Deutscher Gewerkschaftsbund

Studienfinanzierung: Raus aus dem Krisenmodus!

Geld, Job, Sicherheit – warum Gewerkschaft in Krisenzeiten eine der besten Lösungen ist. Auch für Studierende.


Studium und Corona

Miete. Essen. Rückmeldegebühr. Semesterticket. Winterjacke. Leben kostet Geld. Studieren auch. Wer kein finanzstarkes Elternhaus im Rücken oder anderweitig ausreichend Geld auf der hohen Kante hat, steht im Verlauf des Studiums durchgehend oder zumindest in regelmäßigen Abständen vor finanziellen Herausforderungen.

Die Corona-Pandemie hat das Problem nun drastisch verschärft. Denn zwei Drittel der Studierenden jobben neben ihrem Studium, um sich finanzieren zu können. Und der Großteil dieser Jobs ist in Bereichen angesiedelt, die besonders stark von der Corona-Krise betroffen waren – Veranstaltungsbranche, Gastronomie, Handel, etc. Damit brach für viele mindestens ein finanzielles Standbein weg.

Harris, Student für Informationstechnologie, verlor durch Corona kurzzeitig seinen Nebenjob in einem Café: "Ich hatte das Glück, dass mich meine Eltern finanziell unterstützen konnten."

Doch er berichtet auch, dass dies für viele seiner Mitstudierenden nicht möglich war, weil ihre Eltern durch Kurzarbeit selber auf einmal finanziell schlechter aufgestellt waren. "Es gab ja von der Regierung sehr lange keinen Plan, wie man Studierenden helfen kann. Dabei wird immer wieder betont, dass Azubis und Studierende die Zukunft Deutschlands sind."

DGB-Jugend

© DGB-Jugend BBR

Studium kostet Geld. Und die Corona-Pandemie hat das Problem der Finanzierung drastisch verschärft. Die DGB-Jugend hat darauf von Anfang an aufmerksam gemacht - z. B. mit ihrem Alternativen BAföG-Bericht.


Alleingelassen

Aber erwerbstätige Studierende haben trotz Arbeit in der Regel weder Anspruch auf Arbeitslosengeld I noch auf ALG II. Was nichts anderes bedeutet als: Job weg = Einkommen weg. Und das ist extrem belastend und unsozial.

Tilman ist in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) aktiv und engagiert sich in der Studienberatung beim AStA der Universität Potsdam. Andere Menschen, so Tilman, hätten während der Pandemie zumindest insofern vom ALG II profitiert, als dass sie nicht aus ihren Wohnungen geflogen sind. "Aber kein_e Studierende_r bekommt Hartz IV, das ist ein Unding! Manchen konnten wir wirklich nur dazu raten, ein Urlaubssemester einzulegen, damit sie Hartz IV beziehen konnten", sagt er.

Deshalb forderte die DGB-Jugend sehr schnell nach Beginn der Krise eine Erweiterung der Anspruchsberechtigung für ALG II. Lebensunterhalt und Wohnkosten müssen für alle Menschen gesichert sein – erst recht im Angesicht eines gesellschaftlichen Ausnahmezustandes.

Auch die Verankerung unbürokratischer und schneller Notfallhilfen im BAföG gehörte zu den zentralen Forderungen der DGB-Jugend. Doch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit Anja Karliczek an der Spitze stellte sich quer: Die Forderungen seien "nicht praktikabel und zielführend" hieß es. Letztendlich rang man sich zur sogenannten Überbrückungshilfe durch. Die lag – je nach nachweisbarer Bedürftigkeit – zwischen 100 und 500 Euro pro Monat.

Nun kann zum einen wohl kaum jemand davon Miete und Lebenshaltungskosten decken. Und zum anderen musste man tatsächlich bereits bis überm Kinn im Wasser stehen, um diesen Rettungsring überhaupt anfordern zu können. Tilman: "Die Überbrückungshilfe war abhängig vom Kontostand. 500 Euro bekam man nur, wenn man nicht mehr als 100 Euro auf dem Konto hatte. Prinzipiell war diese Unterstützung zwar besser als nichts, sie hat jedoch nur punktuell geholfen und nur denen, die wirklich richtig schlimm dran waren."

Alternativer BAföG-Bericht der DGB-Jugend 2021 (PDF, 3 MB)

Daten und Fakten für eine bessere Ausbildungsförderung: Die DGB-Jugend schließt mit dem Alternativen BAföG-Bericht eine zeitliche Lücke, da der 22. BAföG-Bericht der Bundesregierung auf das Jahr 2022 verschoben wurde. So soll auch im Jahr der Bundestagswahl die Debatte um Stand und Perspektiven der Ausbildungsförderung bereichert werden. Hier könnt ihr Print-Exemplare bestellen: www.dgb-bestellservice.de/alternativer-bafoeg-bericht.html


Und nun?

Wie ist der aktuelle Stand und welche Optionen stehen überhaupt noch zur Verfügung? Da wäre zum einen das BAföG. "Wer bisher BAföG bekommt, bekommt es auch weiterhin", sagt Tilman.

Wird die Regelstudienzeit aufgrund ausgefallener Prüfungen überschritten, wird das BAföG in den allermeisten Fällen weiterbezahlt. "Wie viel BAföG man bekommt, hängt in der Regel vom Einkommen der Eltern ab", sagt Tilman. "Verdienen diese nun aufgrund der Pandemie weniger, z. B. durch anhaltende Kurzarbeit, kann ein Antrag auf Aktualisierung gestellt werden."

Unter bestimmten Voraussetzungen hast du die Möglichkeit, ein Stipendium zu bekommen, z. B. bei der Hans-Böckler-Stiftung (HBS).

Die HBS ist die gemeinsame Stiftung der DGB-Gewerkschaften. Sie fördert Studierende (und Promovierende) mit gewerkschaftlichem und/oder gesellschaftspolitischem Engagement.

Voraussetzung für eine Förderung ist ein formaler BAföG-Anspruch. Aber auch, wenn aufgrund des Alters (ab 35 Jahre) kein formaler BAföG-Anspruch mehr besteht, du deinen Studienwunsch jedoch überzeugend biografisch begründen kannst, hast du eine Chance auf Förderung.

Studierende auf dem zweiten oder dritten Bildungsweg werden bevorzugt gefördert. Hier kannst du dich informieren.

Wohngeld kann dabei helfen, die Miete zu stemmen. Anspruch kannst du allerdings nur dann haben, wenn dem Grunde nach kein Anspruch auf BAföG besteht – zum Beispiel bei Überschreitung der Altersgrenze oder der Förderungshöchstdauer (Infos: hier).

Die Überbrückungshilfe kannst du nur noch bis einschließlich September 2021 beantragen (Infos: hier).

Ausführliche Infos gibt's auch sonst auf unserer Website.


Was tun!

Aber auch ohne Pandemie ist das Studium - neben vielem anderen - auch eine sozio-ökonomische Herausforderung für viele. Nicht ohne Grund studieren beispielsweise wesentlich weniger Menschen aus nichtakademischen Familien als solche mit Bildungsbürgerhintergrund. Und dieses Problem lässt sich nicht durch Notfallhilfen und spezielle Förderungsprogramme lösen – hier braucht es politischen Druck von vielen Beteiligten.


Zum Beispiel: Bessere Arbeitsbedingungen für Studentische Beschäftigte

Extrem kurze Vertragslaufzeiten, Kettenbefristung, keine existenzsichernden Löhne und keine Interessenvertretung – so sieht die Realität für die meisten der ca. 300.000 Studentischen Beschäftigten an den deutschen Hochschulen aus.

Während für fast alle anderen Beschäftigten an der Hochschule tarifvertragliche Regelungen gelten, werden bei Studentischen Beschäftigten oft noch nicht einmal die gesetzlichen Mindeststandards eingehalten. Dieser Zustand ist unhaltbar!

Und genau deshalb ist jetzt die bundesweite Kampagne "Keine Ausnahme! Für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen Studentischer Beschäftigter" am Start. Das unter anderem von vielen Gewerkschaftsgruppen getragene Bündnis fordert einen Tarifvertrag zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Studentischen Beschäftigten (TVStud).

Es geht um existenzsichernde Löhne, bessere Planbarkeit durch Mindestvertragslaufzeiten, die Einhaltung von Mindeststandards wie Urlaubsanspruch und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und das Recht auf Mitbestimmung.

Und auch in der Tarifrunde des öffentlichen Dienstes sind Gewerkschafts-Forderungen für studentisch Beschäftigte dieses Jahr vorne mit dabei.

Interesse, mitzumachen? Hier findest du Hintergründe, Materialien und Kontakte bei dir vor Ort: tvstud.de/kampagne/

Keine Ausnahme

© Kampagne TVStud

Extrem kurze Vertragslaufzeiten, Kettenbefristung, keine existenzsichernden Löhne und keine Interessenvertretung - wir halten dagegen.


Zum Beispiel: BAföG besser machen!

Ganze 11 Prozent der Studierenden erhalten aktuell BAföG. Das ist ein historischer Tiefstand. Vor 50 Jahren ins Leben gerufen, war das BAföG ein Meilenstein auf dem Weg zu mehr Bildungsgerechtigkeit in Deutschland.

Heute ist es kaputtgespart. Steigende Preise, explodierende Mietkosten, unrealistische Regelstudienzeiten – das BAföG bedarf einer grundlegenden Reform. Und auch kurzfristig fordern wir als DGB-Jugend:

  • die deutliche Erweiterung des Kreises der Anspruchsberechtigten
  • die Erhöhung der Bedarfssätze, Freibeträge sowie Pauschalen und die Anpassung an reale Lebenshaltungskosten
  • die (Rück-)Umwandlung des BAföG in einen Vollzuschuss ohne Rückzahlungspflicht
  • eine realistische Förderdauer
  • einen Notfallmechanismus für unbürokratische Hilfe.

Du willst uns unterstützen? Dann unterschreibe und teile die Petition der Initiative "50 Jahre BAföG. (K)ein Grund zu feiern!"

50 Jahre BAföG

© fzs

50 Jahre BAföG - nicht alle sind begeistert - hilf mit, damit es besser wird!


Das klappt nur gemeinsam!

Wir haben jede Menge vor. Aber zusammen sind wir auch eine ganze Menge Power. Und wenn wir die nutzen, wird aus unseren Forderungen Wirklichkeit.

Stell es dir einfach mal vor: Wie viel einfacher wäre dein Studium mit einem fairen BAföG? Wie viel besser dein Job mit einem guten Tarifvertrag? Und wie viel entspannter damit vielleicht auch dein Leben?

Du siehst – es lohnt sich! JOIN us! Organisierung hilft!

Du hast Fragen oder Beratungsbedarf?

Viele Informationen und Hilfestellungen für Studierende im Zusammenhang mit Corona findest du in unserem Covid19-FAQs.

Und natürlich steht dir auch unsere Online-Beratung für Studierende jederzeit zur Verfügung – unbürokratisch, anonym und kostenlos.

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