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Studierenden-Beratung

Lohnsteuer bei Werkstudentin + Minijob

Liebes Team,

vielen Dank für eure Arbeit! Ich hätte eine Frage zu einer kurzfristigen Kombination meiner Werksstudentinnentätigkeit mit einem Minijob.

Ich bin mit 15h als Werksstudentin in einem Betrieb angestellt und verdiene 909€ brutto, also 833€ netto, denn die RV wird abgezogen.

Nun würde ich gerne kurzfristig eine Tutorinnenstelle an der Uni für 4 Monate mit 5h die Woche annehmen und verdiene dort 243€ brutto.

Wenn ich es richtig verstehe, ist das erst einmal in Ordnung, weil ich nicht über die 20h-Regel komme und somit bei beiden Jobs als Werksstudentin gelte. Aber wie ist das mit der Lohnsteuer? Wird diese dann bei beiden Jobs abgezogen? Muss ich meine beiden Arbeitgeber darauf hinweisen? Wie viel Lohnsteuer geht dabei ab?

Außerdem frage ich mich, ob die Tutorinnentätigkeit mit der Übungsleiterpauschale abgerechnet werden könnte? Muss ich dazu die Universität als Arbeitgeber fragen? Ist das ein bestimmtes Anstellungsverhältnis?

Vielen Dank!

Liebe Grüße
Mona

RE: Lohnsteuer bei Werkstudentin + Minijob

Hallo Mona,

vielen Dank für deine Anfrage.

Zunächst einmal darfst du auch als Studierende_r so viel arbeiten, wie du möchtest. Je nach Jobkombination hat das allerdings Auswirkungen in der Sozialversicherung. Es ist richtig, wenn du nicht über 20h/Woche arbeitest bleibst du Werkstudent_in, auch in der Kombination beider Jobs.

 

Steuern

Steuern werden von deiner_m Arbeitgeber_in direkt abgeführt, wenn dein Einkommen über den Freibetrag von 9.744€/Jahr kommt. Es ist daher wichtig, dass du allen Arbeitgebern deine jeweils andere(n) Tätigkeit(en) mitteilst. Dazu bist du verpflichtet, damit die Sozialversicherungsbeiträge und ggf. Steuern korrekt gezahlt werden können.

 

Für Minijobs gibt es zwei verschiedene Optionen zur Versteuerung:

a) Wenn dein Minijob über Steuer-ID abgerechnet wird und du so den Minijob gemeinsam mit deinem anderen versteuerst, so gilt für beide gemeinsam der jährliche Steuergrundfreibetrag i.H.v. 9408€ (Stand 2020). Zu diesem hinzu kommt, dass du von deinem Einkommen noch Werbungskosten i.H.v. mindestens 1.000€ und ggf. Vorsorgeaufwendungen und Sonderausgaben abziehen kannst. Nur derjenige Teil deines Einkommens, der dann noch den Steuerfreibetrag überschreitet wird am Ende tatsächlich besteuert, zunächst auch nur mit dem Eingangssteuersatz von 14%.
In der Regel wird nun aber im zweiten Job Lohnsteuer eingezogen, selbst dann die Jahresfreibetragsgrenze  voraussichtlich nicht überschritten wird. Das hängt mit den Steuerklassen zusammen. Zu viel gezahlte Beiträge kannst du dir am Jahresende per Steuererklärung zurückerstatten lassen oder bereits im Vorfeld auf Antrag einen Teil deines Freibetrags auf den anderen Job übertragen. Mehr dazu hier.

b) Wenn dein Minijob pauschal mit 2% versteuert wird, so zählt das Einkommen aus dem Minijob nicht mehr in dein zu versteuerndes Jahreseinkommen, du kannst dir wiederum aber auch evt. insgesamt zu viel bezahlte Steuern nicht zurückerstatten lassen.

 

Übunsleiter_innenpauschale

Grundsätzlich kann es möglich sein, dass die Übungsleiter_innenpauschale für dein Job als Tutor_in angewendet werden kann. Ob es möglich ist und was du dafür tun musst kannst du bei der Personalabteilung der Uni/Hochschule erfragen. Es kann sein, dass sie dafür extra einen Antrag stellen müssen, damit es zulässig ist.

 

Wenn du noch Fragen hast, kannst du auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort nutzen, dich persönlich bei deiner Mitgliedsgewerkschaft beraten lassen oder dich gerne wieder an uns wenden.

Beste Grüße
Miriam
DGB-Jugend Studierendenberatung

RE: Lohnsteuer bei Werkstudentin + Minijob

Liebe Miriam,

vielen Dank für die vielen Infos! Ich habe mich nun für den Job angemeldet und hatte Probleme das Formular auszufüllen, in dem nach Haupt- oder Nebenbeschäftigung gefragt wird. Laut Auskunft meiner Uni muss ich für den Minijob Nebenbeschäftigung und Lohnsteuerklasse 6 angeben. Eigentlich dachte ich, dass er trotzdem zusammen mit dem Werksstudentenjob Lohnsteuerklasse 1 ist? 

Außerdem wollte ich wissen, ob der Minijob dann pauschal oder über Steuer-ID abgerechnet wird - dazu wurde ich von der Uni an das Finanzamt verwiesen. Wie kann ich diese Information bekommen? Ich möchte meinem zweiten Arbeitgeber rechtzeitig Bescheid geben. 

Danke für die Hilfe!

Liebe Grüße
Mona

RE: Lohnsteuer bei Werkstudentin + Minijob

Hallo Mona,

"Hauptbeschäftigung" und "Nebenbeschäftigung" meint hier, ob der Job an der Uni dein einziger bzw. der quasi vorrangige ist oder - wie bei dir in Kombi mit dem besser bezahlten Werkstudijob - eine Nebenbeschäftigung.

Das ist wichtig wegen der Abrechnung in der korrekten Lohnsteuerklasse. Dabei kann immer nur ein Job (die "Hauptbeschäftigung") über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden.
Werden beide Jobs über deine Steuer-ID abgerechnet, musst du einen davon über die ungünstige Lohnsteuerklasse 6 laufen lassen (das ist dann die "Nebenbeschäftigung"). Das ist immer der Fall, wenn du mehrere Jobs über Steuer-ID hast.
In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag in Höhe von 9744€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
Du kannst aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen.

Bei 450€-Minijobs gibt es dann noch die Besonderheit, dass sie pauschal mit 2% versteuert werden können. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden.
Wird der Minijob aber über deine Steuer-ID abgerechnet, fällst du dort in Steuerklasse 6.

Das kannst du also bereits dadurch rausbekommen, in dem du schaust, ob du bei der Uni deine Steuer-ID angeben musstest. Auch der Arbeitsvertrag kann darüber Aufschluss geben. Wenn ein Bruttoentgelt vereinbart ist, spricht das gegen eine Pauschalversteuerung über die Arbeitgeberin.
Die Entscheidung, ob ein Minijob pauschal versteuert wird oder über Steuer-ID trifft nicht das Finanzamt, sondern deine Arbeitgeberin! Warum die dich ans Finanzamt verweisen, ergibt keinen Sinn.

Sollten die dich über Steuer-ID versteuern wollen, kannst du einfach fragen, ob sie es auch pauschal machen würden. eigentlich ist das sogar weniger Aufwand. Beachte aber:
Die Pauschalsteuer kannst du nicht mit einer Steuererklärung zurückbekommen, über die Steuer-ID zu viel eingezogene Steuern aber ggf. schon.

Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen.

Frag auch bei der Uni mal nach, ob bei dem Job nicht auch die Übungsleiter_innenpauschale greift. Damit kannst du bis zu 3000€/Jahr zusätzlich zum Steuerfreibetrag steuer- und sozialversicherungsfrei dazuverdienen! Wird das gleich so angemeldet, fallen auf den Minijob gar keine Abzüge an.
Eventuell musst du das auch beim Landesamt für Besoldung oder dem Finanzministerium beantragen. Das ist in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich.
Wenn das nicht geht und die Uni auch nicht weiterhelfen kann, kannst du die Übungsleiter_innenpauschale aber auch noch nachträglich in deiner Steuererklärung geltend machen (sofern der Miniob nicht doch pauschal versteuert wird).

Nutze auch unser Beratungsangebot bei dir vor Ort, die persönliche Beratung bei deiner Mitgliedsgewerkschaft oder wende dich gerne wieder an uns.

Beste Grüße
Andrea
DGB-Jugend Studierendenberatung

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