Deutscher Gewerkschaftsbund

Arbeit erlaubt? (Internationale Studierende in Deutschland)

Frau die überlegend hält Globus in der Hand

© DGB-Jugend/Simone M. Neumann

Studierende aus EU-Staaten

Studierende aus EU- und den EWR-Vertragsstaaten (Island, Liechtenstein und Norwegen) sowie der Schweiz benötigen kein Visum zur Aufnahme eines Studiums. Sie müssen sich lediglich beim Einwohnermeldeamt anmelden, ein zusätzlicher Weg zur Ausländerbehörde ist nicht nötig. EU-, EWR- sowie Schweizer Bürger_innen genießen als Arbeitnehmer_innen Freizügigkeit und haben den gleichen Arbeitsmarktzugang wie Deutsche. Sie benötigen keine Genehmigung, um eine Erwerbstätigkeit, ein Studium oder ein Praktikum in Deutschland aufzunehmen.

Lediglich beim Zugang zu Sozialleistungen wie z.B. dem BAföG bestehen Besonderheiten.

Studierende aus Nicht-EU-Staaten

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Im Ausland immatrikuliert:
Internationale Studierende, die nicht an einer deutschen Hochschule, sondern ausschließlich an einer ausländischen Hochschule immatrikuliert sind, können in Deutschland grundsätzlich als Saisonarbeiter_innen arbeiten. Eventuelle Einschränkungen können sich aus ihrem Aufenthaltstitel ergebenden, im Zweifel kann die Ausländerbehörde Auskunft geben.

Unter engen Voraussetzungen ist Studierenden ausländischer Hochschulen der Aufenthalt für ein Praktikum von bis zu sechs Monaten erlaubt.
Studierende, die an einer ausländische Hochschule immatrikuliert, aber EU-Bürger_innen sind, lesen bitte hier weiter.

Studierende, die einen Aufenthaltstitel zum Zwecke des Studiums in einem anderen EU-Mitgliedstaat haben, können in Deutschland für bis zu 360 Tage genehmigungsfrei studieren.

In Deutschland immatrikuliert:
Studierende aus Nicht-EU-Staaten können – sofern sie keinen anderen Aufenthaltstitel haben – für einen Studienaufenthalt in der BRD eine "Aufenthaltserlaubnis nach § 16 AufenthG zum Zwecke des Studiums" (inkl. genauer Bezeichnung der Universität und des Studiengangs) beantragen. Dieser Aufenthaltstitel ist befristet, wird im Reisepass eingetragen und ist in der Regel mit einer eingeschränkten Arbeitsgenehmigung verbunden.

Für ein in der Studienordnung verpflichtend vorgeschriebenes Praktikum oder ein Praktikum, welches zur Erreichung des Ausbildungsziels nachweislich erforderlich ist, ist keine Arbeitsgenehmigung erforderlich, auch nicht, wenn es vergütet wird. Das Praktikum gilt dann als Bestandteil des Studiums.

Für Nicht-EU-Bürger_innen, die einen anderen Aufenthaltsstatus haben, der auch zur Aufnahme eines Studiums berechtigt, können andere Regelungen in Bezug auf die Arbeitsaufnahme gelten. Hier kann die Ausländerbehörde Auskunft geben. Gegebenenfalls besteht Anspruch auf BAföG.

Mit Visum zu Studienzwecken: die 120-/240-Tage-Regelung

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Mit diesem Aufenthaltstitel wird eine Erlaubnis zur vorübergehenden Beschäftigung ohne Arbeitsgenehmigung erteilt, die zeitlich eingegrenzt ist. Studierende mit einem Visum zu Studienzwecken dürfen dann innerhalb eines Kalenderjahrs insgesamt nicht mehr als 120 volle Tage bzw. 240 halbe Tage arbeiten. Dabei gilt jeder Arbeitstag mit mehr als vier Arbeitsstunden als ganzer Tag und jeder Arbeitstag mit bis zu vier Arbeitsstunden als halber Tag.

Das bedeutet, dass nicht die wöchentliche oder monatliche Arbeitszeit relevant ist, sondern wie viele Tage bzw. halbe Tage du tatsächlich arbeitest. So kann dich zum Beispiel eine 12h-Woche auf 5 Tage verteilt (5 x 2,4h) insgesamt 2 ½ ganze Tage pro Woche "kosten", bei einer günstigeren Verteilung aber nur 1 ½ ganze Tage (1 x 8h plus 1 x 4h). Deshalb empfiehlt es sich, den Arbeitsvertrag/die Arbeitszeitverteilung wenn möglich so zu gestalten, dass die erlaubten Arbeitstage maximal ausgenutzt werden können. So bleibst du flexibel für eventuelle Jobwechsel und freiwillige Praktika.

Freiwillige Praktika fallen unter die 120-/240-Tage-Regel – selbst dann, wenn sie unentgeltlich abgeleistet werden. Absolvierst du zum Beispiel ein drei Monate dauerndes freiwilliges Vollzeitpraktikum, verbrauchst du damit bereits über 60 Tage. Beachte außerdem, dass ein freiwilliges Praktikum, das länger als 3 Monate dauern soll, zustimmungspflichtig durch die Ausländerbehörde ist. Hast du die Zustimmung für ein über 3 Monate dauerndes freiwilliges Praktikum erhalten, ist das Praktikum mit dem Mindestlohn zu vergüten.

Wichtig: Im Rahmen der eingeschränkten Arbeitsgenehmigung ist nur abhängige Beschäftigung erlaubt. Die Ausübung einer selbständigen Tätigkeit (Gewerbe, freiberufliche Arbeit, Honorarjobs etc.) ist nicht zulässig und kann zum Verlust des Aufenthaltstitels führen! Du kannst aber bei der Ausländerbehörde eine Erlaubnis beantragen.

Für Jobs, die über die 120 Tage im Jahr hinausgehen (sollen), muss die Zustimmung der Ausländerbehörde (und ggf. der Bundesagentur für Arbeit) eingeholt werden.

120-/240-Tage-Regelung - Ausnahmen

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Über die 120-/240-Tage-Regelung hinaus kannst du ohne Genehmigung arbeiten, wenn es sich bei deinem Job um eine studentische Nebentätigkeit handelt. Dazu gehören insbesondere Jobs als studentisch Beschäftigte_r an der Hochschule oder öffentlichen Forschungseinrichtungen (zum Beispiel als Tutor_in, wissenschaftliche_r Mitarbeiter_in oder Assistent_in). Ebenso gehören hochschulbezogene Tätigkeiten in hochschulnahen Organisationen (wie z.B. Tutor_innen in Wohnheimen der Studierendenwerke) oder Jobs beim AStA/StuRa dazu.

Achtung: Die Ausländerbehörde muss trotz der Zustimmungsfreiheit informiert werden, da sie im Einzelfall entscheidet, ob und inwieweit es sich tatsächlich um eine studentische oder wissenschaftliche Nebentätigkeit im Sinne dieser Regelung handelt. Bei Abgrenzungsschwierigkeiten soll die Hochschule beteiligt werden.

Nicht in die 120-/240-Tage-Regelung fallen in der Studienordnung vorgeschriebene Praktika. Pflichtpraktika im Rahmen eines Studiums in Deutschland gelten nicht als Arbeitsverhältnis, sondern als Bestandteil des Studiums.

Dies trifft ebenso auf die Master- und Bachelorand_innentätigkeit zu, also die in der Regel bezahlte Erstellung der Abschlussarbeit in Zusammenarbeit mit einem Unternehmen oder Betrieb. Auch hier handelt es sich um einen Bestandteil des Studiums und die 120-Tage-Regelung findet keine Anwendung.

120-/240-Tage-Regelung - Längere Beschäftigung beantragen

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Eine längerfristige Beschäftigung über 120 Tage beziehungsweise 240 halbe Tage im Jahr hinaus ist nur in Ausnahmen und auf Antrag möglich. Die dafür erforderliche Arbeitsgenehmigung kann generell

  • nur von der zuständigen Ausländerbehörde (nicht von der Agentur für Arbeit) und
  • nur für ein konkret vorzulegendes Stellenangebot

erteilt werden. Eine allgemeine Arbeitsgenehmigung für internationale Studierende gibt es nicht. Also: erst einen Job finden, dann Antrag stellen und erst nach erfolgter Genehmigung die Arbeit aufnehmen.

Voraussetzungen hierfür sind unter anderem der bisherige Erfolg des Studiums und die Vorrangprüfung, die mehrere Wochen dauern kann. Hier wird geprüft, ob kein_e geeignete_r Deutsche_r oder EU-/EWR-Bürger_in zur Verfügung steht. Aussicht auf Erfolg verspricht am ehesten eine Stellenbeschreibung, die genau auf die Person zugeschnitten ist und bestimmte Fähigkeiten verlangt (zum Beispiel spezielle Fremdsprachenkenntnisse).
Die Arbeitsagentur hat eine Einspruchsfrist von 14 Tagen.

Weiterführende Informationen

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