Deutscher Gewerkschaftsbund

Vertrag und Honorar

Im Rahmen der allgemeinen Vertragsfreiheit steht es dir grundsätzlich frei, wie und mit wem du worüber Verträge abschließt. Es gibt dabei keinen Zwang zu einer bestimmten Form, auch mündliche Absprachen sind prinzipiell gültig – allerdings im Streitfall schwerer nachweisbar.

Dienstvertrag vs. Werkvertrag

Es gibt grundsätzlich zwei unterschiedliche Arten von Verträgen bei selbständiger Tätigkeit: Dienstverträge und Werkverträge.

Bei (freien) Dienstverträgen wird ein Honorar für eine bestimmte Arbeitsleistung vereinbart, z.B. für einen Vortrag oder eine bestimmte Anzahl von Stunden.

Bei Werkverträgen vereinbarst du ein bestimmtes Werk, also das fertige Ergebnis einer Arbeit und die entsprechende Vergütung, z.B. wenn du eine Broschüre verfasst oder eine Website einrichtest.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen diesen Vertragsarten liegt in der Frage, wer das Risiko dafür trägt, wie lange du für die Arbeit brauchst. Wenn deutlich mehr Arbeit anfällt, als vermutet, trägst du das Risiko bei Werkverträgen komplett selbst und bekommst nicht mehr Geld. Werkverträge solltest du also nur abschließen, wenn du dir über den Aufwand sehr gut im Klaren bist. Wenn du dann wiederum deutlich schneller bist als gedacht, bekommst du trotzdem das volle Honorar, während du bei einem Dienstvertrag nur die tatsächlichen Zeitstunden in Rechnung stellen kannst.

Übrigens, auch wenn’s ähnlich klingt: Werkverträge und
Werkstudierendenstatus sind völlig unterschiedliche Dinge.

Verträge schließen: Dos and Don‘ts

Lass dich bei der Formulierung von Verträgen nicht von rechtlichem Fachsprech in die Irre leiten. Du darfst statt eines förmlich wirkenden Vertrags auch einfach in deinen eigenen Worten klar ausdrücken, was du vereinbaren möchtest. Du musst auch nicht einfach einen Standard-Vertrag akzeptieren. Keine Angst: Für vieles, was nicht explizit im Vertrag geregelt ist, gelten gesetzliche Regelungen (v.a. das BGB), die häufig für dich günstiger ausfallen als irgendwelche Musterverträge aus dem Internet. So haftest du bei einem Dienstvertrag standardmäßig beispielsweise nur für Schäden, die du grob fahrlässig oder vorsätzlich verursacht hast. Und wenn dir ein Werkvertrag gekündigt wird, ist ggf. trotzdem das volle Honorar fällig, wenn du keinen Ersatz findest.

Hier einige Hinweise, welche du bei Vertragsverhandlungen und -formulierung beachten solltest:

DO
DON'T
Vertrag schriftlich festhalten Auf mündliche Zusagen vertrauen
Leistungen und Vergütung klar und präzise benennen Interpretationsspielräume lassen
Bestimmen, womit Auftraggeber_in in Vorleistung treten muss Unklar lassen, wer Arbeitsmittel stellt
Klare Termine für Anfang und Ende ausmachen Vor Vertragsschluss arbeiten und das Ende von externen Faktoren abhängig machen
Ggf. klare Nutzungsrechte festhalten Leichtfertig alle Rechte abtreten
Ggf. Ausfallhonorar regeln Hohe Vertragsstrafen akzeptieren

 Weitere Hinweise für Verträge hier bei selbststaendigen.info von ver.di.

Wie viel Honorar?

Der Knackpunkt bei vielen Vertragsverhandlungen ist die Höhe des Honorars. Die Stundensätze klingen hier im Verhältnis zu Arbeitsverträgen häufig erst einmal verlockend. Da du als Selbstständige_r aber eventuell die vollen Beiträge zur Sozialversicherung (SV) allein zahlen und außerdem Rücklagen für Urlaubs- und Krankheitszeiten sowie mögliche Auftragsflauten bilden musst, muss dein Stundenhonorar deutlich höher liegen als der Bruttostundenlohn von Angestellten. Hier solltest du auch berücksichtigen, dass du zusätzliche Arbeitszeit für Buchführung und Steuern, Auftragsakquise sowie unter Umständen für Vor- und Nachbereitung einkalkulieren musst. Auch diese Arbeitszeit muss aus deinem Honorar bezahlt werden. Weil sich der jeweilige Aufwand von Tätigkeit zu Tätigkeit unter­scheidet, gibt es kein allgemeingültiges Verhältnis von Gehalt zu Honorar.

Woran kannst du dich orientieren?

  • Faustregel: Ein Honorar sollte nicht niedriger als das 2,5-Fache des angemessenen Bruttostundenlohnes für vergleichbare Arbeit sein.
  • Orientiere dich außerdem an deinem Bedarf. Wenn al­le Ver­güns­ti­gun­gen für Stu­die­ren­de, wenn Un­ter­halt, BAföG etc. weg­fal­len und dei­ne An­sprü­che lang­sam stei­gen, muss das Ho­no­rar aus ei­ner Voll­zeit­tä­tig­keit aus­rei­chen, um dei­nen ge­sam­ten Le­bens­un­ter­halt zu fi­nan­zie­ren.
  • Weiterhin solltest du dich an branchenüblichen Honoraren orientieren. Für viele Tätigkeiten findest du hier auf selbststaendigen.info Erfahrungswerte. Frage wenn möglich auch erfahrene Kolleg*innen, da sie dir zusätzlich Tipps dazu geben können, wie du selbstbewusst verhandelst.