Freunding möglich ist, finanziell aber in jedem Fall - ob es dann doch Krankengeld wird oder ALG II greift - oder beides. Denn wenn Krankengeld gezahlt wird, dieses aber den sozialhilferechtlichen Bedarf nicht deckt, kann auch da ergänzend ALG II beantragt werden.

Lest euch mal unsere Seiten zu ALG II für Studis und unsere Corona-FAQs zu Sozialleistungen durch, da findet ihr weitere Infos.

Ist eine rückwirkende Beurlaubung vom Studium nicht möglich, bleibt in Bezug auf ALG II leider nur ausharren, bis die 12 Wochen vorbei sind und - sollte es ihr bis zum Wintersemesterbeginn noch immer nicht gut gehen - fristgerecht ein Urlaubssemester fürs kommende Semester zu beantragen.

Eventuell ist auch ein Überbrückungsdarlehen über die studentische Darlehenskasse möglich. Dazu müsste sie sich beim örtlichen Studierendenwerk beraten lassen und ggf. dort einen Antrag stellen.

Sollte es ihr bis Oktober etwas besser gehen, aber nicht gut genug, um voll studieren und nebenbei arbeiten zu können, kann auch ein Teilzeitstudium eine Möglichkeit sein. Auch im Teilzeitstudium besteht ggf. Anspruch auf ALG II.

Übrigens: Falls deine Freundin Gewerkschaftsmitglied ist, hat sie Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und ggf. Rechtsschutz über ihre Mitgliedsgewerkschaft. Das gilt auch für den Bereich Sozialrecht! Das heißt, sie kann sich bei Problemen mit dem Jobcenter ggf. direkt an ihre Gewerkschaft wenden.

Ich wünsche ihr auf alle Fälle viel Erfolg, eine möglichst unkomplizierte Lösung zu finden und dass es ihr bald wieder besser geht!

Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort direkt beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

Beste Grüße
Andrea
DGB-Jugend Studierendenberatung

Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook!
Übrigens: Solidarität geht immer! Mitglied werden

Neue Antwort

Die mit '*' gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.

Jobs
Bist du Gewerkschaftsmitglied?*
Darf deine Telefonnummer oder deine E-Mail-Adresse an interessierte Journalist*innen für Hintergrundgespräche, Zitate oder Interviewanfragen weitergegeben werden?*
Über Antworten und Kommentare zu meiner Anfrage im Forum möchte ich per E-Mail informiert werden.*