Deutscher Gewerkschaftsbund

Steuerfreie Einkünfte

Wer nebenberuflich mit pädagogischen Tätigkeiten oder im Bereich Kunst oder Pflege Geld verdient oder für ein Ehrenamt eine Aufwandsentschädigung erhält, kann unter bestimmten Umständen die Übungsleiter_innen- oder Ehrenamtspauschale in Anspruch nehmen. Das bedeutet, dass diese Einkünfte – zusätzlich zum Steuergrundfreibetrag – bis zu einer bestimmten Höhe steuerfrei sind.

Lass dich nicht vom Begriff "Pauschale" verwirren: Für Einkünfte, die unter eine der beiden Pauschalen fallen, wird Steuerfreiheit nicht zwingend pauschal gewährt, sondern ggf. erst durch die Anerkennung vom Finanzamt.

Übungsleiter_innenpauschale

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Die Übungsleiter_innenpauschale kannst du in Anspruch nehmen, wenn du nebenberuflich für öffentlich-rechtliche Institutionen oder gemeinnützige Träger (Sportverein, Kulturverein, Universität, Kirche, Jugendzentrum, Volkshochschule, Stadtverwaltung etc.)

  • Kurse, Seminare, Schulungen oder Unterricht durchführst bzw. vergleichbare pädagogische Arbeit leistest,
  • künstlerisch tätig bist oder
  • alte, kranke oder Menschen mit Behinderung pflegst.

Diese Einkünfte werden bis zu einer Höhe von 3.000 Euro im Jahr (bis einschließlich 2020 waren es maximal 2.400 Euro im Jahr) nicht auf das zu versteuernde Einkommen angerechnet.

Die Pauschale kann von deinen Einnahmen abgezogen werden, unabhängig davon, ob du steuerlich selbstständig oder als Arbeitnehmer_in tätig bist. Außerdem bleiben Einnahmen, die unter die Übungsleiter_innenpauschale fallen, beim BAföG anrechnungsfrei und zählen in der Sozialversicherung, z.B. bei der gesetzlichen Familienversicherung oder 450-Euro-Minijobs, nicht zum Einkommen.

Ausnahme: Bei der freiwilligen Krankenversicherung zählen Einkünfte, die unter die Übungsleiter_innenpauschale fallen, zum beitragspflichtigen Einkommen.

Du kannst so zum Beispiel im 450-Euro-Minijob regelmäßig bis zu 650 Euro im Monat verdienen und trotzdem noch als Minijobber_in abgerechnet werden, da bis zu 200 Euro im Monat unter die Übungsleiter_innenpauschale fallen können.

Bei Werkstudent_innen werden Sozialversicherungsbeiträge nur für denjenigen Betrag berechnet, der nach Abzug der Pauschale verbleibt. Als Selbstständige_r kannst du die Pauschale in der Steuererklärung geltend machen und bei der Gewinnermittlung von deinen Einnahmen abziehen.

Auch wenn du als Tutor_in an der Hochschule Lehrveranstaltungen durchführst, greift die Übungsleiter_innenpauschale. Die Pauschale muss dann je nach Bundesland bei der Hochschule direkt oder dem zuständigen Landesamt für Besoldung beantragt werden. Erkundige dich dazu am besten direkt bei deiner Hochschule.

Nicht unter diese Regelungen fallen in der Regel die Aufwandsentschädigungen für Referent_innen bei ASten und StuRä. Der Bundesfinanzhof hat 2008 entschieden, dass diese Referent_innen in den meisten Fällen als sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer_innen zu betrachten sind.

Auch für Aufwandsentschädigungen und Honorare, die du als Teamer_in von einer Gewerkschaft erhältst, kannst du die Übungsleiter_innenpauschale nicht geltend machen. Gewerkschaften gelten steuerrechtlich weder als öffentlich-rechtliche Institutionen noch dienen sie als Interessenvertretungen der "Förderung gemeinnütziger, mildtätiger oder kirchlicher Zwecke".

Ehrenamtspauschale

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Bist du ehrenamtlich, aber nicht pädagogisch, künstlerisch oder in der Pflege tätig, kannst du dennoch von steuerlichen Vergünstigungen profitieren. Für die Einnahmen aus ehrenamtlicher Tätigkeit, die nicht unter die Übungsleiter_innenpauschale fallen, werden bis zu einer Höhe von 840 Euro im Jahr (720 Euro pro Jahr bis einschließlich 2020) nicht auf das zu versteuernde Einkommen angerechnet.

Diese Pauschale kann für verschiedene Tätigkeiten in Anspruch genommen werden, die in gemeinnützigen Vereinen oder bei kirchlichen und öffentlichen Trägern anfallen, zum Beispiel als Vereinsvorstand, Schatzmeister_in, Zeugwart_in, im Aufräum-/Reinigungsdienst oder als Platzwart_in.

Die Ehrenamtspauschale und die Übungsleiter_innenpauschale schließen sich nicht gegenseitig aus. Wenn du zum Beispiel Vereinsvorstand bist und als Trainer_in eine Aufwandsentschädigung erhältst, gelten die jeweiligen Pauschalen.

Beachte: Aufwandsentschädigungen, die du z.B. als Standbetreuer_in von deiner Gewerkschaft erhältst, fallen nicht unter die Ehrenamtspauschale. Gewerkschaften gelten weder als öffentlich-rechtliche Institutionen noch dienen sie als Interessenvertretungen der „Förderung gemeinnütziger, mildtätiger oder kirchlicher Zwecke“ im Sinne des Steuerrechts.

Weiterführende Infomationen: