Deutscher Gewerkschaftsbund

Steuer für Selbstständige

Am Anfang: die Anmeldung

Als Selbständige_r musst du dich selbständig um die Entrichtung deiner Steuern kümmern. Dafür brauchst du eine Steuernummer vom Finanzamt. Du beantragst die Steuernummer mit dem Formular "Anzeige einer Betriebsaufnahme bzw. einer freiberuflichen Tätigkeit". Dieses Formular wirkt für Laien oft schwer verständlich. Lass dich nicht abschrecken und lass dir das Formular in der Sprechstunde des Finanzamts erklären, damit dir keine Fehler unterlaufen. Manchmal reicht auch ein einfacher Anruf schon aus, um die Steuernummer mitgeteilt zu bekommen. Bis Mai musst du für das vorangegangene Jahr eine Einkommensteuererklärung abgeben, sonst schätzt das Finanzamt einfach, wie viele Steuern du zahlen musst.

Freiberufler oder Gewerbetreibender?

Es gibt zwei Sorten Selbständige: Gewerbetreibende und Freiberufler_innen. Die Freiberufler_innen haben besonders bei der Steuer Vorteile - so fällt keine Gewerbesteuer an. Auch eine Mitgliedschaft in einer Kammer ist für viele Freiberufler_innen nicht nötig - für Gewerbetreibende ist sie immer Pflicht.

Die bei der Steuer relevante Definition freiberuflicher Tätigkeit findet sich in Paragraf 18 des Einkommensteuergesetzes. Danach gehören zur freiberuflichen Tätigkeit die selbständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit.

Die Grenze zwischen Gewerbetreibenden und Freiberufler_innen ist nicht leicht zu erkennen. Ein Beispiel: Ein Screendesigner ist Freiberufler, eine Onlineprogrammiererin jedoch nicht: Der eine arbeitet künstlerisch, die andere nicht. Wenn du dir nicht sicher bist, wie deine Tätigkeit eingeschätzt wird, frage beim Finanzamt oder Ordnungsamt nach.

Wenn du selbständig, aber nicht freiberuflich tätig bist, musst du ein Gewerbe anmelden. Die Anmeldung erfolgt in der Regel beim örtlichen Ordnungs- oder Gewerbeamt, du erhältst einen „Gewerbeschein“, für den eine Bearbeitungsgebühr (zirka 25 Euro) fällig wird. Außerdem musst du nun Gewerbesteuer in der von der Kommune festgelegten Höhe entrichten.

Gewerbesteuer fällt erst an, wenn du mit deinem Gewerbe einen Gewinn machst, der einen Freibetrag von 25.000 Euro übersteigt. Von deiner Anmeldung wird neben dem Finanzamt auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) bzw. die Handwerkskammer informiert, du bist jetzt zwangsläufig Mitglied der IHK.

Übrigens gibt es jenseits des deutschen Steuerrechts weitere, z.T. abweichende Definitionen der FreiberuflerInnen, sowohl im deutschen Recht (Partnerschaftsgesellschaftsgesetz, §1) als auch innerhalb des EU-Gemeinschaftsrechtes (EuGH-Urteil C-267/99 sowie Richtlinie zur gegenseitigen Anerkennung von Berufsqualifikationen, Erwägungsgrund 43). Das zeigt einmal mehr: Wer in größerem Maße selbständig arbeiten will, sollte sich ausreichend juristisch beraten lassen können.

Umsatzsteuer

Neben der Einkommensteuer fällt auch Umsatzsteuer an, wenn du im vergangenen Jahr mehr als 17.500 Euro Umsatz hattest und im laufenden Jahr voraussichtlich mehr als 50.000 Euro Umsatz haben wirst. Wenn du vorhersehbar einen geringeren Umsatz haben wirst, kannst du gleich mit der Anmeldung beim Finanzamt die Befreiung von der Umsatzsteuer beantragen. Eine Befreiung von der Umsatzsteuerpflicht kannst du zwei Jahre lang rückgängig machen. Wenn du die Umsatzsteuerpflicht akzeptierst, bindet dich das für fünf Jahre. Wenn du am Anfang der Selbständigkeit große Ausgaben hast, kann die Umsatzsteuerpflicht vorteilhafter sein. Du kannst die selbst bezahlte Umsatzsteuer verrechnen.
Wenn du in deiner Tätigkeit die Umsatzsteuer nicht ausweisen musst beziehungsweise diese in deinem Honorar inklusive sein soll, kann es aber auch nur mehr arbeit machen und für dich keinen Gewinn bringen.
Lass dich deshalb zu Beginn genau beraten.