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Studierenden-Beratung

Minijob & Honorarkraft

Ich bin angestellt in einem Theater wo ich auf Minijobbasis arbeite. 
Ich könnte für einen Monat als Honorarkraft in der Schule arbeiten und währenddessen in meinem Minijob pausieren (das Theater ist genau in diesem Zeitraum eh geschlossen). 

Ist dies möglich? Oder kommen dann Steuern o.Ä. auf mich zu wenn ich für 2 Beschäftigungen dennoch angestellt bin? Ich werde im Monat nicht über 450€ verdienen und bin noch familienversichert. Aber ich will auch beim Theater nicht extra kündigen, da ich nach dem 1 Monat Arbeit in der Schule wieder zurück könnte in s Theater.

:/ 

Danke im Vorraus für die Antwort ! 

RE: Minijob & Honorarkraft

Hallo,

vielen Dank für deine Anfrage.

Grundsätzlich dürfen auch Student*innen so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Status innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss.

Welche Auswirkungen welche Jobkombi in den unterschiedlichen Bereichen BAföG, Steuern und Sozialversicherung dann hat, hängt maßgeblich von Art und Umfang der einzelnen Jobs und der jeweiligen sowie gesamten Einkommenshöhe ab.

Erstmal müsste also geschaut werden, um welche Jobart es sich bei dem Job in der Schule handelt. Der Begriff "Honorarkraft" lässt auf eine selbstständige Tätigkeit schließen, gleichzeitig schreibst du aber auch von Anstellung ( = abhängige Beschäftigung).

Daher sehe ich gerade 3 verschiedene denkbare Kombinationsvarianten:

1. Minijob Theater + Minijob Schule
2. Minijob Theater + kurzfristige Beschäftigung Schule
3. Minijob Theater + Honorarbasis Schule/selbstständige Tätigkeit

1. Variante:
Wenn du in beiden Jobs nicht mehr als jeweils 450€/Monat verdienst, handelt es sich bei beiden um geringfügige Beschäftigungen/Minijobs. Diese werden in der Sozialversicherung (SV) zusammengerechnet.
Verdienst du in beiden Jobs zusammen nicht mehr als 450€/Monat, werden beide nach Minijobregeln abgerechnet. Dann fallen jeweils 3,6% Rentenversicherungsbeiträge an. Von diesen kannst du dich auch befreien lassen, erwirbst dann aber entsprechend keine Rentenansprüche daraus.

Steuerlich können beide Minijobs pauschal mit 2% versteuert werden. Werden die Minijobs aber über deine Steuer-ID abgerechnet wird, fällst du in einem davon in die ungünstige Lohnsteuerklasse 6. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 10.347€/Jahr (plus 1200€ Werbungskostenpauschale) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
Du kannst aber im Folgejahr mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen.

2. Variante:
Jobs, die auf höchstens 3 Monate oder 70 Tage im Jahr befristet sind, können als kurzfristige Beschäftigung angemeldet und abgerechnet werden. Das könnte also ebenfalls für den Job in der Schule zutreffen.
450€-Minijobs und kurzfristige Beschäftigungen werden in der SV nicht zusammengerechnet und das Gehalt aus kurzfristiger Beschäftigung ist grundsätzlich sozialversicherungsfrei. Auch bei der gesetzlichen Familienversicherung zählt es nicht als Einkommen.

Steuerlich liefe es ähnlich wie bei Variante 1. Wird dein bisheriger Minijob pauschal versteuert, liefe die kurzfristige Beschäftigung über LSK 1 und du hättest keine Steuereinzüge. Werden beide Jobs über deine Steuer-ID abgerechnet, landet ein Job in LSK 1, der andere in LSK 6. Das trifft auch zu, wenn du in einem der beiden Jobs in einem Monat Null Euro verdienst (dazu weiter unten noch was).

3. Variante:
Bei dem Job an der Schule handelt es sich um eine selbstständige Tätigkeit auf Honorarbasis.

Wenn du selbstständig tätig bist, bist du quasi dein*e eigene*r Chef*in und dementsprechend auch selbst für deine korrekte Anmeldung beim Finanzamt und der Sozialversicherung zuständig. Auch für das Abführen von Steuern und SV-Beiträgen bist du dann selbst verantwortlich (Stichwort Steuererklärung).

Wenn du gegen Honorar u.a. einer wissenschaftlichen, erzieherischen oder unterrichtendenTätigkeit nachgehst, handelt es sich um eine freiberufliche Tätigkeit. Dann musst du nicht zusätzlich noch ein Gewerbe anmelden.
Beim Finanzamt meldest du dich mit dem Formular "Fragebogen zur steuerlichen Erfassung" an. Nach deiner Anmeldung erhältst du eine Steuernummer (das ist etwas anderes als deine Steuer-ID!), die dann zukünftig zwingend auf deine Rechnungen drauf muss. Auch ein Honorarerstattungsantrag ist formal eine Art Rechnung.
Du kannst also erst eine rechtsgültige Rechnung schreiben, wenn du angemeldet bist. Steuern werden auch hier erst fällig, wenn du insgesamt mehr als den Steuergrundfreibetrag verdienst. Zusätzlich könnten auch noch die Regelungen zur Übungsleiter_innenpauschale greifen.

Auch deiner Krankenkasse musst du die Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit melden. Solange du dort als nebenberuflich selbstständig eingestuft wirst, kannst du während des Studiums in der gesetzlichen Familienversicherung bleiben oder dich - je nach Alter und Einkommenshöhe - studentisch krankenversichern.

Beachte, dass für Selbstständige die üblichen Arbeitnehmer*innenrechte wie Kündigungsschutz, Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall oder bezahlten Urlaub nicht gelten. Auch für deine soziale Absicherung (z.B. bei Auftragsflaute) bist du dann selbst verantwortlich. Und du musst dich um deinen Papierkram kümmern, wie Rechnungen sammeln, Ausgaben dokumentieren, ggf. vor- und nachbereiten etc. (auch das ist Arbeitszeit, die du berücksichtigen solltest!). Deshalb empfehlen wir, bei Honorarverhandlungen für selbstständige Tätigkeiten mind. das Doppelte dessen zu veranschlagen, was du in einer vergleichbaren Angestelltentätigkeit für einen angemessenen Stundenlohn hältst.
Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier sowie in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium.

Nun noch zu dem Punkt, dass du bei deinem Minijob im Sommer nichts verdienst, obwohl der Vertrag weiterläuft (wenn ich dich da richtig verstanden habe). Das ist eigentlich nicht korrekt.
Selbst wenn du nach Arbeitsanfall, also auf Abruf arbeitest und bezahlt wirst, muss eine wöchentliche Mindestarbeitszeit vereinbart sein. Diese musst du dann auch bezahlt werden, wenn es weniger/keine Arbeit gibt. Sollte das Theater in der Schließzeit Betriebsferien machen, müsstest du entsprechend bezahlten Urlaub haben. Dies nur zu deiner Info.

Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich dort direkt beraten lassen oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

Beste Grüße
Andrea
DGB-Jugend Studierendenberatung

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