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Studierenden-Beratung

Honorarbasis und geringfügig, kurzfristig studentische Hilfskraft

Hallo,

ich (bekomme Kindergeld, kinderlos, ledig) habe mich für zwei Stellen beworben:

als Honorarkraft mit 3-5h pro Woche

und als studentische Hilfskraft mit 3-6h pro Woche (geringfügig, kurzfristig)

Ich würde beides gerne machen.

Ich bin gesetzlich in der Familienversicherung mitversichert.

Worauf muss ich achten? Welche Grenzen gibt es? Wie ist das mit der Lohnsteuer? Wie ist das mit der 450€ Grenze? Kann ich beides überhaupt gleichzeitig als Student machen? Wie ist das mit den Sozialversicherungen?

Ich bin sehr verwirrt, Danke für die Hilfe!

RE: Honorarbasis und geringfügig, kurzfristig studentische Hilfskraft

Hallo,

vielen Dank für deine Anfrage.

Grundsätzlich kannst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest – auch wenn du studierst.
Exmatrikuliert wirst du deshalb nicht. Der Umfang deiner Erwerbstätigkeit hat aber Einfluss auf deinen Status in der Sozialversicherung.

Als Honorarkraft bist du selbstständig tätig. Du bist im Prinzip dein_e eigene_r Chef_in und dementsprechend auch selbst für deine korrekte Anmeldung beim Finanzamt und der Sozialversicherung zuständig. Auch für das Abführen von Steuern und SV-Beiträgen bist du dann selbst verantwortlich (Stichwort Steuererklärung).
Dabei gelten für deine Selbstständigkeit übrigens die gleichen Geringfügigkeitsgrenzen wie bei der abhängigen Beschäftigung. So fallen z.B. in der Regel keine Sozialversicherungsbeiträge an, wenn dein Gewinn nicht mehr als 450€ im Monat beträgt oder du in geringem zeitlichem Umfang von bis zu 70 Tagen bzw. bis zu drei Kalendermonaten selbstständig tätig bist.
Das gilt ganz analog zum Minijob und zur kurzfristigen Beschäftigung als abhängig Beschäftigte_r.
Es ist übrigens auch möglich, parallel geringfügig selbstständig und geringfügig abhängig beschäftigt sein.

Etwas irritiert hat mich deshalb dein Hinweis, du seist als Studentische Hilfskraft (SHK) kurzfristig beschäftigt. Wenn du regelmäßig als SHK arbeitest, bist du vermutlich zwar geringfügig, aber nicht unbedingt kurzfristig beschäftigt. Das sind zwei verschiedene Jobarten, die sich aber in der Sozialversicherung ganz ähnlich auswirken.



Zur Kranken- und Pflegeversicherung:

Bei der Familienversicherung kommt es auf dein Gesamteinkommen an. Die Einkünfte aus deiner selbstständigen Tätigkeit als Honorarkraft und aus deiner abhängigen Beschäftigung als SHK werden also addiert.
Die Einkommensgrenze in der gesetzlichen Familienversicherung beträgt 470€ im Monat ODER 450€ monatlich im Minijob. Verdienst du mehr, musst du dich selbst studentisch kranken- und pflegeversichern (um die 110€/Monat).
Bei deiner selbstständigen Tätigkeit wird für diese Einkommensgrenze nur der Gewinn (Einnahmen minus Betriebsausgaben) berücksichtigt.
Von deinen Einnahmen aus abhängiger Beschäftigung darfst du dafür noch Werbungskosten mindestens in Höhe der jährlichen Pauschale von 1000€ abziehen, wenn der Job nicht pauschal besteuert ist.
Was das bedeutet, erkläre ich im Steuerteil.

Auch aus der studentischen Kranken- und Pflegeversicherung kannst du fallen, wenn dein Studium nicht mehr im Vordergrund steht, sondern deine Arbeit. Um dies zu beurteilen, sind die 20-Stunden-Regel und die Frage relevant, ob du hauptberuflich selbstständig bist.
Bei Selbstständigkeit gilt die 20-Stunden-Regel anders als bei rein abhängigen Beschäftigungen nicht direkt, wird aber von manchen Krankenkassen der Einfachheit halber als Orientierungsgrenze herangezogen. Beachte, dass auch Vor- und Nachbereitungszeiten sowie dein Verdienst hier eine Rolle spielen. In Ruhe nachlesen kannst du dazu hier.



Zur Steuer:

Steuern zahlst du grundsätzlich nur auf das Einkommen aus Selbstständigkeit und Job, mit dem du den jährlichen Grundfreibetrag von aktuell (03/22) 9984€ (plus 1000€ Werbekostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung) überschreitest.
Bei selbstständiger Tätigkeit ist wieder nur dein Gewinn relevant.
Ob nun dein Arbeitsentgelt der SHK-Stelle angerechnet wird, hängt davon ab, ob diese als Minijob läuft und davon, wie dieser Minijob dann ggf. versteuert wird.
Es gibt nämlich zwei verschiedene Modelle:
Modell 1) Der Minijob wird pauschal mit 2% deines Entgeltes besteuert. Üblicherweise wird die Pauschale von den Arbeitgeber_innen abgeführt, kann aber theoretisch auch auf dich abgewälzt werden. Das Einkommen aus dem Minijob spielt für dein zu versteuerndes Jahreseinkommen in diesem Fall keine Rolle, denn mit den abgeführten 2% ist die Lohnsteuer abgegolten. Allerdings kannst du dieses Geld selbst dann nicht zurückholen, wenn du insgesamt unter dem Steuerfreibetrag bleibst.
Modell 2) Der Minijob wird nach den individuellen Lohnsteuerabzugsmerkmalen, im Prinzip also nach deiner Lohnsteuerklasse, besteuert. Das wird an Unis bei Minijobs häufig so gehandhabt. Dein Verdienst aus dem Minijob wird in diesem Modell auf deinen Steuerfreibetrag angerechnet und würde dann zu deinem Gewinn aus der Tätigkeit als Honorarkraft addiert.
Genauso würde dein Einkommen als SHK steuerlich gehandhabt, wenn du gar nicht als Minijobber_in gemeldet wärst.
Schau dich gerne auch noch einmal in unseren Informationen zum Thema Steuern um: https://jugend.dgb.de/-/inb.


Was das Kindergeld betrifft, musst du nichts Besonderes beachten. Solange du dich in deiner Erstausbildung befindest, spielt es keine Rolle, wie viel du verdienst. Als Studentin kannst du dann bis zum 25. Lebensjahr Kindergeld bekommen.


Wenn du noch Fragen hast, kannst du auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort nutzen oder dich gerne wieder an uns wenden.

Beste Grüße
Katherina
Studierendenberatung DGB-Jugend

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